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Quartalszahlen am Mittwoch Google will die Weltherrschaft - nicht weniger

Der Suchmaschinen-Hersteller geht weiter auf Shopping-Tour. Kaum ein Konzern akquiriert so gezielt Unternehmen, um am Ende vor allem eines zu ergattern: unsere Daten. Wozu Google die braucht.

So langsam formt sich ein Bild aus den vielen Unternehmenskäufen, die Google in den vergangenen Monaten getätigt hat. Quelle: Marcel Stahn

Google hat wieder zugeschlagen. Kurz vor der Veröffentlichung der ersten Quartalszahlen 2014 kauft der Suchmaschinen-Gigant den Solardrohnen-Hersteller Titan Aerospace. Die Akquise hat Konkurrenten wie Facebook einen Strich durch die Rechnung gemacht. Angeblich soll auch Mark Zuckerberg an Aerospace interessiert gewesen sein.

Schnell zuschlagen ist Googles Spezialität. Das Suchmaschinen-Imperium ist inzwischen relativ unübersichtlich geworden. Nicht nur dass 70 Prozent der weltweiten Suchanfragen im Netz über Google laufen und Chrome längst zum beliebtesten Browser geworden ist: Das mobile Betriebssystem Android, Satellitentechnik, smarte Kontaktlinsen, Roboter- und Medizintechnologien und selbstfahrende Autos – all das gehört heute zu dem Konzern, der einst mit einer simplen und schnellen Suchmaschine die Branchen aufgemischt hat. Was hat Google mit all diesen Zukäufen vor?

Die Geschichte des Internetgiganten Google
Frühjahr 2013Google liefert die ersten Google-Brillen für 1500 Euro pro Gadget an ausgewählte Entwickler aus. Firmengründer Sergey Brin verlässt das Haus kaum noch ohne die Datenbrille, die es dem Träger ermöglicht Artikel zu lesen, Telefonate zu führen oder sich Wegbeschreibungen anzeigen zu lassen. Quelle: REUTERS
Juni 2013Im Bieterkampf um ein israelisches Navigations-Startup sticht Google die Konkurrenten aus. Der US-Internetgigant stehe kurz vor der Übernahme der auf mobile Kartendienste spezialisierten Firma Waze, berichtet die israelische Finanzzeitung Globes am Sonntag ohne Quellenangabe. Google habe die Gebote der anderen Interessenten vermutlich übertrumpft. Der Kaufpreis soll demnach 1,3 Milliarden Dollar betragen. Bei Waze war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Waze sprach früheren Medienberichten zufolge mit mehreren Bietern. Dazu zählt auch das soziale Netzwerk Facebook. Zusatzdienste, die auf Smartphones oder Tablet-PCs genutzt werden können, werden für Technologiekonzerne wie Google immer wichtiger. Denn mit ihnen steigt auch die Nutzung von mobilen Geräten und damit die potenziellen Werbeeinnahmen, die über sie generiert werden können. Waze verwendet die Satelliten-Signale der Smartphones, um den Nutzern Karten- und Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat 47 Millionen Mitglieder und 100 Mitarbeiter. Quelle: REUTERS
Nexus 7 Quelle: dpa
Mai 2012Die Erfolgsgeschichte eines Browser: D er Google-Browser Chrome anteilsmäßig den Internet Explorer von Microsoft. Quelle: ZB
April 2012Google gibt bekannt, eine Augmented-Reality-Brille, Google Glasses, auf den Markt bringen zu wollen. Seitdem ist Geschäftsführer Sergey Brin immer wieder mit der Cyberbrille in der Öffentlichkeit zu sehen. Quelle: AP/dpa
Logo von Google+ Quelle: dpa

Genau diese Frage stellte kürzlich die amerikanische Talk-Show-Legende Charlie Rose im Ted Talk. Sein Gast: Google-Gründer und Geschäftsführer Larry Page. Es war einer seiner seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit. Sein jungenhaftes Grinsen und das knallblaue T-Shirt erinnern noch heute an den Anfang 20-Jährigen, der gemeinsam mit Sergey Brin 1998 in einer Garage in Menlo Park das Unternehmen Google Inc. gegründet hat.

„Unsere Mission ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für jedermann abrufbar zu machen“, antwortete Page, dessen Stimme nach einer Stimmbandlähmung schwach und heiser geworden ist. „Immernoch?“, fragte Rose erstaunt nach. Tatsächlich gaben die Google-Gründer genau die gleiche Antwort schon vor 16 Jahren, als sie frustriert von langsamen Suchmaschinen, die nach Minuten nur schlechte Ergebnisse brachten, kurzerhand eine eigene Technik entwickelten.

Wie Google die Welt erobert hat

Dafür lud Page hunderttausende Homepages aus dem Internet herunter und analysierte sie. Er erkannte die Bedeutung der sogenannten Backlinks. Diese verweisen von einer auf eine andere Seite im Netz. Pages Theorie: Je mehr externe Links auf eine Seite führen, desto besser müsse sie sein. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte er den sogenannten Page-Rank. Bei Suchanfragen wurden ab sofort die Seiten an erster Stelle angezeigt, die von den Seitenbetreibern selbst besonders häufig empfohlen wurden. Es war das erste Mal in der Geschichte des Internets, dass jemand die „Crowd“ so effektiv nutzt.

