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Nokia-Vizechef Weber „Wir wollen uns bei Smartphones wieder neu erfinden“

Mit dem Microsoft-System Windows Phone versucht Nokia, wieder zur Weltspitze aufzuschließen. Warum mit dem Smartphone Lumia 920 nicht Schluss ist und was die Finnen außerdem planen, erklärt Nokias Vize-Chef Weber.

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Nokia-Vizechef Chris Weber: „An die Erfolge im vierten Quartal anknüpfen“. Quelle: PR

Handelsblatt Online: Wie weit ist Nokia beim Umbau, bei der Veränderung schon gekommen? Vielleicht können Sie das anhand einer Skala von 1 bis 10 erklären?

Chris Weber: Ich möchte keine Zahl nennen. Aber soviel kann ich sagen: Wir befinden uns noch immer mitten in der Veränderungs- oder Übergangsphase. Wir haben gerade neue Geräte vorgestellt und freuen uns, dass sie von den Kunden und der Kritik sehr gut angenommen worden sind. Jetzt dürfen wir uns aber nicht ausruhen, sondern müssen weiter hart arbeiten und unser Produktsortiment ausbauen. Wir benötigen ein noch breiteres Sortiment mit Geräten in jeder Preisgruppe – von ganz preiswert bis hin zu unserem Flaggschiff, dem Lumia 920.

Wann ist diese Übergangsphase abgeschlossen?

Das kann ich nicht sagen. Klar ist, dass wir im vierten Quartal vergangenen Jahres erste Erfolge gesehen haben. Daran müssen wir anknüpfen.

Mal ehrlich: Haben Sie damit gerechnet, dass die vor fast genau zwei Jahren angekündigte Umbauphase so lange dauern würde?

Meine Erfahrung ist, dass solch umfassenden Eingriffe immer schwieriger sind als man zunächst angenommen hat. Wir Menschen sind von Natur aus immer sehr optimistisch.

Heute sehen fast alle Smartphones ähnlich aus. Wie will sich Nokia von all den Android-Geräten und Apples iPhones unterscheiden?

Wir wollen eine Differenzierung und haben damit ja auch schon begonnen. Wir wollen beispielsweise das beste Kamera-Handy bauen, wir haben das drahtlose Aufladen und unser kostenloses Navigationssystem in unser Spitzenmodell integriert. Unser Hauptfokus liegt auf den Bereichen Foto und Kamera sowie Navigation und Ortungsdienste.

Wird es neben Handys auch andere Nokia-Geräte geben? Beispielsweise einen Tablet-Computer?

Wir schauen uns das genau an, haben aber bislang noch keine Produkte angekündigt. Es bringt uns nichts, ein bereits vorhandenes Gerät zu produzieren. Wenn wir so etwas machen, müsste es schon etwas Besonderes sein.

Die Handys aus der Asha-Serie, die nicht mit dem Windows-System laufen, sondern auf dem Nokia-eigenen Serie 40-System basieren, sind ein großer Erfolg in den Schwellenländern. Dort bieten jetzt aber einige Konkurrenten Android-Smartphones zum Preis eines Asha an. Wie können Sie darauf reagieren?

Ich würde sagen, unsere Asha-Geräte sind besser. Schauen Sie sich doch diese Billig-Android-Geräte an. Deren Leistung liegt unter der eines Asha-Handys. Und manche Apps laufen auf den Geräten gar nicht. Oder gucken Sie sich die Batterieleistung an. Ich behaupte, die Asha-Smartphoners haben die beste Batterieleistung aller Geräte in dieser Preisgruppe. Ganz wichtig gerade in den Schwellenländern ist auch unsere Technik, mit der wir den Datenverkehr komprimieren und so den Benutzern Geld sparen. Das kann kein anderes Handy. Allerdings müssen wir das den Kunden immer wieder auch klarmachen. Das ist die eigentliche Herausforderung, nicht die Konkurrenzprodukte.


„Uns ist die Reaktion der Endverbraucher am Wichtigsten“

Das heißt, Nokia wird keine billigeren Lumia-Geräte für die Schwellenländer entwickeln, sondern sich auf die Asha-Reihe konzentrieren?

Ja und nein! Wir werden sicherlich versuchen, den Preis für Windows-Handys weiter nach unten zu treiben. Gleichzeitig können wir aber mit der Asha-Serie auch noch günstigere Geräte anbieten.

