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Neuordnung des Telekommunikationsmarktes Endlich schnelles Internet

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Tauziehen um E-Plus

Der Megadeal ist nur der Vorbote einer tief greifenden Veränderung im Telekommunikationsmarkt. In Europa und vor allem in Deutschland baut sich eine Fusions- und Übernahmewelle auf. Weitere treibende Kräfte neben Vodafone sind der spanische Telekomkonzern Telefónica und der mexikanische Milliardär Carlos Slim, die um die Vorherrschaft beim ebenfalls in Düsseldorf ansässigen Mobilfunker E-Plus kämpfen.

Die Spanier, mit O2 die Nummer vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, wollen sich für 8,1 Milliarden Euro den etwas stärkeren Billiganbieter E-Plus einverleiben, um eine ähnlich starke Stellung wie die bislang übermächtigen Konkurrenten Deutsche Telekom und Vodafone zu bekommen. Doch genauso wichtig ist E-Plus für die europäische Expansionsstrategie von Slims América Móvil, der die Fusionspläne seines Erzrivalen Telefónica deshalb mit der Übernahme der holländischen E-Plus-Mutter KPN durchkreuzen will.

Wer das Rennen macht, ist völlig offen. Doch für Lutz Schüler, Chef des zweitgrößten Kabelanbieters Unitymedia, ist es durchaus möglich, dass am Ende statt der bisher sechs nur noch vier große Telekomanbieter auf dem deutschen Markt überleben werden: die Deutsche Telekom, die neu formierten Gruppen Vodafone/Kabel Deutschland und Telefónica/E-Plus sowie Unitymedia/Kabel BW als lupenreiner Kabelanbieter.

Fast über Nacht ist Deutschland zum Experimentierfeld für die Telekommunikationskonzerne in Europa geworden. Denn überall plagt die Anbieter das gleiche Problem:

  • Das Datenvolumen im Internet steigt durch übers Web abrufbare Programme (Cloud Computing), soziale Netzwerke, Online-Spiele, Videodienste und Internet-Fernsehen so exorbitant an, dass alle Fest- und Mobilfunknetze an ihre Belastungsgrenze stoßen.
  • Um der Bits und Bytes Herr zu werden, sind Milliardeninvestitionen in neue Glasfaser- und Mobilfunknetze erforderlich. Die amortisieren sich aber nur mit einer höheren Zahl an Kunden sowie zumindest stabilen Preisen aufgrund einer gewissen Marktmacht.

„Kapazitätsengpässe im Datennetz sind keine ferne Utopie, sondern eine immer weiter um sich greifende Realität“, sagt Stefan Heng, der für Telekommunikation zuständige Analyst bei der Deutschen Bank Research. Doch um damit fertig zu werden, reicht die Finanzkraft der zum Teil hoch verschuldeten Ex-Monopolisten wie der Deutschen Telekom oder Telefónica nicht mehr aus. Heftige Preiskämpfe, aber auch die von Regulierungsbehörden verordneten Tarifsenkungen lassen die Einnahmen seit Jahren kontinuierlich sinken. Vor diesem Hintergrund schoben die einstigen Staatskonzerne dringend benötigte, aber äußerst riskante Investitionen in superschnelle Glasfaser- und Mobilfunknetze auf die lange Bank, auch um ihre Bonität und ihr Rating auf den Kapitalmärkten nicht zu gefährden.

Der Investitionsstau ist dadurch mittlerweile so groß, dass Europa im Internet längst den Anschluss gegenüber wichtigen Industrienationen wie Südkorea, Japan oder den USA verloren hat. Beim Ausbau von Glasfasernetzen gehören führende Industrienationen wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien weltweit zu den Schlusslichtern. Und auch in der einstigen Domäne Mobilfunk fällt Europa inzwischen weit hinter den USA zurück, wie eine Studie der GSM Association (GSMA), des Weltdachverbands der Mobilfunkanbieter, ermittelte. Die Mobilfunknetze in den USA sind aufgrund deutlich höherer Investitionen der Betreiber 75 Prozent schneller als in Europa. Und dieser Vorsprung werde sich in den nächsten Jahren noch vergrößern, befürchtet die GSMA. Das habe deutliche Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten. Die Datentransfers eines durchschnittlichen US-Kunden seien jetzt schon doppelt so hoch wie in Europa.

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