Genau diesen Ansatz verfolgt Google weiter – bis heute. Alle Informationen, die Einzelne dem Konzern zur Verfügung stellen, nutzt das Unternehmen für seine Zwecke. Erstmals Geld verdiente das Unternehmen mit Adwords. Das Werkzeug gab Werbe-Partnern ab Oktober 2000 die Möglichkeit ihre Werbung mit bestimmten Schlagworten zu versehen. So poppte die Reklame in der rechten Adwords-Spalte nur dann auf, wenn das entsprechende Schlagwort von einer Person gesucht wurde. Damit konnte erstmals relativ gezielt für Produkte geworben werden.

Noch ausgereifter wurde Googles Werbeplattform mit Gmail. Als der Suchmaschinen-Betreiber im Februar 2007 das E-Mail-Programm allgemein verfügbar machte, boomte die Plattform sofort. Aufgrund der anfänglichen Postfachgröße von einem Gigabyte, zogen viele Kunden von anderen Freemail-Anbietern wie Yahoo, oder in Deutschland GMX oder Web.de zu Google um. Die Konkurrenz bot in der Regel nur zwei bis 20 Megabyte kostenlos an. Larry Page und Sergey Brin dachten größer und bekamen dafür die E-Mail-Kontakte ihrer Nutzer, die sie nun direkt mit ihrer Webseite verknüpfen konnten.

