Online-Händler Ebay könnte bald selbst verkauft werden

Nach der Abspaltung von PayPal steht Ebay ohne Ertragsperle da. Analysten spekulieren bereits, dass sich die einstige Internet-Ikone für den Verkauf hübsch macht. Ein Käufer stünde schon bereit – China-Rivale Alibaba.

Das US-Internetauktionshaus Ebay steht in einer fiktiven Online-Auktion zum Verkauf. Nach der Abspaltung von PayPal wird Ebay zum Übernahmekandidaten. Quelle: dpa, ap, rtr, Montage: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche Online

Es sollte der große Schlag gegen Wettbewerber Amazon sein. Für 2,4 Milliarden Dollar erwarb das Online-Handelsportal Ebay 2011 GSI Commerce. Der US-Internet-Dienstleister half Unternehmen wie Ikea und Vodafone, die Präsenz im Web auszubauen. Für den damaligen Ebay-Chef John Donahoe war der Deal Teil eines großen Traums. Zusammen mit dem 2002 übernommenen Bezahldienst PayPal sowie GSI sollte Ebay zum Infrastrukturdienstleister für den gesamten Online-Handel aufsteigen.

Die Chance ist vertan und vorbei. Unternehmen wie der Spielzeughändler Toys R Us sprangen bei GSI ab, weil sie das Know-how lieber im Haus behalten wollten. Nun geht die Sparte für 925 Millionen Dollar an ein von Permira geführtes Konsortium von Finanzinvestoren.

Bezahlen per PayPal

Nach der gerade vollzogenen Abspaltung der Bezahltochter PayPal, die zuletzt knapp die Hälfte des Ebay-Umsatzes brachte, steht die einstige Internet-Ikone nun endgültig blank da. Die Leidenschaft der Akteure auf der ursprünglichen Online-Auktionsplattform ist verflogen, das Image durch die vielen Billiganbieter auf Resterampen-Niveau gesunken. Konkurrent Amazon, inzwischen zehnmal so umsatzstark wie Ebay, scheint uneinholbar enteilt.

Ebay will sich auf die kleinen Händler besinnen

Aus dieser misslichen Lage will sich Devin Wenig, seit 2011 fürs Marktplatzgeschäft zuständig und nun neuer Ebay-Chef, befreien, indem er das amputierte Unternehmen zu seinen Wurzeln zurückführt: zu Hunderttausenden privaten, kleineren und mittelständischen Händlern, die in den Startjahren den Reiz der Plattform als Fundgrube ausmachten und die sich nicht mit dem aggressiven Riesen Amazon einlassen wollten. Sie fühlten sich in den vergangenen Jahren immer mehr gegenüber großen Akteuren zurückgesetzt, die Ebay mit Billigangeboten überschwemmten.

„Die überwiegende Mehrheit von dem, was auf Ebay verkauft wird, kommt von kleineren und mittleren Händlern“, hat Wenig erkannt – und will mit deren Hilfe zu neuer Kraft gelangen. 25 Millionen Verkäufer hat er auf seiner Plattform, gut zwölfmal so viel wie Amazon. „Das Ebay-Management muss nun zeigen, dass es aus denen mehr herausholen kann“, sagt Doug Anmuth, Analyst bei der US-Investmentbank JP Morgan.

Ebay-Chef Wenig steht vor einer Kärrnerarbeit mit ungewissem Ausgang. Analysten wie Anmuth von JP Morgan spekulieren bereits, er könnte das Unternehmen als Übernahmekandidaten fit machen. Als Interessent gilt der chinesische Online-Handelsgigant Alibaba. Dessen Gründer Jack Ma hatte sein Imperium als Kopie von Ebay gegründet und sein Vorbild schließlich aus dem Reich der Mitte vertrieben.

Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

Um Ebay attraktiver zu machen, will Wenig das unübersichtliche Angebot besser ordnen. Seit Kurzem müssen Verkäufer von Neuwaren deren Produktnummern und Barcodes zwingend mit angeben. Auf diese Weise hofft Wenig, mehr Käufer auf Ebay zu locken. Bislang waren die Angabe der Produktnummer und die Präsentation des Barcodes durch die Verkäufer freiwillig und fehlten bei vielen Angeboten. Verbraucher, die bei Recherchen im stationären Handel mit ihren Smartphones die Preise via Scan verglichen, landeten auf ihrer App deshalb nicht bei Ebay, sondern hauptsächlich beim Konkurrenten Amazon.

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