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Quartalszahlen Vier Gründe für Apples Stärke

Quelle: dpa

Das wertvollste Unternehmen der Welt steht kurz vor dem Sprung über die Billionen-Dollar-Marke beim Börsenwert. Ein Blick in die jüngsten Quartalszahlen zeigt, woher der Erfolg kommt – und was ihn gefährden könnte.

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Apple CEO Tim Cook würde wohl abstreiten, dass es je einen Wettlauf mit Amazon-Chef Jeff Bezos gegeben hat. Doch die Frage, welches Unternehmen als erstes der Welt die Billionen-Marke bei der Börsenbewertung überspringt, beschäftigt die Gemüter seit langem.

Tatsache ist, dass den kalifornischen iKonzern nach Vorstellung der Quartalszahlen am Dienstagnachmittag im nachbörslichen Handel rund 15 Milliarden Dollar von der historischen Grenze trennten. Amazon war zu dieser Zeit immerhin noch 130 Milliarden Dollar davon entfernt.

Apple könnte am Mittwoch oder in den darauffolgenden Tagen das Rennen für sich entscheiden. Auch, weil das Unternehmen über einen zu verteilenden Barschatz von 243 Milliarden Dollar verfügt und der nächste iPhone-Zyklus im Herbst bevorsteht. Das beflügelt die Phantasien der Anleger.

Zudem waren es hervorragende Quartalszahlen, die Cook und sein Finanzchef Luca Maestri am Dienstag präsentierten. Obwohl der Frühsommer normalerweise eine ruhige Zeit ist, bevor im folgenden Quartal der Hype wegen neuer iPhone- Modelle anläuft, konnte Apple den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um rund 17 Prozent auf 53,3 Milliarden Dollar steigern.

Dass Cook nun kurz vor dem Sprung in den Olymp des Börsenhimmels steht, fußt auf vier Gründen.

Erstens geht seine im vergangenen September mit dem iPhone X gestartete Strategie, der Sättigung des Highend-Smartphones-Marktes mit teureren Modellen zu begegnen, auf. Zwar stieg der Absatz des Kernprodukts iPhone mit 41,3 Millionen Stück im Vorjahresvergleich nur um ein Prozent. Darunter befanden sich aber viele iPhone X, die im Handel 1000 Dollar und mehr kosten. Der Umsatz mit Smartphones legte in der Folge gegenüber dem Vorjahr um zwanzig Prozent zu.

Zweitens greift auch die Taktik, nicht mehr allein mit Hardware, sondern aus darauf basierenden Diensten wie Speicherplatz, Videos und Musik Wachstum zu generieren. Die Servicesparte legte im vergangenen Quartal stattliche 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Sie steht mit 9,5 Milliarden Dollar Umsatz kurz vor dem Überspringen der zweistelligen Milliarden-Marke pro Quartal. Damit ist die von Eddy Cue geführte Sparte der wichtigste Wachstumsträger des Konzerns.

Drittens beweist Cook im achten Jahr seiner Ägide, dass man selbst in der schnelllebigen Tech-Branche ohne überraschende Produkte im Stil seines Vorgängers Steve Jobs langfristig erfolgreich ist. Die Methode der behutsamen Hardware-Updates reicht aus, wenn man ein Produkt besitzt, an das sich Hunderte Millionen Besitzer auf der Welt gewöhnt haben. Diese Erkenntnis ist der Grund, warum Starinvestor Warren Buffet IBM den Laufpass gegeben und sich lieber bei Apple eingekauft hat.

Viertens ist es Cook gelungen, die von Jobs verordnete Verschwiegenheit über neue Produkte beizubehalten und konsequent allzu tiefe Einblicke in die Geschäftsstrategie abzublocken. Bis heute lehnt der Apple-CEO es beispielsweise ab, genaue Zahlen über den Absatz der Apple Watch – die einzige unter ihm gestartete neue Produktkategorie – zu veröffentlichen. Lediglich zu der generellen Ansage, dass sie Marktführer in ihrem Segment sei und sich glänzend verkaufe, lässt er sich herab.

Bis auf Toni Sacconaghi von Sanford Bernstein versucht es auch kein Analyst mehr, Cook mit frechen Fragen, etwa über seine Hochpreisstrategie bei iPhones, herauszufordern. Dabei sind die berechtigt: Es ist schließlich gut möglich, dass jetzt zwar mehr Kunden zu hochpreisigen iPhone X greifen, diese dafür aber länger behalten. Das könnte die Zuwachseffekte künftig schmälern. Doch Nachbohren ist zwecklos. Cook lässt sich nicht aus der Reserve locken.

Der Laden läuft offenbar auch ohne „blöde Fragen“ wie Tesla-Chef Elon Musk jüngst über Sacconaghi lästerte.

Risikofaktor Trump

Einzig und allein Trumps Wirtschaftspolitik könnte Apple ins Straucheln bringen. Die USA können nur prosperieren, wenn China dies tut und umgekehrt, gab Cook am Dienstag diplomatisch zu Protokoll. Trump sieht das anders.

China ist nicht nur wichtiger Produzent, sondern auch Abnehmer des iPhone. Das Land ist Apples wichtigster Wachstumsmarkt und eine Kampagne gegen US-Produkte im Reich der Mitte würde den Konzern auf Jahre hinaus schädigen. Wenn Kunden zu den Produkten der Konkurrenz greifen und sich daran gewöhnen, ist eine zentrale Säule von Cooks Erfolgsstrategie in Gefahr.

Zwanzig Jahre ist es her, seit Apple-Gründer Steve Jobs seinen Nachfolger beim PC-Hersteller Compaq abwarb, um die Lieferkette seines Konzerns zu modernisieren. Damals ging Cook entgegen seiner Art eine riskante Wette ein. Apple war kurz am Bankrott vorbeigeschrammt. Nun kann er zu seinem Firmenjubiläum mit dem Überspringen der Billionen-Marke seine eigene historische Duftmarke setzen – auch ohne bahnbrechendes Produkt und Magie.

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