Reich dank Werbung

Wo Google seine Finger im Spiel hat
Google GlassEines der spannendsten Projekte des Suchmaschinen-Anbieters ist sicherlich Google Glass. Mit der Datenbrille ist es möglich E-Mails abzufragen, im Internet zu surfen, zu fotografieren und zu filmen. 2013 hat das Unternehmen erste Datenbrillen an Webentwickler und Geschäftspartner verkauft, mittlerweile ist die Brille frei verfügbar. Quelle: dpa
Online-MusikdienstGoogle stärkt sein Musikgeschäft mit dem Kauf des Streaming-Dienstes Songza, der passende Lieder für verschiedene Situationen zusammenstellt. Nutzer der Songza-App können zum Beispiel zwischen „Musik zum Singen unter der Dusche“, zum Autofahren oder zum Joggen entscheiden. Solche Song-Listen werden von Songza-Mitarbeitern zusammengestellt, es gibt Angebote für verschiedene Tageszeiten und Stilrichtungen. Zugleich kann sich auch die Software hinter dem Dienst an den Musikgeschmack der Nutzer anpassen. Die Musikauswahl kann über Daten aus dem Netz auch das aktuelle Wetter am Standort des Nutzers abgestimmt werden. Google nannte bei Bekanntgabe des Deals am Dienstag keinen Kaufpreis. Nach Informationen der „New York Times“ waren es mehr als 39 Millionen Dollar. Songza ist bisher nur in Nordamerika verfügbar und hatte Ende vergangenen Jahres 5,5 Millionen Nutzer. Der kostenlose und werbefinanzierte Dienst werden zunächst unverändert weiter betrieben, erklärte Google. Mit der Zeit werde man nach Wegen suchen, wie die Musikplattform Google Play Music von Songza profitieren könnte. Quelle: Screenshot
SatellitentechnikGoogle stärkt seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar, wie der Internet-Konzern mitteilte. Skybox bietet seinen Kunden das Beobachten gewünschter Gebiete mit detailreichen Fotos und 90 Sekunden langen Videos an. Als Dienstleistungen nennt Skybox zum Beispiel die Überwachung von Feldern auf Schädlingsbefall und die Aufsicht über Energie-Pipelines. Auch die Auswertung der Container-Bewegungen in Häfen, der Aktivität auf Flughäfen oder der Bestände auf Parkplätzen von Autohändlern ist möglich. Die Satelliten von Skybox sollen helfen, die Google-Karten auf aktuellem Stand zu halten, erklärte der Internet-Konzern am Dienstag. Außerdem hoffe Google, damit die Versorgung mit Internet-Zugängen und die Hilfe bei Unglücken und Naturkatastrophen zu verbessern. Google ist selbst bei der Entwicklung digitaler Satellitenkarten mit seinem Projekt Google Earth weit vorangekommen. Etablierte Anbieter wie DigitalGlobe oder GeoEye haben den Erdball erfasst, Skybox verspricht jedoch frischere Bilder auf Bestellung. Skybox ist einer von mehreren neuen Anbietern, die von drastisch gesunkenen Kosten für Entwicklung und Herstellung von Satelliten profitieren wollen. Sie packen ihre Technik in deutlich kleinere Satelliten als man sie früher baute. Skybox will über die Jahre rund zwei Dutzend Satelliten ins All bringen, steht bei dem Plan aber erst am Anfang. Die Skybox-Satelliten sind nach bisherigen Berichten rund 100 Kilogramm schwer. Das macht es auch günstiger, sie ins All zu bringen als früher. Die Kosten pro Satellit werden auf rund 25 bis 50 Millionen Dollar geschätzt. Quelle: Screenshot
SatellitentechnikErst im April 2014 hatte Google den Hersteller von Solardrohnen Titan Aerospace gekauft. Mit dem Kauf will Google seine Pläne vorantreiben, drahtloses Internet auch in abgelegenste Teile der Welt zu bringen. Über den Kaufpreis für das US-Unternehmen, das 20 Mitarbeiter beschäftigt, wurde nichts bekannt. Titan entwickelt solarbetriebene Satelliten. Sie sollen 2015 erstmals kommerziell in Betrieb genommen werden. Die Drohnen fliegen in rund 20 Kilometern Höhe und können dort fünf Jahre bleiben. Ihre Spannweite ist mit 50 Metern etwas kürzer als die einer Boeing 777. Medienberichten zufolge war auch Facebook an Titan interessiert. Quelle: AP
Sicherheits-GadgetsGoogle hat die Firma SlickLogin gekauft, die eine innovative Art erfunden hat, herkömmliche Passwörter mit einer zweiten Sicherheitsstufe zu ergänzen. Das israelische Start-up setzt dabei auf Ultraschall-Töne, die zwischen Smartphone und PC eines Nutzers ausgetauscht werden. SlickLogin gab die Übernahme am Sonntag bekannt, eine Preis wurde nicht genannt. Nach Informationen des Technologieblogs „Geektime“, das als erstes von dem Deal berichtet hatte, geht es um einige Millionen Dollar. Derzeit setzt Google als zweite Zugangsstufe zusätzlich zum Passwort Zahlencodes ein, die über eine App auf das Smartphone geschickt werden. Der Vorteil des von SlickLogin entwickelten Systems ist, dass die Authentifizierung automatisch laufen kann, ohne dass der Nutzer sich darum kümmern muss. SlickLogin hatte das Ultraschall-Konzept im vergangenen September vorgestellt und befand sich bis zuletzt noch in einer geschlossenen Test-Phase. Nach Informationen von „Geektime“ bestand die Firma immer noch aus den drei Gründungsmitgliedern. Quelle: WirtschaftsWoche Online
Autonome AutosNicht nur große Automobilkonzerne, auch Google forscht mit viel Aufwand an selbstfahrenden Pkw. Dafür entwickelt der Konzern selbst die Software, die das Auto steuert. Dabei will der Konzern wohl sogar eigene Fahrzeuge auf den Markt bringen, die als autonome Taxen am Straßenverkehr teilhaben sollen. Für die Produktion der Autos gab es bereits Gespräche mit dem deutschen Zulieferer Continental und dem Fertiger Magna. Quelle: dpa
Medizinische GadgetsGoogles geheime Forschungsabteilung Google X hat ihre nächste Erfindung öffentlich gemacht. Es ist eine digitale Kontaktlinse für Diabetiker, die Blutzucker-Werte kontrolliert. Google X soll für den Internet-Konzern die Grenzen des Möglichen austesten. Die Entwickler aus dem Forschungslabor testen laut einem Blogeintrag Prototypen einer Kontaktlinse, bei der zwischen zwei Schichten ein Sensor sowie ein Miniatur-Funkchip integriert sind. Die Linse messe die Glucose-Werte in der Tränen-Flüssigkeit jede Sekunde. Der Prototyp sei in mehreren klinischen Forschungsstudien erprobt worden. Die Kontaktlinse solle die Daten an eine begleitende Smartphone-App funken. Chip und Sensor seien so winzig wie Glitzer-Partikel und die Antenne dünner als das menschliche Haar. Er werde auch erwogen, für Warnsignale Mikro-LEDs direkt in die Linse zu integrieren, hieß es. Es sei noch viel Arbeit zu tun bis die Kontaktlinse als fertiges Produkt auf den Markt komme, schränkten die Entwickler ein. Google wolle sich dafür in dem Bereich erfahrene Partner suchen, die Zugang zu der Technologie bekämen. An dem Projekt arbeitet federführend der Forscher Babak Parviz mit, der schon an den Anfängen der Datenbrille Google Glass stand. Er hatte bereits 2009 demonstriert, wie man Kontaktlinsen mit LEDs versehen kann. Quelle: dpa

Google nutzte die neue Schnittstelle, um die Werbung in der AdWords-Spalte noch passgenauer auszuspielen. Für das Marketing von Unternehmen war diese Innovation ein Segen: Endlich wussten Unternehmen, dass ihre Werbung auch genau die Menschen erreichen würde, die sich auch für die Produkte interessieren. Werbe- und Marketingagenturen liefen Sturm, hatte Google ihr Geschäft doch gerade mit einem Algorithmus entzaubert.

Reich dank Werbung

Die Geschichte von Google zeigt, warum das Unternehmen heute so unkonventionell agieren kann, wie kein anderes am Markt. Der frühe Einstieg in das Suchmaschinen-Geschäft in Kombination mit der Ausspielung von Werbung haben dem Konzern Milliarden eingebracht  – die nun fleißig in Forschung und Entwicklung gesteckt worden sind.

Im Schlussquartal 2013 verdiente das Unternehmen dank des florierenden Werbegeschäfts unterm Strich 3,4 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) – satte 17 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahresquartal. Verlustbringer blieb die Handytochter Motorola mit einem Minus von operativ 384 Millionen Dollar. Ein Problem, dass Page und Brin bereits galant gelöst haben. Die Sparte wurde mittlerweile an den chinesischen PC-Hersteller Lenovo verkauft. Im Haus bleiben nur einige der Patente der Handy-Hersteller, die Google nun für seine eigene Hardware (Nexus, Chromebook) nutzen kann.

