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Quartalszahlen Wie sich Googles Investitionen bezahlt machen

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Erfolg im Scheitern

Auch die Unternehmen, die Google 2013 und 2014 schluckte, zielen auf eine ferne Zukunft ab. Google kann sich Risiken leisten: Das Unternehmen hat 60 Milliarden Dollar liquide Mittel, um zu investieren.

"Google investiert in Technologien, die vielleicht erst in 30 Jahren relevant sind", sagt Tandler. Roboter etwa. Alleine acht Roboterhersteller hat Google 2013 aufgekauft - darunter Boston Dynamics. Das Unternehmen baute bisher Roboter für das US-Militär.

Geleitet wird Googles Roboter-Projekt von Android-Gründer Rubin. Daran zeigt sich ein weiterer Vorteil der Zukäufe: Google holt sich die großen Köpfe der Technik-Welt ins Haus.

Rubin arbeitet als Leiter der Roboter-Forschung mit seinem Team an Greifarmen und Sehtechnologien. Insider gehen davon aus, dass Google in den nächsten Jahren zwei Anwendungsbereiche forciert: Fertigungs- und Service-Roboter, die in der Logistik und im Handel tätig sein sollen.

Das Ziel ist es letzten Endes, autonome Systeme zu produzieren, die Senioren betreuen oder Pakete zustellen und Lagerarbeiten übernehmen können.

"Heute, wo die Unternehmen noch vergleichsweise günstig sind, hat Google bereits den halben Markt für sich", sagt Tandler. Langfristig verspricht das gigantische Gewinne. So schätzen Wissenschaftler der Oxford Universität, dass knapp die Hälfte aller Arbeitsplätze in den USA in zehn bis 20 Jahren Robotern zum Opfer fällt.

3. Schaffe dir deine eigenen Kunden

Anders als bei den Robotern behält Google bei den meisten Investitionen sein Kerngeschäft im Auge - die Suche. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer danach aussieht. Was hat Google beispielsweise mit dem Drohnen-Hersteller Titan Aerospace vor?

Drohnen könnten bei der Breitband-Erschließung in entlegenen Gebieten eine große Rolle spielen. Bislang hatte Google dieses Ziel mit seinem Project Loon verfolgt, bei dem mithilfe von Wetterballons das Internet über den Luftweg verbreitet werden sollte. Die Drohnen gelten als zuverlässiger als Satelliten - und sind zudem günstiger.

Drei Projekte wollen das Internet in den letzten Winkel der Welt bringen

In die gleiche Richtung zielt auch Googles Beteiligung an den Weltraumabenteuern des Elon Musk. Die SpaceX-Satelliten sollen auch den Menschen Zugang zum Internet ermöglichen, die bislang noch offline sind. Denn: Je mehr Menschen Zugang zum Internet haben, desto mehr potenzielle Kunden gibt es für Google.

Das Potenzial ist enorm. Bis dato sind laut dem Verband International Telecomunication Union (ITU) noch 4,3 Milliarden Menschen noch ohne Zugang zum Web.

4. Nimm Rückschläge in Kauf

Versprechungen für die ferne Zukunft begeistern längst nicht jeden. Dass Googles mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Datenbrille Glass in ihrer geplanten Form nicht weitergeführt wird, ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Die größten Flops von Google
Google Quelle: dpa
Google Videos Quelle: Screenshot
Google X Quelle: Screenshot
Larry Page Quelle: REUTERS
KnolZu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer? Quelle: Screenshot
Google WaveNach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.  
LivelyAls der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen. Quelle: Screenshot

In den Augen von Salzig übersehen sie dabei jedoch, was für einen großen Wert die Arbeit an der Datenbrille für das Unternehmen hat: Sie war ein wichtiger Schritt hin zur Verbindung der virtuellen Welt mit der tatsächlichen Realität.

Während die Datenbrille wohl für besondere Anwendungen weiterentwickelt wird - möglicherweise für ferngesteuerte Wartungsarbeiten an Maschinen - lebt die Idee, die hinter dem Projekt steckt in anderen Google-Projekten fort.

Die logische Fortsetzung der Datenbrille ist aus Salzigs Sicht Googles Betriebssystem für das selbstfahrende Auto. "Hier kommt die Idee zum Tragen, an einem beliebigen Standort maßgeschneiderte Informationen und Orientierung zu liefern." Und im besten Fall einen Kaufimpuls.

In Arbeit
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So könnte das Auto beispielsweise auf Angebote von Restaurants hinweisen, an denen der Insasse des selbstfahrenden Autos vorbei gefahren wird - und mit wenigen Anweisungen eine Reservierung oder Vorbestellung für ihn erledigen.

Natürlich lässt sich nicht vorhersagen, welche Investitionen zum Erfolg führen und welche scheitern werden. "Letztlich ist es wie bei den Silicon-Valley-Investoren", sagt Salzig. "Google kauft zehn Unternehmen und hofft, dass eines davon so profitabel ist, dass sich die Akquisitionen unter dem Strich lohnen."

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