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New York Notes Die Milliarden-Gier nach Facebook

Mark Zuckerberg hängt dem sozialen Netzwerk zum geplanten Börsendebüt ein dickes Preisschild um. Der Gründer und Chef der Internet-Firma will bis zu 35 Dollar pro Aktie verlangen und damit rund zwölf Milliarden Dollar einnehmen – die große Gier der Investoren macht’s möglich.

Die Gewinner des Facebook-Börsengangs
Peter Thiel ist bekannt für seine verrückten Investmentideen. Quelle: REUTERS
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Quelle: dapd
Dustin Moskovitz Quelle: dapd
Facebook-Managerin Sheryl Sandberg Quelle: REUTERS
Napster-Gründer Sean Parker Quelle: AP
Internet-Invester Yuri Milner Quelle:
Accel Partners & James BreyerZusammen mit der Investmentfirma Accel Partners war James Breyer (r.) einer der ersten Geldgeber Facebooks: 12,7 Millionen Dollar investierten die Partner 2005 in das soziale Netzwerk. Mit 201,34 Millionen Aktien hat sich dieses Investment auf jeden Fall gelohnt. Zum Börsengang planen die Geldgeber jetzt 38,2 Millionen Aktien davon zu verkaufen – und würden damit 1,34 Milliarden Dollar einstreichen. Quelle: dapd

Der Börsenprospekt ist angepasst, ein hübsches Video über die „Mission“ von Facebook ist ins Netz gestellt: Statt fünf Milliarden Dollar will Mark Zuckerberg, Gründer und Chef des weltweit größten sozialen Online-Netzwerks, nun mit dem Börsendebüt an der Nasdaq in New York am 18. Mai knapp zwölf Milliarden Dollar einnehmen. Um die zu erlösen, will der 27-jährige für eine Facebook-Aktie bis zu 35 Dollar verlangen. Am oberen Ende der Preisspanne, die bei 28 Dollar beginnt, wäre Facebook dann mit 95,9 Milliarden Dollar bewertet. Das entspräche rund dem 100-fachen geschätzten Gewinn dieses Jahres oder dem 15-fachen Jahresumsatz 2012. Zum Vergleich: Google kostet an der Börse 200 Milliarden Dollar und hat 50 Milliarden Dollar Cash auf der hohen Kante. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 14, der Unternehmenswert zum Umsatz bei einem Faktor von vier.

Annähernd 100 Milliarden Dollar sind verdammt happig für ein Unternehmen wie Facebook, das nicht so recht weiß, wie es in Zukunft eigentlich mehr Umsatz einfahren will und gleichzeitig beteuert, es wolle sein Angebot im Web für alle Menschen nach wie vor kostenlos anbieten. Ohne mit der Wimper zu zucken, sagt Finanzchef David Ebersman im Video zum Börsengang, Facebook wolle zukünftig das mobile Angebot ausweiten, auch wenn nicht klar sei, wie das mehr Umsatz – wenn überhaupt welchen – bringe könne. Na, das ist ja eine tolle Perspektive für Anleger. „Vielleicht sollte Facebook die schlingernde Mobilfunkfirma RIM kaufen“, unkt ein Analyst.

Social Media an der Börse
TwitterKurz vor dem Börsengang waren die Investoren heiß auf den Kurznachrichtendienst: Die Nachfrage nach der Aktie war so hoch, dass Twitter den Ausgabepreis von erst mindestens 17 Dollar auf 26 Dollar hochschrauben konnte. Das sieben Jahre alte Unternehmen, das noch nie auch nur in die Nähe von schwarzen Zahlen gekommen ist, war damit schon vor dem Läuten der Börsenglocke in New York gut 14 Milliarden Dollar wert. Am Ende des ersten Handelstages stand die Aktie dann sogar bei 44,90 Dollar. Twitter konnte die Investoren bislang überzeugen, dass die Wachstumsaussichten gut sind und mit dem Anziehen der Werbeerlöse auch die Gewinne folgen werden. Aber es gibt keine Garantie, dass diese Rechnung aufgeht. Und wie lange hält die Geduld der Börsianer, wenn erst einmal Quartal für Quartal weiterhin rote Zahlen in der Bilanz auftauchen sollten? Schließlich wird Twitter jetzt nicht mehr wie in den ersten Jahren im Verborgenen agieren können, sondern unter voller Transparenz. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass das Wachstum abflache und Twitter mit 230 Millionen Nutzern weltweit immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen ist. Quelle: REUTERS
Facebook soll einen Börsengang der Superlative planen Quelle: dpa
Der Internet-Gutscheindienst Groupon gab zum Börsenstart Anfang November 35 Millionen Aktien zum Preis von 20 Dollar aus Quelle: REUTERS
LinkedIn startete im April 2011 mit massiven Kursaufschlägen Quelle: REUTERS
Spiele-Anbieter Zynga Quelle: dapd
US-Portal Yelp hat erste Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht Quelle: dapd
Yandex Quelle: REUTERS

Aber so wie es derzeit aussieht, kriegt Facebook-Chef Zuckerberg was er will – die blinde Gier der Investoren scheint unermesslich. „Die machen offenbar einfach die Augen zu und kaufen“, sagt Joe Terranova von der Investment-Firma Virtus Investment Partners. Ihm gefalle das alles gar nicht, was er so an der Wall Street hört. „Das ist mir alles zu euphorisch, zu enthusiastisch. Ich frage mich, wie viele Investoren von Apple zu Facebook wechseln werden in dem ganzen Hype um das soziale Netzwerk.“ Falls sie von Apple Abstand nähmen, würde er trotzdem Apple kaufen statt Facebook. Der PC- und iPhone-Hersteller hätte mehr Wachstumspotential als das soziale Netzwerk.  

Seit Wochen dreht sich an der Wall Street fast alles um den Facebook-Börsengang. Jedes Wörtchen aus der Firmenzentrale in Menlo Park, Kalifornien wird auf die Goldwaage gelegt und hin und her gewogen. Der ganze Hype um das Webunternehmen fühlt sich an wie in den besten Dotcom-Boom-Zeiten Ende der 90er Jahre.

Vor acht Jahren von Zuckerberg in seiner Studentenbude gegründet, ist Facebook eine Story, wie sie die Amerikaner lieben: Von Null zum Milliardär, zum größten Online-Netzwerk der Welt mit immerhin 900 Millionen Kunden. Das zieht, das lockt, das fasziniert – da wollen die Investoren dabei sein.

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