WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Salesforce-Präsident Keith Block „Wir wollen SAP überholen“

Bei Unternehmenssoftware ist SAP Weltmarktführer. Die US-Softwareschmiede Salesforce will aber den Konzern aus Walldorf überholen und zum Primus in der Cloud aufsteigen.

Der Salesforce-Präsident, Keith Block, will SAP überholen. Quelle: Jamie Takanaka für WirtschaftsWoche

Mr. Block, Sie sind gerade unter die zehn größten Softwarehäuser der Welt vorgestoßen. Wo wollen Sie hin?

Ganz klar, wir konzentrieren uns ganz darauf, SAP aus Deutschland zu überholen.

Wieso nicht erst einmal ihren langjährigen Arbeitgeber und SAP-Rivalen Oracle?

Natürlich wollen wir am Ende alle überholen und zum größten Softwareunternehmen der Welt aufsteigen. (Lacht.) SAP ist derzeit Marktführer bei Anwendungssoftware für Unternehmen, also unserem Kernmarkt. Da ist es doch klar, dass wir uns konkret SAP vornehmen.

Zur Person

Wie wollen Sie das schaffen, obwohl SAP fast fünfmal so viel Umsatz macht?

Unter anderem mit internationaler Expansion. Wir investieren kräftig in Europa. Deutschland ist dabei besonders wichtig. Wir bauen unsere Niederlassung in München aus, haben gerade ein zusätzliches Büro in Berlin eröffnet und stellen Mitarbeiter ein. Im Geschäftsjahr 2015 wollen wir in Europa rund 500 neue Stellen schaffen. Wir erhoffen uns hier viel von unserer Partnerschaft mit der Deutschen Telekom. Wir werden die Rechenkapazitäten ihrer IT-Tochter T-Systems nutzen und über sie unsere Angebote im deutschsprachigen Raum vertreiben.

