O2 schluckt E-Plus Was die Übernahme für den Kunden bedeutet

Die EU-Kommission hat bestätigt: O2 darf E-Plus übernehmen. Die milliardenschwere Übernahme hat nicht nur Folgen für den Telekommunikationsmarkt, auch für die Kunden gibt es Änderungen. Ein Überblick.

Mit der Übernahme von E-Plus schrumpft der deutsche Mobilfunkmarkt auf drei Anbieter. Quelle: dpa

Brüssel hat die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) genehmigt. Mit der 8,6 Milliarden Euro schweren Fusion entsteht der nach Kunden größte Mobilfunkanbieter in Deutschland. Bedingung ist, dass Telefónica 30 Prozent seiner Netzkapazitäten abtreten und ein Radiowellenspektrum sowie andere Vermögenswerte abstoßen muss. Dadurch soll eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs auf dem deutschen Kommunikationsmarkt vermieden werden, erklärt die EU-Kommission. In Deutschland bleiben nach der Übernahme nur noch zwei weitere Anbieter - die Deutsche Telekom und Vodafone.

Der bisherige E-Plus-Chef Thorsten Dirks wird nach der Übernahme durch Telefónica Deutschland an die Spitze des gemeinsamen Konzerns rücken. Dirks werde nach Abschluss des Geschäfts seinen Posten als Vorstandschef in München antreten, wo der Sitz des Konzerns bleibe, wie Telefónica Deutschland (O2) am Mittwoch mitteilte.

Kunden droht eine Preissteigerung

Wettbewerbshüter hatten Mitte 2013 die Sorge geäußert, die Fusion könne die Mobilfunkpreise in Deutschland in die Höhe treiben. Mit E-Plus fällt der aktuell preisaggressivste Wettbewerber weg. Damit steigt das Risiko, das die verbleibenden drei großen Mobilfunkanbieter ihr Wettbewerbsverhalten abstimmen und die Preise erhöhen. Um dem entgegenzuwirken, muss Telefónica Teile seiner Netzkapazitäten abtreten. Die freien Frequenzen sollen dann von Neueinsteigern erworben werden können.

Der Fall Österreich zeigt, dass die Idee zwar gut ist, die Umsetzung allerdings schwierig. Dort hatte die EU-Kommission Ende 2012 die Fusion von Hutchison und Orange mit ähnlichen Auflagen gebilligt. Die Zwischenbilanz ist mager, die drei verbliebenen Mobilfunkanbieter haben ihre Preiskämpfe eingestellt, einige Tarife wurden sogar erhöht. Ein Grund: Fast alle Auflagen verpufften. Die frei gewordenen Frequenzen, die für Neueinsteiger gedacht waren, stießen auf kein Interesse.

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Virtuelle Anbieter bleiben bestehen

Trotz der Sorge um Preissteigerungen, gibt es einen positiven Aspekt. Weit mehr als 50 Mobilfunk-Discounter wie Aldi nutzen als virtuelle Anbieter ohne eigenes Netz die Infrastruktur von E-Plus. Brüssel will diese Form des Wettbewerbs erhalten. Die EU-Kommission verweist in ihrer Entscheidung ausdrücklich darauf, dass es neben den bislang vier Anbietern noch virtuelle Netzbetreiber und Dienstanbieter wie Freenet, 1&1 oder Drillisch gibt. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte: „Verbraucher werden weiter in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen.“

Läden werden geschlossen

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Übernahme Auswirkungen auf die Vertriebsshops haben soll. Während in jeder Einkaufsstraße Base-Läden und E-Plus-Service-Stellen zu finden sind, sollen laut einem Zeitungsbericht von Februar rund 600 Läden geschlossen werden. Das Unternehmen wolle Millionen einsparen und verkündete Anfang des Jahres, dass "nach der Integration die Anzahl der Verkaufsshops beider Unternehmen um ein Drittel reduziert werden kann".

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E-Plus verschwindet, Base soll bleiben

Im Mai wurde bekannt, dass Telefónica Deutschland im Sortiment des Rivalen aufräumen will: Der Markenname "E-Plus" soll verschwinden. "Base" soll keinen neuen Namen bekommen, meldete das Magazin "Focus".

Prepaid-Angebote

Vergangenen Monat wurde diskutiert, ob die Prepaid-Angebote der beiden Mobilfunkanbieter zusammengelegt werden sollen. Ein Sprecher von Telefónica Deutschland sprach von Spekulationen, es seien aber noch keine Entscheidungen für die Zeit nach dem Zusammenschluss gefallen.

Mit Material von dpa

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