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Nokia-Deal Microsoft wird zum Handy-Hersteller

Der US-Softwarekonzern kauft Nokias Smartphonegeschäft zum Schnäppchenpreis und wird zum Smartphone-Hersteller. Nokia-Chef Elop wird wahrscheinlich Nachfolger von Steve Ballmer. Für Blackberry wird es eng.

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Nokia-CEO Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer bei der Verkündung des Deals in London. Quelle: AP

Als „brennende Ölplattform“ – mit diesem drastischem Bild hatte Stephen Elop den Zustand von Nokia beschrieben, wenige Monate nachdem er im September 2010 den Vorstandsvorsitz des einstigen Handy-Weltmarktführers übernommen hatte. Den Brand hat Elop seitdem auch mit Hilfe des Allianzpartners Microsoft nicht löschen können. Im Gegenteil: Nokia ist finanziell so angeschlagen, dass seine Anleihen gerade auf Ramschniveau heruntergestuft wurden.

Nun ist das Wrack im Hafen von Microsoft gestrandet. Der weltweit größte Softwarekonzern kauft für 7,17 Milliarden Dollar den finnischen Handy-Produzenten. Elop, weitere Spitzenmanager und 32.000 Mitarbeiter kommen bei Microsoft an Board. Dass dies unweigerlich geschehen würde, hatte die WirtschaftsWoche bereits im Juli 2012 prognostiziert. Seitdem hat sich die gegenseitige Abhängigkeit sogar noch verschärft. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner hatte Microsofts Betriebssystem Windows bei Smartphones im zweiten Quartal 2012 nur einen kläglichen Marktanteil von 3,3 Prozent. Laut Marktbeobachtern stammen diese fast ausschließlich von Nokia mit seiner Lumia-Reihe. Damit hat Microsoft immerhin Platz 3 noch vor Blackberry mit 2,7 Prozent. Doch der Abstand zu Apples iOS (14,2 Prozent) ist gewaltig und zu Android (79 Prozent) sogar astronomisch.

Wäre Nokia pleite gegangen, hätte Microsoft gar nichts zu melden gehabt. Insofern blieb dem Softwarekonzern nichts anderes als die Rettung übrig. Wobei die Amerikaner das einstige Glanzstück der finnischen Wirtschaft billig bekommen. Als Elop übernahm, war das Unternehmen 33 Milliarden Dollar wert. Dass Microsoft nun 7,17 Milliarden Dollar inklusive Lizenzgebühr für Nokias Patente bezahlt, ist ein Schnäppchen. Und ein Wermutstropfen für Nokias Aktionäre. Im Oktober 2007 hatte Nokia für den Kartenhersteller Navteq – heute die Perle des Unternehmens – 8,1 Milliarden Dollar bezahlt. Und damit rund eine Milliarde Dollar mehr als Microsoft berappt.

Ist der Weg für Elop frei?

Aus dem Original-Nokia wird eine Art Technologie-Holding, die Nokias Patente verwaltet, sowie ein Telekommunikations-Netzwerkspezialist. Die Finnen hatten kürzlich Partner Siemens herausgekauft.  Microsoft wird zunächst eine Lizenz für die Mobilfunkpatente für 10 Jahre eingeräumt. Das betrifft auch Nokias Here Plattform, also das Navteq-Geschäft. Die Lizenzen sind nicht exklusiv, Nokia kann sie also auch an andere Marktteilnehmer verleihen.

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Damit scheint der Weg für Stephen Elop frei, Microsoft-Chef Steve Ballmer zu beerben. Als einstiger Microsoft-Spitzenmanager kennt der gebürtige Kanadier den Softwarekonzern ausgezeichnet. Mit der Nokia-Übernahme ist nun auch geklärt, ob Microsoft selber stärker in die Hardwareproduktion einsteigt. Als zusätzliches Extra bringt Nokia noch Erfahrung beim Herstellen von Tablets mit. Ob Elop jedoch tatsächlich Ballmer beerbt, werden auch die Anwälte entscheiden. Denn es ist voraussehbar, dass Elop wegen seiner Nähe zu Microsoft und der desaströsen Lage von Nokia von Aktionären verklagt werden wird.

Klar ist jedoch, dass die Karten im Smartphone-Geschäft neu gemischt werden. Microsoft scheint nun der Blaupause von Google zu folgen und wird wie der Suchkonzern nicht nur sein Betriebssystem an Partner lizensieren, sondern selber als Hardwareproduzent tätig werden. Für den Wettbewerb sind das gute Nachrichten. Verlierer in der Konstellation ist Blackberry. Mit der Übernahme von Nokia ist das Schicksal der Kanadier als Nischenanbieter besiegelt. Es sei denn ein großer PC-Hersteller wie Hewlett Packard oder Lenovo will ebenfalls ein eigenes Betriebssystem besitzen. Doch Hewlett Packard hat sich bereits die Finger beim Kauf von Palm verbrannt und Firmenchefin Meg Whitman hat momentan ganz andere Probleme.

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