Auch für die kommenden Quartalszahlen, die der Konzern am Mittwoch vorstellt, rechnen große Analystenhäuser mit einem guten Ergebnis. Erst vor wenigen Tagen sprach Anthony DeClemente von Norma Equity Research eine erneute Kaufempfehlung aus. Zwar hätten die Recherchen eine leichte Abnahme der sequenziellen Wachstumsrate ergeben. Nach den jüngsten Kursrückgängen sei aber die Gelegenheit für ein langfristiges Investment günstig. Der Grund: Auch weiterhin werden Werbetreibende immer größere Teile ihres Budgets aus dem traditionellen Medienbereich in Richtung digitale Medien verlagern. Davon profitiert gerade die hochfrequentierte Seite Google – und damit auch die Anleger.

Das Spannende daran: Larry Page und Sergey Brin interessieren sich nur bedingt für das, was die Anleger von ihren Investitionen halten. Während Tim Cook sich trotz deutlich besserer Apple-Umsätze jedes Halbjahr neu rechtfertigen muss, warum keine Innovationen den Markt umkrempeln oder sich bestimmte Produkte nicht mehr so gut verkaufen, lehnen sich die Google-Gründer entspannt zurück. Und das nicht nur aufgrund der komfortablen finanziellen Situation.

Die Studienfreunde haben die Macht innerhalb ihres Unternehmens nie aus der Hand gegeben. Zwar besitzen sie nur weniger als 15 Prozent der ausgegebenen Aktien. Doch kontrollieren sie 56 Prozent der Stimmrechte im Unternehmen. Möglich machen das sogenannte B-Aktien, die zehn statt einer Stimme halten. So können Page und Brin Pläne schmieden und umsetzen, ohne die Investoren der Wall Street überhaupt zu informieren. Sie erhalten auf diesem Weg Googles Beweglichkeit. Es gäbe wohl kaum ein Szenario, in dem sich der Montessori-Schüler Larry Page seine Kreativität und seinen Innovationsdrang nehmen lassen würde. Erst recht nicht durch Forderungen von Investoren.

Die Philosophie des "10x"

So arbeitet es sich bei Google und Facebook
Bequemer zur Arbeit geht es kaum. Der Google-Shuttle holt die Mitarbeiter vor der Haustür ab und fährt sie bis zum Google-Campus nach Mountain View. Den Verkehr, der regelmäßig morgens und abends den Highway 101 zwischen San Francisco und der südlichen Bay Area verstopft, bekommt man in dem Luxus-Liner kaum mit. Stattdessen ist Arbeiten angesagt. WLAN etwa ist an Bord des Shuttles inklusive. Acht junge Kollegen der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten, die bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche arbeiten, haben das Silicon Valley besucht. Den kompletten Report ihrer Reise finden Sie hier im Kaufhaus der Weltwirtschaft. Quelle: Sebastian Kirsch
Sonnenschirme, wohin das Auge reicht. So empfängt die Google-Zentrale am 1600 Amphitheatre Parkway in Mountain View jeden Tag ihre Mitarbeiter. Auf der Terrasse im Innenhof wird allerdings nicht nur Kaffee getrunken; hier wird auch gearbeitet. Der Hof ist einer der zentralen Treffpunkte, wichtig für den Ideenaustausch. Quelle: Sebastian Kirsch
Google sorgt sich um das Wohl der Mitarbeiter. Sport machen kann hier jeder – entweder zum Abspannen in einem der Fitness-Studios auf dem Campus. Oder aber bei der Arbeit. Die Mitarbeiterin hält mit dem Laufband Schritt, während sie ein paar Ideen in den Computer tippt. Quelle: Andreas Dörnfelder
Die Mitarbeiter von Google sollen bei der Arbeit die beste Version ihrer selbst sein, so eine Sprecherin. Und so sorgt das Unternehmen dafür, dass die Googler zwischendurch mal richtig ausspannen können. Etwa im Liegestuhl im Innenhof-Gärtchen. Das Smartphone allerdings ist immer dabei. Quelle: Andreas Dörnfelder
Damit kein Googler vergisst, wo er eigentlich arbeitet, ist das Logo der Internetfirma omnipräsent, die Corporate Identity allgegenwärtig. Und sei es nur der Fußabstreifer. Quelle: Sebastian Kirsch
Wie praktisch, dass auch die Billard-Kugeln perfekt ins Google-Design passen. Ein Spielchen zwischendurch soll den Geist beflügeln ... Quelle: Andreas Dörnfelder
Wie der große Innenhof ist auch die Kantine ein Treffpunkt. Bunt und laut geht es hier zu Stoßzeiten zu – alle wichtigen Neuigkeiten aus dem Unternehmen werden hier kommuniziert. Quelle: Sebastian Kirsch

Ein Beispiel: Ab 2005 bastelte Page ausgiebig an der Technik eines kleinen Startups, das Google gerade erstanden hatte: Android. „Als ich an Android gearbeitet habe, hatte ich die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen“, sagte Larry Page im Ted Talk. Es habe in dieser Zeit so viele andere wichtige Aufgaben gegeben. „Doch am Ende hat sich herausgestellt, dass es genau das Richtige war.“ Heute surfen fast 80 Prozent aller Smartphone- und Tablet-Besitzer weltweit mit Googles mobilem Betriebssystem. Und auch Kooperationen mit der Automobilbranche laufen bereits.

