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Online-Werbung Facebook trotz Umsatzsprung unter Druck

Das soziale Netzwerk steigert seinen Umsatz beträchtlich, allerdings auf Kosten des Gewinns. Einige Aktionäre nehmen deshalb den Wertzuwachs der vergangenen Wochen mit.

Das Logo von Facebook.

Die Aktien von sozialen Medienunternehmen wie Yelp (Umsatzwarnung) und Twitter (geringes Nutzerwachstum) fielen am Mittwoch auf neue Jahrestiefststände.

Facebook hingegen bewies bei der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwochabend deutscher Zeit, dass es dank des Wachstums seiner mobilen Werbung in einer anderen Liga spielt. Auch im elften Jahr seines Bestehens wächst das soziale Netzwerk, sowohl beim Publikum als auch bei Werbeeinnahmen. Was allerdings erhöhte Infrastrukturkosten nach sich zieht und einigen Anlegern deshalb die Laune verhagelte.

Facebook in Zahlen


Doch das Geschäft läuft ausgezeichnet:

- Die Zahl der weltweiten Nutzer ist auf knapp 1,5 Milliarden Nutzer gestiegen, davon 311 Millionen in Europa. Asien steuert rund eine halbe Milliarde Nutzer bei, mehr als doppelt so viel wie aus Nordamerika.

- Erstmals übersprang Facebook die 4 Milliarden Dollar Umsatzmarke im Quartalsumsatz, die es Ende des vergangenen Jahres knapp gestreift hatte. Von April bis Ende Juli setzte das Unternehmen vier Milliarden Dollar um, 39 Prozent als im Vorjahreszeitraum.

- Dafür schnellten jedoch die Ausgaben in die Höhe, mit 2,7 Milliarden Dollar im Quartal satte 82 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

- Wegen dieser höherer Ausgaben, unter anderem den Ausbau von Rechenzentren, fiel der Gewinn um neun Prozent auf 719 Millionen Dollar.

- Mobile Werbung boomt weiter und steuert mittlerweile drei Viertel des Umsatzes bei.

