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Quartalszahlen Apple-Aktie bricht ein

Der iPhone Absatz wächst, allerdings nicht so stark wie von Analysten erhofft. Auch die Apple Watch scheint trotz gegenteiliger Bekundungen von Konzernchef Cook nicht der große Renner zu sein.

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So sieht Apples erste Smartwatch aus
Die Apple-Jünger in Japan können sich freuen: sie konnten am Freitag als erste die neue Smartwatch ausprobieren, hier in einem Apple Store in Tokio. Mitnehmen durften sie die Uhr aber noch nicht, weil der offizielle Verkaufsstart erst am 24. April beginnt. Quelle: dpa
Die Uhren können bislang nur vorbestellt werden. Im Online-Store von Apple ging es am Freitag hoch her. Dort waren nach wenigen Minuten nur noch einige Modelle zum eigentlichen Verkaufsstart in zwei Wochen verfügbar. Quelle: AP
Kunden, die sich am Vormittag einloggten, wurden für sämtliche 38 Apple-Watch-Modelle auf ein Lieferdatum „in 4 bis 6 Wochen“ oder auf den Juni vertröstet. Ein Blick auf die Varianten der Apple Watch: Quelle: AP
Drei VariantenMit gleich drei Modellen seiner Smartwatch geht Apple an den Start: Fitnessvariante, Standardmodell und Luxusausführung (von links nach rechts) kommen offiziell ab dem 24. April in den Verkauf. Quelle: dpa
Zwei GrößenAlle Modelle sind in zwei Größen erhältlich: Die kleine Version ist 38 Millimeter hoch, die große ist 4 Millimeter höher. Das Innere der Uhr wird durch kratzfestes Saphirglas geschützt. Quelle: PR
StandardmodellSo sieht das Standardmodell der Apple Watch aus poliertem Edelstahl aus. Das Gehäuse der Uhr ist mit verschiedenen Leder-, Stahl- und Plastikarmbändern kombinierbar. Hier ist die Variante mit weißem Sportband zu sehen. Quelle: dpa
Clip-Armband oder Edel-SchnalleDas Design der Armbänder reicht von einfach bis ausgefallen: Hier der sogenannte „Milanese Loop“. Das Armband aus Edelstahlgewebe wird mit einem Magnetclip verschlossen und ist so beliebig verstellbar. Quelle: PR

Apple CEO Tim Cook hat ein Talent dafür, viel zu sagen, sich aber trotzdem nicht in die Karten schauen zu lassen. So war es auch am Dienstagabend, als Apple die Zahlen fürs Frühjahrsquartal bekanntgab -  ein neuer Quartalsrekord mit einem Umsatz von 49,6 Milliarden Dollar, davon allein 31,3 Milliarden Dollar durch iPhone Verkäufe. 47,5 Millionen Exemplare seines mit Abstand wichtigsten Produkts verkaufte Apple von April bis Ende Juni weltweit. Das war 35 Prozent mehr Absatz als im Vorjahreszeitraum und wegen der höheren Preise der neuen Modelle sogar 59 Prozent mehr beim Umsatz. Analysten hatten allerdings eher 49 Millionen Stück erwartet, weshalb die Apple Aktie nachbörslich bis zu acht Prozent nachgab.

Fitnesstracker und Handyersatz: Was Smartwatches können

Doch was Apple Beobachter und Fans derzeit besonders interessiert, ist der Erfolg der Apple-Watch, die erste neue Produktkategorie seit dem Tod von Gründer Steve Jobs.  "Die Verkäufe der Apple-Watch haben unsere Erwartungen übertroffen", sagt Cook. "Sie sind besser als der Original iPad und iPhone bei deren Produkteinführung." Vom iPad setzte Apple damals in den ersten zehn Wochen rund drei Millionen Stück ab.

Beim Marktstart der Apple Watch konnte Apple die Nachfrage nicht bedienen. Doch in den vergangenen Tagen habe man aufgeholt, weshalb in den nächsten Tagen der Verkauf in drei weiteren Ländern gestartet werde. Damit sei die Apple Watch dann in 19 Ländern verfügbar.

Trotz dieser Lobeshymnen bleibt Cook bei seiner Entscheidung vom September vergangenen Jahres: "Wir werden keine Zahlen zur Apple Watch offenlegen, weil wir unsere Wettbewerber nicht schlau machen wollen."