Anders als Apple öffnete Google sein Betriebssystem, um so den Markt komplett zu durchdringen. „Innovationen sind nicht genug. Die Innovationen müssen die Menschen auch erreichen“, sagt Page im Interview mit Charlie Rose. Warum das Leben von Millionen verändern, wenn man Milliarden erreichen kann? Das ist Googles Devise.

Aerospace und Projekt Loon

Ohne Zweifel gehören Larry Page und Sergey Brin neben Elon Musk und Richard Branson in die Reihe der ganz großen Visionäre unserer Zeit.

Beide denken groß. Sie wollen Dinge tun, von denen sie wissen, dass sie sonst niemand anpacken würde. „Wir brauchen revolutionäre Veränderungen. Das ist es, was Unternehmen leisten müssen“, sagt Larry Page im Ted-Talk. Von seinen Mitarbeitern verlangt er das gleiche und predigt die Philosophie des „10x“. Alles, was Google betrifft, muss zehnmal größer, besser und schneller sein als alles, was es bisher gab. So wie die Suchmaschine, mit der die Geschichte 1998 begann.

Zudem ist das Unternehmen immer zur Stelle, bevor die Konkurrenz zuschlagen kann. Wie mit dem Kauf vom 20 Mitarbeiter starken Startup Titan Aerospace, das Solar-Drohnen herstellt. Die solarbetriebenen Satelliten erinnern ein wenig an das Solar-Flugzeug „Solar Impulse“ des Schweizer Abenteurers Bertrand Piccard. Doch statt einer Weltumrundung, will Google mit den Fluggeräten seine Pläne vorantreiben, drahtloses Internet auch in abgelegene Teile der Welt zu bringen. Immerhin können die Drohnen 20 Kilometer hoch in die Stratosphäre fliegen und dort etwa fünf Jahre bleiben. 2015 sollen sie erstmals kommerziell in Betrieb genommen werden.

Die Welt mit dem Internet auszustatten, ist kein neues Vorhaben. Google hat bereits 2013 das Projekt „Loon“ vorgestellt. Dabei sollen untereinander vernetzte Gasballons entlegene Regionen mit Internetzugängen versorgen. Dafür heuerte der Suchmaschinen-Gigant Schneider und Ballon-Experten an und arbeitete mit Meteorologen zusammen.

Zwei Drittel aller Menschen haben kein schnelles Internet und Millionen sind sogar ganz ohne Online-Zugang. Google will das ändern. Offiziell, weil „Wissen Macht ist“. Ein „Allgemeingut, das jedem Menschen zugänglich sein sollte.“ Der Anthroposoph Page gibt sich gern als Gutmensch, dem es immer nur um das „Wohl der Menschheit“ geht, das vor allem durch Vernetzung und Offenlegung von Informationen zu erreichen sei.

Gleichzeitig erweitert Google mit mehr Menschen im Netz auch sein eigenes Wissen. Je größer die „Crowd“ und je detaillierter die Informationen über uns, um so gezielter kann Google Werbung schalten. Nicht umsonst hat Google 3,2 Milliarden Euro in das Start-Up Nestlabs gesteckt, die zweitgrößte Übernahme seit Unternehmensgeschichte.

