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Quartalszahlen am Mittwoch Google will die Weltherrschaft - nicht weniger

Der Suchmaschinen-Hersteller geht weiter auf Shopping-Tour. Kaum ein Konzern akquiriert so gezielt Unternehmen, um am Ende vor allem eines zu ergattern: unsere Daten. Wozu Google die braucht.

So langsam formt sich ein Bild aus den vielen Unternehmenskäufen, die Google in den vergangenen Monaten getätigt hat. Quelle: Marcel Stahn

Google hat wieder zugeschlagen. Kurz vor der Veröffentlichung der ersten Quartalszahlen 2014 kauft der Suchmaschinen-Gigant den Solardrohnen-Hersteller Titan Aerospace. Die Akquise hat Konkurrenten wie Facebook einen Strich durch die Rechnung gemacht. Angeblich soll auch Mark Zuckerberg an Aerospace interessiert gewesen sein.

Schnell zuschlagen ist Googles Spezialität. Das Suchmaschinen-Imperium ist inzwischen relativ unübersichtlich geworden. Nicht nur dass 70 Prozent der weltweiten Suchanfragen im Netz über Google laufen und Chrome längst zum beliebtesten Browser geworden ist: Das mobile Betriebssystem Android, Satellitentechnik, smarte Kontaktlinsen, Roboter- und Medizintechnologien und selbstfahrende Autos – all das gehört heute zu dem Konzern, der einst mit einer simplen und schnellen Suchmaschine die Branchen aufgemischt hat. Was hat Google mit all diesen Zukäufen vor?

Die Geschichte des Internetgiganten Google
Frühjahr 2013Google liefert die ersten Google-Brillen für 1500 Euro pro Gadget an ausgewählte Entwickler aus. Firmengründer Sergey Brin verlässt das Haus kaum noch ohne die Datenbrille, die es dem Träger ermöglicht Artikel zu lesen, Telefonate zu führen oder sich Wegbeschreibungen anzeigen zu lassen. Quelle: REUTERS
Juni 2013Im Bieterkampf um ein israelisches Navigations-Startup sticht Google die Konkurrenten aus. Der US-Internetgigant stehe kurz vor der Übernahme der auf mobile Kartendienste spezialisierten Firma Waze, berichtet die israelische Finanzzeitung Globes am Sonntag ohne Quellenangabe. Google habe die Gebote der anderen Interessenten vermutlich übertrumpft. Der Kaufpreis soll demnach 1,3 Milliarden Dollar betragen. Bei Waze war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Waze sprach früheren Medienberichten zufolge mit mehreren Bietern. Dazu zählt auch das soziale Netzwerk Facebook. Zusatzdienste, die auf Smartphones oder Tablet-PCs genutzt werden können, werden für Technologiekonzerne wie Google immer wichtiger. Denn mit ihnen steigt auch die Nutzung von mobilen Geräten und damit die potenziellen Werbeeinnahmen, die über sie generiert werden können. Waze verwendet die Satelliten-Signale der Smartphones, um den Nutzern Karten- und Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat 47 Millionen Mitglieder und 100 Mitarbeiter. Quelle: REUTERS
Nexus 7 Quelle: dpa
Mai 2012Die Erfolgsgeschichte eines Browser: D er Google-Browser Chrome anteilsmäßig den Internet Explorer von Microsoft. Quelle: ZB
April 2012Google gibt bekannt, eine Augmented-Reality-Brille, Google Glasses, auf den Markt bringen zu wollen. Seitdem ist Geschäftsführer Sergey Brin immer wieder mit der Cyberbrille in der Öffentlichkeit zu sehen. Quelle: AP/dpa
Logo von Google+ Quelle: dpa

Genau diese Frage stellte kürzlich die amerikanische Talk-Show-Legende Charlie Rose im Ted Talk. Sein Gast: Google-Gründer und Geschäftsführer Larry Page. Es war einer seiner seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit. Sein jungenhaftes Grinsen und das knallblaue T-Shirt erinnern noch heute an den Anfang 20-Jährigen, der gemeinsam mit Sergey Brin 1998 in einer Garage in Menlo Park das Unternehmen Google Inc. gegründet hat.

„Unsere Mission ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für jedermann abrufbar zu machen“, antwortete Page, dessen Stimme nach einer Stimmbandlähmung schwach und heiser geworden ist. „Immernoch?“, fragte Rose erstaunt nach. Tatsächlich gaben die Google-Gründer genau die gleiche Antwort schon vor 16 Jahren, als sie frustriert von langsamen Suchmaschinen, die nach Minuten nur schlechte Ergebnisse brachten, kurzerhand eine eigene Technik entwickelten.

Wie Google die Welt erobert hat

Dafür lud Page hunderttausende Homepages aus dem Internet herunter und analysierte sie. Er erkannte die Bedeutung der sogenannten Backlinks. Diese verweisen von einer auf eine andere Seite im Netz. Pages Theorie: Je mehr externe Links auf eine Seite führen, desto besser müsse sie sein. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte er den sogenannten Page-Rank. Bei Suchanfragen wurden ab sofort die Seiten an erster Stelle angezeigt, die von den Seitenbetreibern selbst besonders häufig empfohlen wurden. Es war das erste Mal in der Geschichte des Internets, dass jemand die „Crowd“ so effektiv nutzt.

Genau diesen Ansatz verfolgt Google weiter – bis heute. Alle Informationen, die Einzelne dem Konzern zur Verfügung stellen, nutzt das Unternehmen für seine Zwecke. Erstmals Geld verdiente das Unternehmen mit Adwords. Das Werkzeug gab Werbe-Partnern ab Oktober 2000 die Möglichkeit ihre Werbung mit bestimmten Schlagworten zu versehen. So poppte die Reklame in der rechten Adwords-Spalte nur dann auf, wenn das entsprechende Schlagwort von einer Person gesucht wurde. Damit konnte erstmals relativ gezielt für Produkte geworben werden.

Noch ausgereifter wurde Googles Werbeplattform mit Gmail. Als der Suchmaschinen-Betreiber im Februar 2007 das E-Mail-Programm allgemein verfügbar machte, boomte die Plattform sofort. Aufgrund der anfänglichen Postfachgröße von einem Gigabyte, zogen viele Kunden von anderen Freemail-Anbietern wie Yahoo, oder in Deutschland GMX oder Web.de zu Google um. Die Konkurrenz bot in der Regel nur zwei bis 20 Megabyte kostenlos an. Larry Page und Sergey Brin dachten größer und bekamen dafür die E-Mail-Kontakte ihrer Nutzer, die sie nun direkt mit ihrer Webseite verknüpfen konnten.

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