Rocket Internet Olis Einhorn-Zucht schwächelt

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Kreditzinsen auf Disponiveau für Hello Fresh


Auch bei Hello Fresh, dem zweiten Börsenkandidaten im Rocket-Reich, sind 2017 keine Gewinne in Sicht. „Auf Gruppenebene wird das Unternehmen weiter stark in Wachstum und Marketing investieren, wodurch das operative Ergebnis weiterhin negativ bleiben wird“, heißt es in einem internen Papier, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Hello-Fresh-Chef Dominik Richter bestätigte das. Sein Unternehmen sei „weiterhin im Investitionsmodus“, so Richter. Auch Informationen über einen hochverzinsten Kredit von Rocket Internet an Hello Fresh bezeichnete Richter als „korrekt“.

Demnach hat das Berliner Start-up, an dem Rocket Internet 53 Prozent der Anteile hält, im April 2016 ein Gesellschafterdarlehen von Rocket Internet erhalten. Die zugesagte Kreditsumme beträgt 50 Millionen Euro, wovon bereits die Hälfte abgerufen wurde. „Die Laufzeit des Gesellschafterdarlehens beträgt drei Jahre“, heißt es in internen Unterlagen, und es „wird jährlich mit elf Prozent verzinst“.

Kreditzinsen auf Disponiveau? Rocket Internet schweigt dazu. Hello-Fresh-Chef Richter sieht es schon als „starkes Zeichen für die Robustheit unseres Geschäftsmodells“, dass überhaupt Kredite bewilligt wurden. Investoren dürften den Zinssatz wohl eher als Beleg für die Risiken bei Hello Fresh werten. Zumal künftig auch Player wie Amazon oder der Supermarktkonzern Rewe in den Markt für einkaufsmüde Hobbyköche vorpreschen und für Konkurrenz sorgen könnten.

Doch lässt sich Samwer davon abschrecken? Auch für ihn steht viel auf dem Spiel. Schließlich hat er seinen Aktionären versprochen, 2017 zumindest eine Beteiligung an die Börse zu bringen, sofern der Aktienmarkt mitspielt. Ein weiterer Vertrauensverlust wäre verheerend. Sein Image als erfolgreicher Internetunternehmer ist ohnehin angekratzt, der Mythos von Rocket Internet als Zentrum der deutschen Netzwirtschaft verblasst.

„Rocket startet ein neues Start-up, drängt damit erratisch in alle nur denkbare Richtungen, stellt eine riesige Zahl von Leuten ein und gibt gigantische Summe Geld aus, um Traktion zu gewinnen – das nennen sie dann operative Exzellenz“, ätzte Christoph Gerber, Mitgründer des Essenslieferdienst Lieferando, Rivale von Delivery Hero, schon im vergangenen Jahr in einem Blog-Beitrag.

Tatsächlich hat der klassische Inkubatorenansatz – also das Kopieren, Verfeinern und internationale Ausrollen von Online-Geschäftsmodellen – viel von seinem ursprünglichen Charme verloren. Zum einen, weil aussichtsreiche Start-ups zunehmend selbst und mit höherem Tempo die Expansion forcieren. Zum anderen ist die Expertise über Erfolgsfaktoren wie Suchmaschinenmarketing oder eine einheitliche Software für Online-Shops inzwischen weitaus breiter verfügbar. Hinzu kommt, dass im Zeitalter von virtueller Realität und künstlicher Intelligenz viel stärker technologisch getriebene Ideen gefragt sind, bei denen Rocket Internet kaum mithalten kann.

Schon seit geraumer Zeit baut Samwer sein Unternehmen daher um: Weg von der reinen Start-up-Fabrik, stärker hin zu einer Beteiligungsgesellschaft mit Inkubator-Know-how. Unter anderem dafür hat Samwer seit Mitte 2015 in mehreren Schritten bis Anfang dieses Jahres insgesamt eine Milliarde Euro im Rocket Internet Capital Partners Fund eingesammelt.

Die reichsten Medienunternehmer Deutschlands

Der Fund soll Rocket-Investments begleiten – und belegt den Strategieschwenk weg vom Inkubator genannten Brutkasten für Startups hin zum Risikokapitalgeber. „Rocket macht weiter beides: Start-ups von Grund auf selber aufbauen wie auch in erfolgversprechende Unternehmen investieren“, sagte Finanzvorstand Peter Kimpel der WirtschaftsWoche.

Auf der DLD-Konferenz wurde Samwer deutlicher: „Den Geldgebern ist es egal, wie sie ihr Geld verdienen.“ Hauptsache Samwer liefert.

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