Apple Watch Zahlen verschleiert

Doch ganz verbergen kann Apple sie nicht. Um den Absatz der Watch zu verschleiern, hat das Management sie in der Kategorie "Andere Produkte" untergebracht, gemeinsam mit Apple TV, Beats Kopfhörern und Lautsprechern sowie dem iPod und diversem Zubehör. Mit ihr setzte Apple im Frühjahrsquartal 2,6 Milliarden Dollar um - und damit rund eine Milliarde Dollar mehr als im vorangegangenen Quartal, also vor dem Start der Apple Watch. Rein rechnerisch hat Apple demnach mindestens eine Milliarde Dollar mit der Apple Watch seit Start umgesetzt.

Doch Cook warnt davor, es sich so einfach zu machen. "Der Absatz der anderen Produkte in der Kategorie geht schon seit längerem zurück," gibt er zu bedenken. Zudem sei die Uhr zum Start nur in ein paar Ländern verfügbar gewesen. "Ich bin mehr gespannt auf das längerfristige Potential", sagt Cook. Besonders große Hoffnungen setzt er auf das Weihnachtsquartal.

Die günstigste Version der Apple Watch kostet 349 Dollar. Hätte Apple nur von ihr drei Millionen Exemplare von April bis Ende Juni verkauft, entstünde ein Umsatz von etwas über einer Milliarde Dollar.  Die drei Millionen Stück könnten also Sinn machen. Allerdings sind sie damit meilenweit von den 36 Millionen Stück entfernt, die Morgan Stanley Analystin Katy Huberty fürs erste Jahr prognostiziert hatte. Apple hat also einen Spurt vor sich.

27 Prozent auf neueste iPhone Generation umgestiegen

Fasst man Cooks Ausführungen zusammen, inklusive der gewaltigen Werbekampagne zur Einführung der Uhr und der üblichen, überhöhten Apple Rethorik, entsteht der Eindruck, dass die Apple Watch zumindest zum Start nicht ganz so der Renner ist, den sich der Konzern erhofft hatte.

Zudem muß Cook schon wegen seines Amtes den Chefoptimisten mimen. Würde er nur den leisesten Zweifel am Erfolg der Uhr äußern, wäre die Produktkategorie dem Untergang geweiht.

Doch eigentlich ist die Apple Watch nur für die Psyche des Konzerns wichtig. Um zu zeigen, dass seine Mitarbeiter  noch immer Bestseller zaubern und Märkte aufmischen können, wie künftig das Fahrzeuggeschäft.

Für die Zahlen ist sie nicht relevant, was auch noch lange so bleiben wird. Selbst wenn Apple im vergangenen Quartal Uhren für 1,5 Milliarden Dollar verkauft hätte, entspräche das nur drei Prozent des Umsatzes.

Viel entscheidender für Apples unmittelbare Zukunft ist eine ganz andere Frage. Wieviel Wachstum steckt noch im iPhone?

Denn da Apples Tablet trotz aller Bemühungen wie einer Vermarktungsallianz mit IBM nicht in die Gänge kommt - im Frühjahrsquartal wurden 18 Prozent weniger iPads als im Vorjahrszeitraum verkauft - ist Apple mehr denn je abhängig von seinen Smartphones. Ihr Absatz macht derzeit knapp zwei Drittel des Umsatzes aus. Vor allem in Deutschland lief das Geschäft im Frühjahrsquartal glänzend, wo sich die Verkäufe verdoppelten.

Doch weltweit zeigt das Smartphone-Geschäft Sättigungstendenzen, was Wettbewerber Samsung bereits Probleme bereitet. Zumindest bei den Koreanern sind die Kunden anscheinend nicht mehr bereit, rasch auf die neueste Gerätegeneration zu wechseln. Was auch daran liegt, weil Samsung davon abhängig ist, wie schnell Google sein Android-Betriebssystem erneuert. Hier hat Apple den Vorteil, über sein eigenes mobiles Betriebssystem den Upgrade-Zyklus anfachen zu können.

Gadgets



Aber auch Apple-Nutzer springen nicht mehr von einer Gerätegeneration zur nächsten. Laut Cook haben derzeit nur 27 Prozent der iPhone Nutzer auf iPhone 6 und 6 plus gewechselt. Was erstaunlich ist, weil sie sich mit ihren größeren Bildschirmen besonders stark von ihren Vorgängern absetzen. Apples Chefoptimist interpretiert das als große Chance. Der nächste Zyklus steht vor der Tür. Für den September wird die nächste Gerätegeneration von Apples Flaggschiff erwartet. Und vielleicht gibt es die Apple Watch zukünftig ja im Bündelpreis dazu.

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