Google hat die Kraft des "Sozialen" verschlafen

Was kann die Datenbrille wirklich?
Google Glass für alle erhältlich Die Computerbrille Google Glass gibt es nun in den USA regulär für alle - allerdings hat sie weiterhin den Status Betatest. Sie kostet 1500 Dollar und kann online bestellt werden, ist aber mengenmäßig begrenzt. Google hat keine Angaben dazu gemacht, wie viele Brillen für den Verkauf bereit stehen. Aktuell gibt es vier unterschiedliche Gestelle und drei Sonnenbrillen. Google hat außerdem Korrekturgläser eingeführt. Somit können auch Menschen mit eingeschränkter Sehstärke die Brille nutzen. Seit April 2014 funktioniert die Datenbrille mit Android 4.4 alias Kitkat. Das soll eine längere Akkulaufzeit und eine bessere Bedienung bringen. Die Videotelefonfunktion wurde erst einmal entfernt. Quelle: dpa
Es ist ein Marktstart auf Raten: Zuerst mussten sich Interessenten bei Google bewerben, um ein Exemplar seiner Datenbrille Google Glass zu ergattern. Am Dienstag nun macht der Internet-Konzern ein neues Angebot: Für 1500 Dollar kann Jedermann über eine Internetseite ein Exemplar der Cyberbrille kaufen. Freilich nur in den USA. Und nur einen Tag lang. Exklusiver werden höchstens noch Luxus-Handys mit Edelsteinbesatz verkauft. Aber die Technik der Datenbrille verspricht einen ganz anderen Luxus: Erstmals lässt sich damit unterwegs freihändig im Internet surfen. Über einen kleinen Bildschirm vor dem rechten Auge spielt Google Glass dazu einen virtuellen Computerbildschirm ins Blickfeld. Per Sprachbefehl oder Fingertipp auf den rechten Brillenbügel lassen sich Programme bedienen. Töne spielt die Brille über einen Knopf im Ohr ein. So revolutionär das Interface sein mag: Was kann die teure Datenbrille wirklich? Für welche Zwecke gibt es heute schon Glass-Apps? Ein Überblick darüber, was Glass-Nutzer in ihrem Cyber-Alltag alles schon erleben können. Quelle: AP
Das Training im Blick behaltenEine virtuelle Trainingsuhr hat das US-Startup Strava für Google Glass programmiert. Das Display der Brille spielt Radfahrern und Joggern einen virtuellen Tacho ins Blickfeld: Gefahrene Distanz, aktuelles Tempo, Dauer des Trainings. Kleine Pfeile zeigen an, ob der Sportler auf der Strecke schneller oder langsamer unterwegs ist als beim letzten Training. Quelle: Reuters
Sich nie wieder verlaufenAuch Googles-Kartendienst Maps ist auf der Datenbrille präsent. Wer etwa den Weg zur nächsten Tankstelle sucht, kann per Stimme danach fragen. Google Glass sucht daraufhin im Internet nach der schnellsten Route – und blendet sie auf einer Karte ein. So können auch Radfahrer den Weg durch die Stadt finden, ohne zwischendurch absteigen und auf die Karte schauen zu müssen. Quelle: REUTERS
Ich-Perspektive live ins Internet streamenEs klingt wie aus dem Film Being John Malkovich: Glass-Nutzer können bald – eine Mobilfunkverbindung vorausgesetzt - ihre Sicht auf die Welt live ins Internet streamen – ob beim Joggen, beim Fallschirmspringen oder im Konzert. Möglich machen es die eingebaute Kamera und eine neue App des Streaming-Dienstes Livestream.com. Die Zuschauer können dem Brillenträger Textnachrichten schicken, die dieser wiederum per Stimme beantworten kann. Quelle: dpa/dpaweb
Schilder übersetzenDie App Word Lens verwandelt die Brille in einen Übersetzer: Fotografiert der Nutzer ein Hinweisschild, eine Werbeanzeige, eine Speisekarte oder andere kurze Texte, dann übersetzt die App die Worte in eine gewünschte Fremdsprache. Das Ergebnis blendet Word Lens in das echte Bild ein, wobei sogar die Schrift dem Original ähnelt. Das Programm unterstützt derzeit Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, italienische und Russisch - übersetzt wird immer ins Englische. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Stadttour machenOb auf Geschäftsreise oder im Urlaub - wer wünscht sich nicht hin und wieder einen privaten Stadtführer, der einem die lokalen Sehenswürdigkeiten vorstellt? Googles App Field Trip verspricht genau das: Anhand der GPS-Positionsdaten des Nutzers blendet sie passende Infokarten ein mit Informationen über historische Bauten, Denkmäler, Landmarken und mehr. Quelle: dpa

Auch an diesem Unternehmen soll Facebook-Gründer und –Chef Mark Zuckerberg interessiert gewesen sein.

Dass Google bei der Akquise spannender Startups immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht, dürfte Zuckerberg gar nicht gefallen. Galt er doch eine Zeit lang als der Einzige in der Techbranche, dem es hätte gelingen können, Google das Feld um Daten und Informationen streitig zu machen. Denn während die Computerspezialisten Page und Brin voll auf ihren technischen Ansatz von Algorithmus und dazugehörigen Backlinks versteift waren, erkannte Zuckerberg das Potential von Beziehungen.

Freunden gegenüber teilen wir alles. Wir helfen, zeigen Fotos und vernetzen uns. Und Netzwerke machen abhängig. Den sozialen Trend hatte Google komplett verschlafen. Das Netzwerk Google+ ist noch lange nicht so in der Bevölkerung angekommen, wie Facebook mit über einer Milliarde Nutzern. Den Fehltritt scheint Google nun wieder wettmachen zu wollen – mit Erfolg. Nest ging an den Suchmaschinen-Giganten und liefert dem künftig spannende Informationen.

Denn der Thermostat- und Feuermelder-Hersteller gibt dem Konzern direkte Einblicke in Privathaushalte. Mittelfristig könnten Gegenstände und Geräte wie Menschen, Unternehmen und Organisationen eine Internetadresse haben und so ständig miteinander kommunizieren. Aus den Daten ließen sich komplette Bewegungsprofile über ganz privates Verhalten in den eigenen vier Wänden ablesen, befürchten Datenschützer.

Immernoch am Anfang

Larry Page sagt es anders: „Wir arbeiten seit 15 Jahren daran, Suchanfragen zu optimieren. Und wir stehen immer noch am Anfang.“ Computer seien das absolute Chaos. „Die Geräte wissen nicht, wo wir sind oder was wir genau tun“, so Page. „Wer eine gute Suche möglich machen will, muss verstehen wie Menschen suchen, also wie sie ihre Umwelt wahrnehmen.“ Um hinter unsere Verhaltensweisen zu kommen, braucht Google Daten.

