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Neuralink Elon Musk zeigt hirnimplantiertes Schwein

Elon Musk präsentiert ein Update seines Neuralink Hirnimplantats. Quelle: imago images

Menschen, Roboter, Schweine, Visionen - Elon Musk präsentiert ein Update seines Neuralink-Hirnimplantats. Geht es nach ihm, ist Elektronik der Schlüssel zum Volkswohl.

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Freitagnachmittag - 15 Uhr in Kalifornien beziehungsweise früher Abend in New York - ist eine ungewohnte Zeit, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dazu noch im Sommer. Auch global: In Europa ist es Mitternacht, in Peking sechs Uhr morgens, bereits Samstag.

Normalerweise wird diese Wochenend-Dämmerung von Regierungen genutzt, um unbequeme Nachrichten zu verkünden, ohne allzu viele Schlagzeilen zu provozieren. Der Silicon-Valley-Multiunternehmer Elon Musk spielt in einer anderen Liga und schert sich nicht um Konventionen. Schon gar nicht um Zeit. Er würde immer sein Publikum finden, egal in welcher Zeitzone. Rund 88.000 Zuschauer warten deshalb pünktlich um 15 Uhr pazifischer Zeit auf den Start der neuesten Präsentation seines Gehirnimplantat-Start-ups Neuralink, laut Angaben von Youtube. Los geht es erst 40 Minuten später - als die Marke auf 111.013 Zuschauer gestiegen ist.

Dann erscheint Musk auf einer Bühne mit blauem Vorhang. Er steht im Neuralink-Hauptsitz in San Francisco, flankiert von einem weißen Operationsroboter. Vor ihm sitzen Mitarbeiter mit Mundschutz. Hinter ihnen tummeln sich in schwarzen, mit Stroh bedeckten Metallgattern drei Schweine, betreut von Helfern in weinroten Kitteln. Menschen, Schweine, Roboter: Es ist wohl die ungewöhnlichste Szenerie, in der je ein Unternehmenschef erschienen ist.

Musk macht gleich klar, worum es bei dem Auftritt geht: „Wir wollen Talente ansprechen.“ Momentan beschäftigt Neuralink rund 100 Mitarbeiter, Musk will sie langfristig auf über zehntausend anwachsen lassen. Er braucht Spezialisten für Roboter, Software, Elektronik und Fertigung aus aller Welt. Und: „Niemand braucht Vorkenntnisse in der Gehirnforschung.“

Geboten wird eine riesige und hehre Aufgabe, die die Menschheit verändern soll. So wie Musk bei seinem Elektroautohersteller Tesla fossile Energie zurückdrängen, bei SpaceX den Weltraum erkunden und den Mars besiedeln will, zielt er auch bei Neuralink ganz hoch. Dessen Gehirnimplantat soll nichts weniger als Krankheiten kurieren, Unfallschäden rückgängig machen, Blinde sehen, Taube hören, Stumme sprechen lassen, Gelähmten die Kontrolle über ihren Körper zurückgeben, Depressionen, Sucht und Vergesslichkeit heilen.

All das, was Wissenschaftler schon seit Jahrhunderten beflügelt und normalerweise Wunderheiler und nicht Tech-Unternehmer versprechen. Wobei Musk noch eins draufsetzt. Er will über seine Gehirn-Computerschnittstelle nicht nur Krankheiten ausmerzen, sondern mittels Chips übermenschliche Fähigkeiten ermöglichen, wie Kommunikation via Telepathie, Super-Sehkräfte und eine Symbiose mit künstlicher Intelligenz.

All das, was er in seiner Jugend in Südafrika in Comics und Science-Fiction-Werken studiert hat. Nur diesmal mit Milliarden von Dollar in der Hinterhand und der Fähigkeit, Menschen für seine Mission zu begeistern. Es ist ihm egal, dass er mit diesen Visionen unweigerlich zur Zielscheibe von Kritikern wird. Das ist Musk gewohnt. Jeder andere würde für solche vollmundigen Versprechungen verrissen werden oder seine geistige Gesundheit angezweifelt. Musk hat dank seiner Erfolge mit Tesla und SpaceX Narrenfreiheit und er schöpft sie aus.

An diesem Nachmittag hat der Unternehmer drei Neuigkeiten. Einmal eine neue Version des Gehirnimplantats, das er im vergangenen Sommer erstmals vorgestellt hat. Es ist so groß wie eine kleine Münze, 23 Millimeter, nun wesentlich kompakter und braucht keinen Bluetooth-Sender und -Empfänger hinter dem Ohr mehr. Es soll so von außen nicht mehr erkennbar sein, vor allem wenn sein Träger über volle Haarpracht verfügt. Es mutet wie eine kleine Beule an. „Vielleicht trage ich es sogar schon, wer weiß“, flachst Musk herum. Innerhalb einer Stunde soll es via einem selbst entwickelten Operationsroboter implantiert sein, bei örtlicher Betäubung. „Der Patient kommt morgens in die Klinik und kann sie schon am Nachmittag wieder verlassen.“ Dann ist ihm der acht Millimeter dicke Chip mit Kleber in die Schädeldecke eingelassen, dessen Elektroden mittels feiner Fäden in die Oberfläche des Gehirns genäht sind. Sie zeichnen die Aktivität von Nervenzellen auf oder stimulieren diese. Der Chip analysiert die Informationen und übermittelt sie via Bluetooth an eine Smartphone-App.

Die zweite Neuigkeit ist, dass die US-Arzneibehörde FDA dem Neuralink-Implantat den sogenannten „breakthrough status“ verliehen hat. Was bedeutet, dass die Behörde mit Neuralink arbeitet und Priorität bei einer möglichen Zulassung einräumen könnte. Was allerdings wenig darüber aussagt, wie wahrscheinlich diese ist und wie lange das dauert.

Die dritte Neuigkeit sind schließlich die Schweine im Raum, genauer, dass Neuralink seine Tierexperimente ausdehnt und nun auch um Veterinäre wirbt.

Einem der Vierbeiner ist ein Neuralink-Implantat eingesetzt und wieder entnommen worden. Das andere ist ein ganz normales Schwein, ohne jegliche Modifikation. Das dritte, namens Gertrude, hat seit zwei Monaten einen Chip im Hirn. Laut Musk ist ihnen allen gemein, „dass sie fröhlich und quietschfidel sind.“ Wenn Gertrude mit ihrer Schnauze auf dem Boden schnüffelt, piepst ein Signal, weil in dem Augenblick die Neuronen feuern. Auf ein Laufband gesetzt, kann der Computer noch vor dem Ausführen der Bewegung diese voraussagen.

Warum Schweine statt etwa Mäuse oder Ratten? „Schweine haben viele Gemeinsamkeiten mit Menschen“, sagt Musk und meint es nicht mal ironisch. Einer seiner Wissenschaftler präzisiert, dass die Haut der Tiere der des Menschen ähnelt. Sie bewegen sich zudem viel, womit sich die Robustheit des Chips testen lässt. Vor allem aber sind sie schnell zufriedenzustellen: Etwas Futter reicht aus.

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