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Rakuten-Chef Hiroshi Mikitani Japans E-Commerce-Pionier ist ein Vorbild für Deutschland

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Den Mobilfunkmarkt aufmischen

Dennoch blieb dem Japaner der Ritterschlag von Gesellschaft und Medien für seine Leistungen bisher versagt. Vielleicht liegt es daran, dass Rakuten keine Weltmarke geworden ist. Früher wollte der Konzern noch Amazon und Ebay angreifen. Davon ist keine Rede mehr. Auch das deutsche Rakuten-Einkaufsportal hat gerade seine digitalen Pforten geschlossen. Sein Messengerdienst Viber hat sich gegen Whatsapp nicht behaupten können, seine Beteiligungen an Pinterest und Lyft baute der Unternehmer ab.

Die japanischen Milliardärskollegen Masayoshi Son von Softbank und Tadashi Yanai vom Textilriesen Fast Retailing mit der Weltmarke Uniqlo tauchen mit ihren unternehmerischen Taten ungleich öfter in den internationalen Medien auf. Dagegen dreht sich die Lieblingsgeschichte der Weltpresse über Mikitani darum, dass er alle Mitarbeiter zum Englischbüffeln zwang, um die Globalisierung von Rakuten zu beschleunigen. Neuerdings überlegt er, ob alle Mitarbeiter Programmieren lernen sollten. „Wer für Toyota arbeitet, weiß ja auch, wie ein Auto funktioniert“, meint Mikitani.

Aber dabei will es der umtriebige Japaner nicht belassen – und daher nun wie der Deutsche Dommermuth den Mobilfunkmarkt aufmischen. Bisher nutzten beide für ihre Mobilfunkdienste die Infrastruktur von KDDI beziehungsweise Telefónica. Doch künftig sollen die eigenen Netze flächendeckend werden. Dafür gehen die Unternehmer finanziell massiv ins Risiko. Knapp eine Milliarde Euro hat 1&1 für die 5G-Lizenzen gezahlt, bis zu zehn Milliarden Euro könnte der flächendeckende Ausbau des deutschen 5G-Netzes langfristig noch kosten. Mikitani investiert 6,5 Milliarden Euro in sein 4G- und 5G-Netz, und dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo die Margen im japanischen E-Commerce von Rakuten schrumpfen, da auch Amazon und Yahoo Japan gerade den Wettbewerb verschärfen.

Zwar musste Mikitani in Japan kein Geld für die staatliche 5G-Lizenz bezahlen, aber das ist nur ein kleiner Trost, weil die Rivalen NTT Docomo, KDDI und Softbank aus einem viel größeren Cashflow schöpfen. Dadurch können sie ihre 5G-Netze in der Fläche schneller ausbauen und einen möglichen Preiskrieg mit Rakuten Mobile länger durchhalten.

Der Kampfpreis von 27 Euro monatlich für das 4G- und 5G-Netz gilt nur, solange die Nutzer bei einer Rakuten-Antenne eingeloggt sind. Außerhalb großer Metropolen wie Tokio und Osaka, wo Rakuten viele Antennen auf den Gebäuden von Partnern seines Online-Portals aufstellen darf, wechseln die User automatisch in das Netz von KDDI. Dort ist das monatliche Volumen allerdings auf zwei Gigabyte begrenzt, dann sackt die Übertragungsrate auf lahme 128 Kbit pro Sekunde ab – kaum mehr als Modem-Geschwindigkeit aus frühen Internetzeiten. Bisher sammelte Mikitani schon eine Million Nutzer ein, aber für einen wirtschaftlichen Betrieb müssen es mindestens drei Millionen werden. Den Break-even im Mobilfunk peilt Finanzvorstand Kenji Hirose für 2023 an.

Immerhin erhält Rakuten in dieser schwierigen Startphase unerwartete Unterstützung von außen. Der globale Telekomriese Telefónica, in Deutschland durch die Marke O2 vertreten, schloss im September ein Bündnis mit Rakuten. Gemeinsam wollen beide Firmen die Virtualisierung von Netzwerken rund um die OpenRAN-Technologie weiterentwickeln. Damit müssen die Japaner die technologischen Risiken nicht mehr alleine schultern, und Telefónica sichert sich ebenfalls Zugriff auf das Know-how und die praktischen Erfahrungen mit der neuen Technik aus dem japanischen Netzaufbau.


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Denn noch sind die neuen Netzwerke nicht so leistungsfähig wie die etablierten Netze aus einer Hand. Der Chief Technology Officer von Rakuten, Tareq Amin, sprach vom „entscheidenden Augenblick einer industriellen Transformation“. Und Telefónica plant, die Hälfte ihrer Basisstationen, die zwischen 2022 und 2025 erneuert werden, bereits auf die neue Technik umrüsten zu können.

Das bedeutet jedoch auch: Das erste virtualisierte Netzwerk in Deutschland wird auf jeden Fall von United Internet kommen. Denn Dommermuth muss mindestens seine ersten tausend 5G-Standorte bis spätestens Ende 2022 in Betrieb haben.

Mehr zum Thema: Der United Internet Chef Ralph Dommermuth geht eine riskante Wette ein

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