Also sammelt das Unternehmen immer weiter. Welche Videos klicken wir auf Youtube an? Was posten wir auf Google+? Welche Wege suchen wir auf Maps? Und künftig: Wie kommunizieren selbstfahrende Autos im Straßenverkehr miteinander und welche Aufgaben übernehmen Roboter für uns? Je mehr Felder das Unternehmen für sich erschließt, desto mehr Daten fließen in den eigenen Algorithmus – statt zur Konkurrenz. Die Daten sollen dann bessere Antworten liefern, als jedes soziale Netzwerk.

Der künstlichen Intelligenz auf der Spur

Unterm Strich will Google nicht weniger kreieren als intelligente Maschinen, die uns im Alltag wie echte Menschen unterstützen können. Kaum ein Feld fasziniert Larry Page so sehr wie die künstliche Intelligenz – und wie sie sich im Bereich der Gesundheit, der Infrastruktur oder dem Transportwesen nutzen lässt. „Wäre es nicht wunderbar, wenn alle Krankenakten der Welt anonym der Forschung zur Verfügung stünden?“, fragt er im Ted Talk. Die Daten wären eine wesentliche Grundlage, um Forschung voranzutreiben – davon ist er fest überzeugt. Ein erster Versuch einer globalen Krankenakte unternahm Google bereits mit dem Projekt „Google Health“, das Anfang 2013 mangels Interesse jedoch wieder eingestellt werden musste.

Doch Page gibt nicht auf. Acht Milliarden US-Dollar des Google-Budgets fließen jedes Jahr in Forschung und Entwicklung – vor allem in das Geheimlabor X. Nicht weit vom Google Hauptgebäude entfernt befindet sich der gut gesicherte Backstein-Komplex des Konzerns. Nur wenige Programmierer arbeiten hier gemeinsam mit Elektroingenieuren, Maschinenbauern und Labortechnikern. Auch die Schneider des Projekts „Loon“ hatten hier ihren Arbeitsplatz. Aufgebaut hat das Forschungslabor der Solinger Sebastian Thrun. Der weltweit führende Experte für Robotik und künstliche Intelligenz arbeitet hier intensiv an den zum Teil verrückt wirkenden Ideen von Page und Brin. Oft wird der Arbeitsplatz des Deutschen mit Willy Wonkas Schokoladenfabrik verglichen, in dem alle Träume Wirklichkeit werden können ohne von der Realität vor den Toren der Innovationsschmiede eingeholt zu werden.

Nicht nur das selbstfahrende Auto und die Datenbrille Google Glass sind hier entstanden. Erst kürzlich gab Google bekannt, hier auch eine Kontaktlinse entwickelt zu haben, die konstant den Blutzucker im Körper misst.

"Google-Brain"

Mit Google bei den Eisbären
Über Google Maps lassen sich Regionen bereisen, an die man sonst nicht ohne weiteres gelangen würde. Nun ist auch ein entlegener Teil Kanadas virtuell zu entdecken, in dem Eisbären zu hause sind. Am Donnerstag veröffentlichte der Internetkonzern neues Bildmaterial anlässlich des internationalen Tags des Eisbären. So soll ein Bewusstsein für die Tiere in ihrem bedrohten Lebensraum geschaffen werden, die die meisten Menschen nur aus dem Zoo kennen. Quelle: Google
Die Bilder der Bären sollen nicht nur niedlich und faszinierend sein, das Projekt soll auch den Sinn der Menschen dafür schärfen, wie sehr die Tiere durch den Klimawandel beeinflusst und gefährdet werden. Polar Bears International hat sein Hauptquartier in Churchill. Die Mitarbeiter beobachten und erforschen die Tiere nicht nur, sie widmen sich auch der Bildung und der Sensibilisierung der Menschen für den Artenschutz. So gibt das Projekt etwa Studenten und Schülern die Möglichkeit, die Tiere und ihre natürliche Umgebung zu entdecken. Dafür werden zum Beispiel Aufnahmen der wilden Tiere in Klassenzimmer gebracht, um schon in den Kleinsten den Sinn für Umwelt- und Tierschutz zu wecken. Quelle: Google
Für das Projekt wurde ein Google Street View Trekker auf einem sogenannten "Tundra Buggy" montiert, der durch die menschenverlassene Landschaft von Churchill und die umgebende Tundra in Kanada fuhr. So entstanden 360-Grad-Panorama Aufnahmen, die die Eisbären im Schnee zeigen. Dort sieht man etwa spielerisch kämpfende männliche Eisbären oder einen Bären, der im Gestrüpp döst, während er darauf wartet, dass das Eis auf dem Meer wächst, um seinen Weg fortsetzen zu können. Die Panorama-Fotos können >>hier angesehen werden. Quelle: Google
Google veröffentlichte auch ein Video, in dem man mehr von Churchill und den Eisbären sehen und über sie lernen kann. Darin erklären Wissenschaftler von der Organisation Polar Bears International, die sich dem Schutz der Tiere verschrieben hat, warum gerade dort so viele Eisbären zu sehen sind: Die Tiere warten in der Bucht darauf, dass das Meer zufriert, um zu ihren Jagdgründen gelangen zu können. Die Erderwärmung gefährdet das Eis und damit auch das Überleben der Bären. Die Wissenschaftler erklären, wie wichtig die Eisbären für die Umwelt sind, denn sie stehen an der Spitze der Nahrungskette - verschwinden sie von der Erdoberfläche, "bricht alles zusammen", so ein Forscher. >>Hier geht es zum Video. Quelle: Google
Mit den Maps-Bildern gibt Google uns also nicht nur die Chance, Eindrücke der majestätischen Eisbären festzuhalten, die durch den Klimawandel in 50 oder 60 Jahren von der Erde verschwunden sein könnten. Es kann auch die Chance sein, die Notwendigkeit einer Änderung unseres umweltschädigenden Verhaltens zu erkennen und einen Sinneswandel einzuleiten. Quelle: Google
Denn nach Einschätzung der beiden führenden Wissenschaftsorganisationen National Academy of Sciences (USA) und Royal Society (Großbritannien) verschärft sich die globale Erderwärmung. Die Forscher erwarten laut einem gemeinsamen, am Donnerstag veröffentlichten Bericht, dass der Klimawandel nicht nur die Natur, sondern auch unsere Gesellschaft "in ihren Grundfesten erschüttern" wird. In dem Bericht warnen sie etwa davor, dass bei der Zunahme der weltweiten Temperaturen die Versorgung der Menschen mit Nahrung und Trinkwasser in Gefahr ist. Quelle: Google
Auch die Infrastruktur an Küsten sowie der Teil der Weltbevölkerung, der in Gebieten knapp oberhalb des aktuellen Meeresspiegels lebe, sei bedroht. Die Forscher mahnen, die wissenschaftlichen Beweise des Klimawandels nicht länger zu ignorieren und stattdessen endlich tätig zu werden. "Wir haben die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre verändert; das ist keine Glaubensfrage“, sagt einer der Autoren, der kalifornische Wissenschaftler Ben Santer. Quelle: Google

