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Die Tech-Riesen haben bisher nichts zur Lösung der wirklich dringenden Probleme der Erde beigetragen. Im Gegenteil. Quelle: imago images

Die Tech-Riesen haben ihre Mission verfehlt

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Trotz aller Heilsversprechen: Die Tech-Konzerne haben bisher nichts zur Lösung der wirklich dringenden Probleme der Erde beigetragen. Im Gegenteil.

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Wir wollen die Welt besser machen. Alle Großen des Silicon Valley, von Amazon-Gründer Jeff Bezos bis Mark Zuckerberg, haben das behauptet. Das kauft ihnen aber keiner mehr ab. Die jüngsten Nachrichten sprechen für sich: Microsoft hört bei Skype mit, Twitter gibt Daten an Werbekunden, Facebook und Google lassen Nutzerdialoge mit Sprachassistenten protokollieren. Der Nutzer nimmt es hin. Notgedrungen. Sonst ist er draußen, abgeschnitten von der Gesellschaft und bequemem Konsum.

Und bequem ist es. Nie war es so einfach, sich mit anderen zu vernetzen (und sie zu beleidigen), Waren zu kaufen, Zimmer zu buchen, von A nach B zu kommen.

Angesichts dessen sehen wir darüber hinweg, dass die Valley-Größen, während sie Milliarden anhäuften, nichts zur Lösung der Probleme dieses Planeten beigetragen haben. „Sie versprachen uns das ewige Leben, und wir bekamen eine App, in der wir Fotos mit Hasenohren verschicken können“ – so die achselzuckende Kritik. Angesichts der Aufheizung des Planeten aber schauen jetzt viele genauer hin. Und da sehen die Techkonzerne, auch wenn ihre Hauptquartiere klimaneutral arbeiten, alt aus. Smarte Technik zum Energiesparen lässt auf sich warten, und dass Sharingmodelle CO2-Emissionen senken, ist ein Märchen – so wie das vom Siegeszug der Demokratie, den das Internet befördern sollte.

Carsharing, Uber und Elektroroller führen zu mehr Verkehr, weil viele, die zu Fuß gingen oder die U-Bahn nahmen, jetzt bequeme Alternativen haben. E-Roller werden nach sechs Wochen schrottreif ausgemustert – das kostet CO2, genauso wie die ewig stromfressenden Server. Airbnb macht Reisen zwar billiger, aber dafür werden die Hot Spots dieser Welt von Touristen überlastet. Amazon zerstört die dezentrale Verteilung von Gütern, deshalb quälen sich Lieferwagen wegen zwei Päckchen noch ins letzte Dorf, vom Stau in den Citys ganz zu schweigen. Das Geld, das die Giganten verdienen, wird dann investiert, um noch mehr Daten in die Cloud zu bekommen – noch mehr Server – und den letzten Winkel der Erde mit schnellem Internet vollzuballern. Was übrig ist, geht ins All – vielleicht finden sie demnächst ja einen neuen Planeten.

Investoren und alle anderen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, sollten das bedenken: Das Internet stinkt und qualmt zwar nicht, ist aber nicht so sauber, wie die bunten Logos der Webgiganten suggerieren. Wer Klimafolgen beurteilt, muss auch externe Effekte der Technologie mit einrechnen. Bei RWE und bei Google.

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