Was sich bei Facebook ändert
Ab Freitag, 30. Januar, gelten bei Facebook neue Geschäftsbedingungen. Nun haben Nutzer mehr Möglichkeiten, Privatsphäre- und Sichtbarkeitseinstellungen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite bringen die neuen AGB aber auch eine viel detailliertere und zielgerichtete Verfolgung des Nutzerverhaltens mit sich. Mit einem Log-in nach dem 30. Januar stimmen Nutzer den neuen AGB automatisch zu, ein Widerspruch ist nicht möglich. Nutzer haben zwei Möglichkeiten: Akzeptieren oder Abmelden. Doch auch, wenn man einzelnen Punkten nicht widersprechen kann, ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was mit den eigenen Daten geschieht. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick. Quelle: dpa
DatenschutzFacebook will es Nutzern leichter machen, zu entscheiden, wer ihre Inhalte sieht. Dazu gibt es jetzt interaktive Anleitungen und auch Möglichkeiten, die Analyse von besuchten Seiten und Apps zu kontrollieren. Hier muss der Nutzer aber aktiv tätig werden. Neue Funktionen müssen in der Regel abgestellt werden, wenn man mit ihnen nicht einverstanden ist. Und trotz aller Einstellungen: Facebook erfährt alles und kann es möglicherweise auswerten. Quelle: REUTERS
StandortdatenKünftig können Standortdaten mit denen der Freunde und mit Werbeanzeigen verbunden werden. Wer seinen Standort teilt, kann etwa Informationen über Restaurants in der Nähe oder Neuigkeiten von Freunden angezeigt bekommen. Wer das nicht möchte, sollte der Facebook-App auf seinem Smartphone wenn möglich keinen Zugriff auf das GPS-Modul gewähren. Allerdings räumt nicht jede Plattform diese Möglichkeit ein. Quelle: dpa
Werbung IFacebook will Werbung auf den Einzelnutzer zuschneiden. Bislang werden die Inhalte der Werbeanzeigen aus „Gefällt mir“-Angaben und anderen Aktivitäten im Netzwerk generiert. Bald sollen auch besuchte Webseiten und genutzte Apps ausgewertet werden. Das Netzwerk ist in der Lage, die Aktivitäten seiner eingeloggten Nutzer im Netz teilweise nachzuvollziehen. Wer dann online ein Paar Sportschuhe kauft, könnte beispielsweise Anzeigen für Sportkurse oder andere Trainingskleidung sehen. Wer Urlaubsziele recherchiert, sieht Werbung von Reiseveranstaltern. Quelle: REUTERS
Werbung IIKünftig sollen Facebook-Nutzer Werbeanzeigen auf ihre Relevanz bewerten können. Dazu wird auch sichtbar gemacht, in welche Zielgruppe Facebook die Nutzer einordnet und warum man eine bestimmte Anzeige sieht. Laut Facebook soll so sichergestellt werden, dass Nutzer nur relevante Werbung sehen. Die neue Einstellung für Werbeanzeigen geben dem Nutzer zwar mehr Kontrolle, ein großer Gewinn sind sie aber nicht, wie Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) vom Bundesverbraucherschutzministerium bei der Vorstellung der neuen AGB Ende November 2014 urteilte: „Gleichzeitig erhält Facebook so aber auch noch mehr werberelevante Informationen über den Nutzer.“ Quelle: REUTERS
Neue FunktionenDas Netzwerk will seine Kunden durch neue Optionen wie einen „Kaufen“-Knopf enger an sich binden. So könnte der Kauf von Waren direkt über das Facebook-Konto erfolgen. Damit könnte das Unternehmen neben Nutzungsdaten auch an Einkaufsgewohnheiten und Zahlungsdaten der Kunden kommen. Durch Zusammenführung dieser Daten lassen sich umfassende Personenprofile erstellen. Quelle: AP
Verbraucherschützer empfehlen grundsätzlich, die Sichtbarkeit von Beiträgen stark zu kontrollieren und in den Privatsphäre-Einstellungen auf minimale Auswertung der persönlichen Daten zu Werbezwecken zu setzen. Und Facebook-Nutzer müssen wachsam sein, sagt Rechtsanwältin Sabine Petri von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Man sollte regelmäßig nachsehen, ob die Einstellungen noch so sind, wie man sie eingestellt hatte.“ Quelle: AP


"Das war ein weiteres gutes Quartal", lobt Gartner-Analyst Brian Blau."Facebook gelingt es, die Umsätze bei mobiler Werbung auszubauen und gleichzeitig mehr Nutzer auf seine mobilen Angebote zu ziehen".

Nach Börsenschluß gab die Facebook Aktie trotzdem um bis zu fünf Prozent nach, die mit 96.99 Dollar nahe dem Höchststand von 98.39 vom 21. Juli lag. Einige Anleger nahmen die Zuwächse der vergangenen Wochen offenbar lieber mit. Auch weil Facebook-Finanzchef David Wehner nochmal ausdrücklich darauf hinwies, dass das Wachstum der Werbeumsätze sich seit dem ersten Quartal 2014 verlangsamt hat. Und er die Fortführung dieses Trends erwartet, wegen der höheren Umsätze von Facebook generell, aber auch dem starken Dollar.

Jahr der Investitionen

2015 ist ein Jahr der Investitionen, bis zu 2,5 Milliarden Dollar sind dafür eingeplant. "Wir investieren stark in Infrastruktur, um Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit unserer Angebote zu erhöhen", unterstrich Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Er nannte den Mitteilungsdienst Messenger als ein Beispiel, dessen mehr als 700 Millionen Nutzer nun Nachrichten etwa zwanzig Prozent schneller verschicken können.

Vor allem aber hat Facebook nicht nur den Übergang vom Schreibtisch-PC zum Smartphone geschafft. Das soziale Netzwerk hat - obwohl es im Gegensatz zu Erzkonkurrent Google kein eigenes mobiles Betriebssystem besitzt - die Handys für sich erobert und als neuen Wachstumsquell erschlossen.

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