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Neuordnung des Telekommunikationsmarktes Endlich schnelles Internet

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Höhere Preise

Ein Grund für den Vorsprung liegt darin, dass die höheren Preise in den USA die Telekommunikationskonzerne ermutigen, kräftiger in die Übertragungsnetze zu investieren. Während der Durchschnittskunde in den USA im Mobilfunk umgerechnet 53 Euro pro Monat zahlt, sind es nach jüngsten Marktanalysen der GSMA in Europa lediglich 29 Euro und in Deutschland sogar nur 23 Euro pro Monat.

Investitionen im Mobilfunknetz

Entsprechend kritisch sieht inzwischen die Brüsseler EU-Kommission den von vielen Anbietern und scharfem Wettbewerb geprägten europäischen Markt. „Es fällt uns schwer, im weltweiten ICT-Ökosystem zu bestehen“, schreibt die für Internet, Telekommunikation und IT (ICT) zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes in einem internen Positionspapier. Durch die Liberalisierung und die Einführung von Wettbewerb hatte Europa in den Neunzigerjahren die Führungsrolle bei Kommunikationstechnologien und -diensten übernommen, erinnert sich Kroes. Doch die habe Europa inzwischen an die USA und an Südostasien verloren. „Bei Nutzung superschneller Mobilfunknetze mit LTE-Technik spielt Europa in derselben Liga wie Afrika.“

Wettbewerbsintensität auf den Mobilfunkmärkten in Westeuropa

Fieberhaft denkt die Niederländerin deshalb über ein neues Regulierungsmodell nach, um die hohen Ausbauziele der Netze zu erreichen, die sie in ihrem Plan „Digital Agenda“ bis 2020 erreichen will. Jeder EU-Bürger soll bis dahin einen Breitbandanschluss mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 Megabit, jeder zweite sogar 100 Megabit pro Sekunde bekommen. Weniger strenge Vorgaben bei der Preisregulierung sollen die Netzbetreiber zu zusätzlichen Infrastrukturinvestitionen anstacheln.

Zugleich gehört die nun ausgebrochene Fusionitis ausdrücklich zu Kroes’ Programm, das eine Erleichterung von Firmenzusammenschlüssen und -übernahmen empfiehlt. Der zersplitterte Markt in der EU mit über 170 Netzbetreibern, die selten in mehreren Ländern aktiv sind, ist für sie eine Ursache dafür, dass Europa hinter führende Internet-Nationen wie die USA und China zurückfällt.

Als Modell für die Neuordnung soll der Infrastrukturwettbewerb in den USA und China dienen. Dort gibt es einen einheitlichen Telekommunikationsmarkt mit 315 beziehungsweise 1350 Millionen Kunden, die – so Kroes in ihrem Papier – „nur zwischen drei oder vier Netzbetreibern wählen können“.

Eine Fusion von O2 und E-Plus wäre da ein erster Schritt in diese Richtung. Einige Nachbarländer wie Österreich und die Niederlande haben bereits Übernahmen zugelassen, die die Zahl der Mobilfunkbetreiber auf drei reduzierten (siehe Grafik).

Doch Kroes hat die Rechnung ohne das Bundeskartellamt gemacht. „Solch ein Zusammenschluss hat erhebliche Folgen für den Wettbewerb und muss in all seinen Facetten genau geprüft werden“, kündigte Deutschlands oberster Wettbewerbshüter Andreas Mundt in der vergangenen Woche an. Auf politische Vorgaben aus Berlin oder Brüssel reagiert seine Behörde gewöhnlich allergisch.

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