Um dem Geheimnis künstlicher Intelligenz näher zu kommen, schlossen Google-Wissenschaftler hier erst vor zwei Jahren 16.000 Computerkerne zusammen und zeigten dem Netzwerk drei Tage lang Youtube-Videos. Das Team hoffte, dass die Maschine genau so Informationen verarbeiten und lernen würde, wie zum Beispiel ein kleines Kind. Das Ergebnis war erstaunlich: Das sogenannte „Google-Brain“ konnte nach zehn Millionen Videobildern selbständig Objekte, Menschen und Katzen voneinander unterscheiden.

„Das ist das spannendste, was ich in den vergangenen Jahren gesehen habe“, sagte Larry Page zu Charlie Rose. Wie tief Google noch in die Welt der künstlichen Intelligenz eintauchen wird, zeigt auch eine Akquise aus dem Januar. Da kaufte der Suchmaschinengigant das kleine, britische Labor Deepmind für 450 Millionen Dollar. Und bereits Ende 2013 investierte der Konzern in den Entwickler Boston Dynamic, der für seine tierähnlichen Roboter bekannt ist. Unvorstellbar, was alles möglich wird, wenn Roboter an Googles Wissen von der Welt angeschlossen werden.

Fazit

Langsam formt sich ein Bild aus den vielen Unternehmenskäufen, die Google in den vergangenen Monaten getätigt hat. Was anfangs wie Stückwerk gewirkt hat, zeigt inzwischen wie groß die Google-Gründer denken. Den Collage-Freunden Page und Brin gelingt es, Investoren in Ruhe zu wiegen und dabei ihr ganz eigenes Ziel zu verfolgen. Daten aus aller Welt und allen Bereichen sammeln und so auswerten, dass sie der Menschheit nützlich sind.

Kritiker sehen in Google vielmehr eine Datenkrake, die private Information gezielt zu Unternehmenszwecken einsetzt. Das Firmen-Motto „Don't be evil“ („Sei nicht böse“) wirkt fast wie eine Farce. Denn ganz genau weiß niemand, wie Google Daten speichert und welche Auswertungsmöglichkeiten das Unternehmen tatsächlich hat.

In Arbeit
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So geriet Google zum Beispiel ins Visier, als die NSA-Spionagen durch den Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt wurden. Angeblich hätten die großen IT-Konzerne mit der Regierung zusammengearbeitet. Google hat das stets bestritten. Regelrecht entrüstet zeigte sich Page: „Die Regierung hätte die Öffentlichkeit fragen müssen, ob sie die Daten abgreifen darf.“ Im Interview mit Charlie Rose schränkte der Google-Gründer aber gleichzeitig ein, dass sich die Welt nun einmal verändere. Sie würde transparenter und die Menschen würden private Informationen freiwillig Preis geben. „Wir müssen den Menschen die Wahl lassen“, gab Page zu bedenken. Weiter geht sein Verantwortungsgefühl allerdings nicht.  

Die Frage ist, inwieweit sich Menschen von Google überhaupt noch distanzieren können. Die Suchmaschine ist nicht nur in unseren Sprachgebrauch übergegangen. Sie ist zum Tor zu Informationen geworden. Und so wie Google derzeit weiter voran prescht, wird sich daran auch nichts ändern.

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