WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Research in Motion Todesspirale oder nur ein Abwärtstrend?

Seite 2/3

5.000 Mitarbeiter sollen gehen

Mit dem Blackberry 10 will RIM auf dem Mobilfunkmarkt neuen Fuß fassen - Die Veröffentlichung musste allerdings auf das nächste Jahr verschoben werden Quelle: Reuters

Wie wollen Sie denn kurzfristig den Teufelskreislauf aus sinkenden Verkaufszahlen und wachsenden Verlusten durchbrechen?

Wir haben ja angekündigt, 5.000 Mitarbeiter abbauen zu wollen – das ist ein wesentlicher Hebel, um unsere Kostenstruktur in den Griff zu bekommen. Und wir müssen ein derartiges Effizienzprogramm so oder so machen, weil die Firma in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist und wir gewisse Seitenprojekte künftig schlicht nicht mehr weiterverfolgen werden. Darüber hinaus ist ja nicht alles düster – Blackberry ist beispielsweise noch die Nummer eins in Südafrika, und wir haben weiterhin große Erfolge in Asien. Ich glaube schon, dass wir über eine loyale Kundenbasis verfügen und auch Wachstum in anderen Regionen haben, die uns durch diese Übergangsphase tragen werden. Beispielsweise ist die Zahl der Blackberry-Abonnenten mittlerweile auf fast 80 Millionen gewachsen.

Allerdings mussten Sie die Veröffentlichung Ihres Hoffnungsträgers Blackberry 10 auf 2013 verschieben. Ist es in dem extrem schnelllebigen Mobilmarkt dann nicht schon zu spät, um noch nennenswert gegen die großen Rivalen Apple und Samsung zurückzuschlagen?

