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Research in Motion Todesspirale oder nur ein Abwärtstrend?

Thorsten Heins, Chef von Research in Motion, sieht den Blackberry-Hersteller trotz aller Probleme nicht dem Untergang geweiht. Zudem erteilt erteilt er im Interview einem Wechsel auf ein mobiles Betriebssystem von Google oder Microsoft eine Absage.

RIM-Chef Thorsten Heins gibt zu, dass auf das Unternehmen eine schwere Zeit zukommt - Aber noch sieht er nicht alles verloren Quelle: REUTERS

Nach den jüngsten, dramatisch schlecht ausgefallenen Quartalszahlen des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) habe ich unter der zugegebenermaßen reißerischen Überschrift “Eine tickende Zeitbombe – die jetzt explodiert ist” die schwierige Situation der Kanadier hier im Blog näher beleuchtet. Denn im Prinzip hat RIM bis heute keine Antwort auf die Einführung des iPhones vor fünf Jahren gefunden – entsprechend hat die Aktien in jenem Zeitraum um 89 Prozent an Wert verloren.

Das freilich wollte der 54-jährige Deutsche, der seit Januar dieses Jahres als Vorstandschef an der Spitze von RIM steht, so nicht unkommentiert stehen lassen. Ende vergangener Woche habe ich daher ein Interview mit Heins führen können, um seine Sicht der Dinge zum Zustand des Unternehmens und zu seinen Plänen in den kommenden Monaten zu erfahren. Im Folgenden der Wortlaut unseres Gesprächs:

WirtschaftsWoche: Herr Heins, RIM hat das zweite Quartal in Folge rote Zahlen geschrieben, der Umsatz ist allein im jüngsten Quartal um mehr als 40 Prozent eingebrochen, der Marktanteil bei Smartphones im freien Fall – laut Ihrer Aussage befinde sich RIM dennoch nicht in einer „Todesspirale“. In was dann?

Ich bezeichne unseren Zustand als eine massive Übergangssituation, durch die das Unternehmen gerade hindurch geht. Man baut ja nicht jedes Jahr eine neue Plattform. Wir wollen mit Blackberry 10 eine Plattform für mobile Computing in den kommenden Jahren schaffen – das ist eben eine andere Herausforderung als ein Upgrade von Version 6 auf Version 7. Wir können damit künftig nicht nur Smartphones, sondern auch Tablets bauen und RIM in neue Geschäftsfelder wie Connected Cars oder Maschine-zu-Maschine-Kommunikation zu führen. Das werden wichtige Themen in den nächsten zehn Jahren. Daher haben wir uns entschieden, die Firma durch diese Übergangsphase hindurchzuführen, um dann in diesen Märkten partizipieren zu können.

An welchen Baustellen Blackberry gescheitert ist
Blackberry macht eine überraschende Kehrtwende im Überlebenskampf: Der notleidende Smartphone-Pionier hat seinen geplanten Verkauf am 4. November 2011 abgesagt, Konzernchef Thorsten Heins geht. Geldgeber um die kanadische Finanzfirma Fairfax Financial wollen nun eine Milliarde Dollar in das Unternehmen stecken, statt es wie ursprünglich geplant zu übernehmen. Der aus Deutschland stammende Heins nimmt seinen Hut, sobald die Finanzspritze eingegangen ist. Quelle: dpa
Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten im August selbst zum Verkauf gestellt. Fairfax Financial hatte bereits den grundsätzlichen Zuschlag für 4,7 Milliarden Dollar erhalten. Doch in den ersten Novembertagen mehrten sich die Anzeichen, dass die Finanzfirma das Geld für eine komplette Übernahme nicht zusammenbekommt. Auch die beiden Blackberry-Mitgründer Michael Lazaridis und Doug Fregin arbeiteten im Hintergrund an einem Gebot. Blackberry soll dem „Wall Street Journal“ zufolge sogar mit dem Online-Netzwerk Facebook gesprochen haben. Dagegen hätten der Software-Riese Oracle und das Karriere-Netzwerk LinkedIn sich gar nicht erst auf ein Treffen eingelassen. Quelle: REUTERS
Als RIM-Chef Thorsten Heins im Januar 2012 den Chefposten bei Blackberry übernahm, war der Konzern bereits in einem schlechten Zustand. Die Aktie hatte 2011 drei Viertel ihres Werts verloren, die Marktanteile waren rapide gesunken, der Konzern hatte hohe Verluste eingefahren. Quelle: REUTERS
Gründe gab es dafür viele. Der wohl schwerwiegendste Fehler geht auf das Konto von Gründer Mike Lazaridis und seinem Partner Jim Balsillie, der 1992 zu Blackberry kam. Beide hatten die Konkurrenz völlig unterschätzt. Als 2007 Apple mit dem iPhone auf den Markt kam, konnten sich die beiden Manager nicht vorstellen, dass sich tastenlose Handys mit großem Display durchsetzen würden. Quelle: REUTERS
Vielleicht waren die Blackberry-Chefs zu geblendet vom Coolness-Faktor, den Blackberry jahrelang zweifellos hatte. In der Welt der Nadelstreifen, als ein Mobilfunkvertrag noch etwas Elitäres war und sich teure Datenverträge ohnehin nur Manager leisten konnten, die vor dem Einstieg in den Privatjet schnell noch mal die E-Mails checkten, war Blackberry das Kommunikationsgerät schlechthin. Doch... Quelle: dapd
.... mit Aufkommen des iPhones (im Bild ist das neue iPhone 5s zu sehen) wollten auch Privatnutzer ein Smartphone - zum Musikhören, Fotos machen und im Internet surfen. Blackberry verpasste die veränderten Nutzergewohnheiten. Die Verbraucher brachten deshalb lieber ihr neues Spielzeug, das iPhone, mit ins Büro. Am Ende musste RIM dann neben Apple auch noch Android-Geräte vorbeiziehen lassen. Auch beim Design verlor RIM in dieser Zeit den Anschluss. Quelle: AP
Nächste große Panne: Beim Thema Apps zögerte RIM viel zu lange. Der Einstieg in den Markt für Software-Apps erfolgte erst spät mit der fünften Version des Betriebssystems. Die Vielfalt der Blackberry-Modelle mit und ohne Tastatur und verschiedenen Bildschirmgrößen macht es für Software-Hersteller zudem extrem kompliziert, für Blackberry zu programmieren. Quelle: REUTERS

Dennoch: Ihre aktuellen Zahlen mit dem eindeutigen Abwärtstrend sehen schon eher nach Todesspirale aus.

Dass der aktuelle Übergang extrem herausfordernd für unsere Firma und alle Mitarbeiter, aber auch für unsere Kunden ist, leugne ich nicht. Als Todesspirale bewerte ich die Situation trotzdem nicht; die würde ich dann sehen, wenn ich auf dem aktuellen Blackberry-Betriebssystem die nächsten zehn Jahre gestalten müsste. Dann wäre ich besorgt über die Zukunft der Firma. Ja, die nächsten Quartale werden eine Herausforderung für das Unternehmen – aber ich bin auch sicher, dass wir da durchkommen werden.

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