Braucht die Handy-Welt mehr Betriebssysteme als Android, Apples iOS und Windows Phone?

Ich denke, es gibt Platz für drei dieser Ökosysteme. Ob es Raum für weitere gibt, weiß ich nicht. Aber man muss wissen, dass die Entwicklung dieser Systeme Milliarden Dollar verschlingt. Man muss eine Plattform entwickeln, die auf Smartphones, Tablets und Computern läuft. Es wird sehr schwer werden, neben Android, iOS und Windows ein weiteres System zu etablieren.

Aber es gibt doch jetzt Versuche, beispielsweise das Firefox-System.

Es wird immer wieder Versuche geben, mit neuen Systemen in den Markt zu kommen. Aber man sieht am Windows-System, wie umfangreich die Arbeit ist, um ein komplettes Ökosystem zu schaffen. Wir werden sehen, wie es den anderen ergeht.

Aber das Firefox-System wird von großen Telekom-Gesellschaften wie der Deutschen Telekom unterstützt.

Nun, die Mobilfunkbetreiber suchen nach Alternativen. Sie wollen nicht von einigen wenigen Betriebssystemen abhängig sein. Deshalb unterstützen sie ja auch uns.

Haben Sie eigentlich wieder ein Ziel, welchen Marktanteil Sie erreichen wollen?

Klar haben wir das. Aber das werde ich Ihnen nicht verraten! Im Ernst, für uns die Reaktion der Endverbraucher am Wichtigsten. Wenn wir die Endkunden überzeugen können, haben wir schon sehr viel gewonnen.

Wie sieht es mit der Rückeroberung der Pole-Position unter den Handy-Herstellern aus?

Nun, jeder in unserer Branche strebt die Nummer-1-Position an. Aber derzeit wollen wir Schritt für Schritt auf den Erfolgen aufbauen, die wir im vierten Quartal vergangenen Jahres erzielt haben.

Bis vor ein paar Jahren hat man von Nokia als dem Branchenprimus gesprochen. Heute fällt häufig der Begriff eines Unternehmens, das sich in einer schweren Krise befindet. Ist es schwierig, dieses Image wieder wegzuwaschen?

Nein, wir bauen weiter auf unseren guten Namen. Und wir tun alles, um wieder mit Begriffen wie Qualität und Innovation verbunden zu werden. Und wir wollen uns im Smartphone-Segment wieder neu erfinden. Aber wie schon gesagt, wir befinden uns noch immer in der Übergangsphase.


„Sie werden von mir nie hören, dass die Mission beendet ist“

Stört es Sie, dass einige Ihrer Konkurrenten jetzt auch Windows-Handys vorgestellt haben?

Nein, das ist gut für uns, weil es zeigt, dass das System einfach Spitze ist.

Hat Nokia freie Hände bei der Weiterentwicklung des Windows-Systems?

Wir arbeiten sehr eng mit Microsoft zusammen und können typische Nokia-Anwendungen entwickeln. Wir konnten beispielsweise spezielle Kamera-Apps und die drahtlose Auflademöglichkeit in das System integrieren.

Es besteht also kein Risiko, dass sich künftig ein Windows-Handy von Samsung kaum von einem Nokia-Handy unterscheidet?

Nein, wir können unsere eigenen Dinge machen, die sich deutlich von den Konkurrenzprodukten unterscheiden.

Wo sehen Sie Nokia in zwei Jahren?

Wenn Sie mich in zwei Jahren wieder nach den gemachten Fortschritten fragen, würde ich sagen, wir haben die Wende geschafft, aber wir arbeiten weiter daran, stärker zu wachsen.

Wir werden also in zwei Jahren nicht mehr über einen Konzern in der Krise sprechen?

Nun, meine Hoffnung ist, dass Sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, danach zu fragen. Und sollten Sie mich schon in einem Jahr fragen, glaube ich, dass ich sagen kann, wir haben unser Sortiment deutlich erweitert, wir haben die Differenzierung weiter vorangetrieben.

Wie hat sich die Stimmung hier am Stammsitz in den vergangenen Jahren verändert? Immerhin ist Nokias Stern tief gefallen.

Alle im Unternehmen wissen, dass wir große Herausforderungen zu bewältigen haben. Wir haben gelernt, stärker auf die Kunden zu hören, wir sind flexibler geworden und können heute viel schneller auf Veränderungen reagieren. Aber Sie werden von mir nie hören, dass die Mission beendet ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

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