So gelingt der Turn-around
Es war die Musik, die dem US-Konzern Apple letztlich das Überleben sicherte. 1997 befand sich der PC-Hersteller am Rande des Ruins, vor allem weil er den Erfolg des Rivalen Microsoft ignoriert hatte. Doch dann kehrte der Apple-Mitgründer Steve Jobs (links) in die Firma zurück. Er erkannte früher als alle anderen die Umbrüche im Musikmarkt. Er ließ einen tragbaren MP3-Player entwickeln, der viel mehr konnte als die Produkte der Konkurrenz. Es folgten die dazu passende Software zum Verwalten der digitalen Musik und der Onlineladen, um sie zu kaufen. Ein genialer Schachzug... Quelle: dpa
... denn Apple besetzte einen neuen Markt, aber einen, der noch im Dunstkreis des Kerngeschäfts mit Computern lag. Mit Erfolg: Je attraktiver die iPods wurden, desto mehr Anklang fanden auch die Apple-Computer. Das Gleiche wiederholte Jobs 2007 mit dem iPhone. Hier kamen die Apps hinzu, jene kleinen Programme für das Smartphone. Bis heute dominiert Apple diesen Markt. Der nächst Coup folgte im Jahr 2010 mit dem Tablet-PC - dem iPad. Auch hier ist Apple unumstrittener Marktführer. Quelle: dpa
Als Jochen Zeitz im Mai 1993 die Verantwortung bei Puma übernahm, war das sogar dem "Spiegel" eine ganze Seite wert. Denn mit seinen 30 Jahren war der Mannheimer damals der jüngste Vorstandschef Deutschlands. Und er war das letzte Aufgebot, das der Sportkonzern hatte. Denn das fränkische Traditionsunternehmen hatte sich im Wettkampf mit dem lokalen Rivalen Adidas völlig verausgabt, hatte drei Chefs in drei Jahren verschlissen und stand kurz vor der Pleite. Quelle: dapd
Mit Sparsamkeit und taktischem Geschick führte Zeitz die Firma bereits 1994 in die schwarzen Zahlen und machte sie zu einer der profitabelsten der ganzen Branche. Statt es, wie Adidas, mit teuren Übernahmen zu versuchen, ging der Manager eigene Wege. Als erster Turnschuhhersteller setzte Puma stark auf Sportmode und schuf damit einen neuen Markt. 2011 zog sich Zeitz in den Aufsichtsrat zurück. Weil Puma in jüngster Zeit etwas die Luft ausging, beschreitet sein 33-jähriger Nachfolger Franz Koch nun den umgekehrten Weg und verankert Puma wieder stärker im Sportgeschäft. Quelle: AFP
Langweilig, bieder, Audi: Ende der 70er-Jahre war die Marke mit den vier Ringen ein Auslaufmodell. Autos wie der Audi A50 oder der A80 kamen ungefähr so sexy daher wie ein Schreiben vom Finanzamt. "Modern, aber nicht modisch" nannte das Unternehmen sein Auftreten, das der Marke den Ruf der "Beamtenkutsche" einbrachte. Doch auch die treueste Klientel drohte abzuspringen. Rostende Karosserien und durstige Motoren sorgten für ein denkbar schlechtes Image in der Ölkrise. Die Rettung der Marke setzte denn auch bei den größten Schwächen an. Es war Ferdinand Piëch, der mit Innovationen das Image drehte. Mit dem allradgetriebenen Audi Quattro setzten die Ingolstädter einen Meilenstein in der Autogeschichte. Quelle: gms
Audi führte mit Aluminium erstmals einen leichten, nicht rostenden Werkstoff in der Autoindustrie ein. Direkteinspritzende Motoren sorgten für bislang nicht gekannte Verbrauchswerte in der Branche. Piëchs Nachfolger Martin Winterkorn setzte die Erfolgsgeschichte fort. Designikonen wie der Audi TT ebneten den Weg in die Oberklasse, die sachliche Eleganz zieht ganz neue Zielgruppen an. Heute ist aus dem einstigen Mauerblümchen der Industrie eine begehrte Marke geworden, mit der sowohl die Kanzlerin als auch das britische Königshaus gerne vorfährt. In Ingolstadt sprudeln die Gewinne. Und seit dem vergangenen Jahr verkauft Audi mehr Autos als Mercedes. Quelle: Reuters
Als Lou Gerstner 1993 den Chefposten bei IBM übernahm, befand sich der einst so erfolgsverwöhnte Computerkonzern in einer ernsthaften Krise. Viele Kunden hatten sich abgewandt, da das US-Unternehmen falsch auf neue Trends reagiert hatte. Zu lange hatte der Konzern auf Großrechner gesetzt, zu spät auf die Konkurrenz im PC-Bereich reagiert. Nach einem Verlust von acht Milliarden Dollar sahen viele Experten nur noch einen Ausweg - die Zerschlagung. Quelle: AFP

Wenn es nur ein Produkt wäre, dann könnte man das so sehen. Aber wir reden über eine neue Plattform, die uns komplett neues Geschäft bescheren soll. Und der Entwicklungsaufwand dahinter bedeutet eben einen enormen Aufwand. Bin ich enttäuscht, dass wir unseren Zeitplan nicht halten konnten? Ja, bin ich. Mir war aber wichtig, dass wir eine Plattform bauen, die qualitativ hochwertig ist. Zudem glaube ich nicht, dass bei der Einführung einer komplett neuen Plattform für das mobile Computing zwei Monate letztlich kriegsentscheidend sind.

Im Mobilgeschäft konkurrieren mit Apple iOS, Google Android und Microsoft Windows Phone bereits drei Ökosysteme miteinander. Wie wollen Sie mit Blackberry 10 das Schicksal von Palm vermeiden, deren seinerzeit neu entwickelte Plattform WebOS zwar hochgelobt war, die aber letztlich zu spät kam?

Ich denke, dass wir da einen besseren Startpunkt haben, weil wir eine relativ starke, loyale Kundenbasis haben – das auch und gerade im Unternehmensbereich mit unserer eigenen sicheren Infrastruktur. Wir müssen uns also nicht eine neue Basis komplett von Grund auf neu erschaffen – das ist ein wichtiger Vorteil. Im Endkundenbereich gebe ich Ihnen Recht, dass das ein harter Kampf wird, um gegen die von Ihnen angeführten Wettbewerber anzutreten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%