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Quartalszahlen Wie sich Googles Investitionen bezahlt machen

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Wo Google noch Probleme hat

Das ist Jammern auf hohem Niveau, keine Frage. 70 Prozent der weltweiten Werbeeinahmen über Suchmaschinen gehen auf Googles Konto und 40,5 Prozent der mobilen Werbung. Die Gefahr, dass Google seine Führungsrolle einbüßt, besteht auf absehbare Zeit kaum. Doch die Zeit des rasanten Aufstiegs im Kerngeschäft ist vorüber.

So dominant ist Google



Die Grafik zeigt die weltweite Verbreitung der Google-Suche. Je dunkler die Farbe, desto größer ist der Anteil am Suchmaschinen-Markt.

Quelle: Statcounter

Deshalb investiert Google Milliarden in immer neue Projekte. Alleine von September 2013 bis September 2014 hat Google 39 Unternehmen gekauft - das ist ein Viertel aller Zukäufe des Konzerns seit 2001. Der jüngste Coup: Gemeinsam mit dem Finanzier Fidelity Investments steckt Google eine Milliarde Dollar in das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk, mit dem Ziel, bis zu 4000 Kommunikationssatelliten ins All zu schießen.

Eine Satelliten-Armada passt gut in Googles Kuriositäten-Sammlung. Die umfasst mittlerweile intelligente Kontaktlinsen, ein selbstfahrendes Auto und lernende Raum-Thermostate.  Die meisten der großen Investitionen werden erst in vielen Jahren Gewinn machen. Wenn überhaupt. Im 17. Jahr nach seiner Gründung wird Google erwachsen, weiß aber noch immer nicht, was es mal werden will.

Hier dominiert Google nicht den Suchmaschinenmarkt

Doch der Google-Führung um Larry Page, Eric Schmidt und Sundar Pichai das Einkaufsverhalten eines Zwölfjährigen im Süßigkeitenladen vorzuwerfen,  greift zu kurz. Google zieht seinen Plan durch, auch wenn der nicht den kurzfristigen Interessen der Wall Street entspricht.  

"Natürlich agiert Google als börsennotiertes Unternehmen nicht im luftleeren Raum und muss die Erwartungen der Anleger befriedigen", sagt Salzig. "Letztlich folgt Google aber vor allem einer eigenen Unternehmensstrategie - einem Masterplan." Und der folgt Googles vier Maximen:

1. Sammle Daten

"Als wir vor 15 Jahren mit Google starteten, war es meine Vision, dass die Menschen nicht mehr suchen müssen, um an Informationen zu kommen, die Informationen sollen zu ihnen kommen", erklärte Larry Page im Jahr 2013.

Einen großen Schritt bei der Realisierung dieses Plans hat Google mit einem Zukauf aus dem vergangenen Jahr gemacht: Der Konzern kaufte den Londoner Big-Data-Spezialisten Rangespan. Bis dato analysierte das Unternehmen die Anfragen Tausender Lieferanten – etwa für die Supermarktkette Tesco. Für Google sollen die Mitarbeiter des Unternehmens das Verhalten der Kunden bis ins Detail analysieren und die Google-Angebote entsprechend des Verhaltens optimieren.

So will Google künftig ein mögliches Kaufverhalten antizipieren, ohne dass überhaupt eine Suchanfrage gestellt wird. "Schläft beispielsweise ein Paar seit drei Monaten in derselben Wohnung, kann Google das anhand der Ortungsdaten des Smartphones erkennen", sagt Tandler.

Ausgewählte Randaktivitäten von Google

Wenn nun die Frau nach Hochzeitskleidern sucht und ihr Mann in den letzten Tagen bei einem Juwelier war, ahnt Google: Die Hochzeit steht ins Haus und könnte in Zukunft entsprechende Angebote direkt aufs Handy schicken - etwa für einen Anzug und ein Brautkleid. Google will nicht mehr den Menschen zum Produkt bringen, sondern das Produkt zum Menschen.

So müsste der Nutzer beispielsweise gar nicht mehr auf die Amazon-Webseite gehen, um dort zu bestellen. Google wählt selbst aus, welche Angebote es weiterleitet. "Ab diesem Moment hat Amazon ein Problem", sagt Tandler. Heute sucht fast jeder, der etwas im Internet kaufen will, direkt bei Amazon - diese Zeiten könnten dann vorbei sein. "Diese Entwicklung hat das Potenzial, die Werbe- und Verkaufswelt komplett zu revolutionieren." Bis es soweit ist, braucht Google seiner Einschätzung nach allerdings noch drei bis fünf Jahre.

2. Sei früh

2005 etwa bewies Google Weitblick. Damals kaufte es für 50 Millionen Dollar Andy Rubins Start-Up Android - und erntete vor allem Unverständnis. Eine Suchmaschine braucht doch keine Handy-Software, hieß es.

Doch als Apple 2007 das iPhone herausbrachte, konnte Google binnen weniger Monate mit seinem Betriebssystem Android nachziehen. Heute ist auf 84 Prozent aller weltweit verkauften Smartphones das Google-Betriebssystem installiert.

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