Die größten Softwarehersteller der Welt
Platz 10: Salesforce.comCEO Marc R. Benioff schafft es mit Salesforce gerade eben in die Top Ten der umsatzstärksten Softwareunternehmen. Die Firma setzte 2013 3,8 Milliarden Dollar mit Software um. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 33,3 Prozent und macht das Unternehmen zum wachstumsstärksten innerhalb der Top Ten - damit ging es um zwei Plätze nach oben. Salesforce.com bezeichnet sich selbst als Pionier für Cloud Computing im Bereich Geschäftsanwendungen und wirbt damit, dass Unternehmen so die Kosten etwa für Hardware und IT-Management reduzieren können. Salesforce.com wurde 1999 aus der Wiege gehoben und sitzt in München, Düsseldorf und Darmstadt. Datenquelle: Erhebung der Umsatzzahlen von Gartner Quelle: REUTERS
Platz 9: CA TechnologiesEinen Platz abwärts ging es für CA Technologies. Mit 4,2 Milliarden Dollar Umsatz mit Software-Verkäufen 2013 liegt die Wachstumsrate bei -2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen bietet IT-Management-Software und -Lösungen an. Rund 14.000 Mitarbeiter sind bei CA angestellt, davon 5300 Entwickler. Gegründet wurde CA 1976 und hat heute 150 Niederlassungen in mehr als 45 Ländern. Neben Unternehmen zählt CA Technologies auch Behörden und Bildungseinrichtungen zu seinen Kunden. Quelle: Gemeinfrei
Platz 8: VMwareMit einer Wachstumsrate von 14,1 Prozent im Vergleich zu 2012 ging es für VMware um einen Rang nach oben. 2013 machte die Firma 4,8 Milliarden Dollar Umsatz mit Software. Im Bild: Der Vorstandsvorsitzende Pat Gelsinger, der 2012 zum Unternehmen stieß. VMware ist ein amerikanisches Unternehmen, das Software im Bereich der Virtualisierung entwickelt. Gegründet wurde es 1998, heute arbeiten rund 13.000 Menschen bei VMware. Die Firma mit Sitz in Palo Alto ist international aktiv. Das bekannteste Produkt ist VMware Workstation, das mehrere parallel laufende Betriebssysteme (Windows, Linux und andere) auf einem Rechner ermöglicht. Quelle: dpa
Platz 7: Hewlett-PackardKonstant auf Rang sieben kann sich HP halten. Mit 4,9 Milliarden Dollar Software-Umsatz sank die Wachstumsrate leicht um -2,7 Prozent. Der 1939 gegründete und weltweit tätige Konzern beschäftigt rund 317.500 Mitarbeiter und sitzt in Palo Alto. Es ist eines der größten US-Technologieunternehmen und war einst das erste seiner Art im Silicon Valley. Die Produktpalette reicht von Softwarelösungen über Server bis zu Notebooks. Quelle: AP
Platz 6: EMCEbenfalls auf dem gleichen Platz wie im Vorjahr bleibt EMC. Das Unternehmen legte eine Wachstumsrate von 4,9 Prozent im Vergleich zu 2012 hin und kam 2013 auf einen Umsatz von 5,6 Milliarden Dollar mit Software-Verkäufen. Der IT-Konzern setzt auf Cloud Computing und unterstützt nach eigenen Angaben andere Firmen dabei, ihre Informationen zu speichern, zu managen, zu schützen und zu analysieren. EMC ist in mehr als 100 Ländern und quer durch alle Branchen aktiv. Weltweit beschäftigt EMC etwa 60.000 Mitarbeiter und hat 400 Vertriebsniederlassungen. Quelle: AP
Platz 5: SymantecStabiler Software-Umsatz auch beim fünftplatzierten Symantec. Wie im Vorjahr machte das US-Unternehmen 6,4 Milliarden Dollar. Im Bild: Symantec-CEO Steve Bennett. Die Firma wurde 1982 gegründet und sitzt in Mountain View in der Nähe des Silicon Valley. Nach eigenen Angaben betreibt Symantec Niederlassungen in 40 Ländern und beschäftigt rund 18.500 Mitarbeiter. Das bekannteste Produkt der Firma ist wohl das Anti-Viren-Programm Norton AntiVirus. Quelle: REUTERS
Platz 4: SAPDas deutsche Unternehmen steht wie 2012 auf Rang vier, verzeichnete aber eine Wachstumsrate von 9,5 Prozent. 18,5 Milliarden Dollar Umsatz machte der Konzern 2013 mit seinen Software-Produkten. 1972 gegründet und mit Sitz in Walldorf beschäftigt SAP heute rund 65.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen macht Software für die Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse (Buchführung, Vertrieb, Lagerhaltung etc.). Quelle: dpa

Wer sollte denn statt zu SAP zu einem viel kleineren US-Anbieter gehen?

Wir denken, dass gerade der deutsche Mittelstand, der ja besonders flexibel im weltweiten Wettbewerb sein muss, ein riesiges Potenzial für unsere moderne Anwendungssoftware bietet...

...ein Potenzial, das SAP auch – lange vergeblich – zu heben versucht.

Ich sage nicht, dass es leicht wird. Wir wissen, wie wichtig es ist, eine lokale Präsenz zu haben, also wie ein deutsches Unternehmen zu agieren. SAP ist ein großartiges Unternehmen, fußt aber auf traditioneller Unternehmenssoftware, die vor Ort installiert wird. Der Trend geht eindeutig zum Cloud-Computing, also zur Software aus dem Internet, die sich schneller und flexibler an den Kunden bringen lässt. Wir sind der Pionier. Das ist unser Wettbewerbsvorteil.

Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

SAP hat US-Cloud-Anbieter wie zuletzt für 8,3 Milliarden Euro den Reisesoftwareanbieter Concur gekauft. Glauben Sie SAP-Chef Bill McDermott nicht, dass er weltweit die meisten Cloud-Kunden hat?

SAP macht noch immer das Gros des Umsatzes mit traditioneller Software. Ich denke, dass die meisten Leute wissen, dass Salesforce das größte Cloud-Softwareunternehmen der Welt ist. Das zeigen die Zahlen des US-Marktforschungsunternehmens Gartner. Wir treiben die Bugwelle im Markt. Ein Unternehmen, das sein Geschäft ausweitet oder neu organisiert, baut nicht mehr eigene Datencenter aus, sondern setzt auf die Cloud. Deshalb wächst Salesforce um mehr als 30 Prozent im Jahr.

Sind nicht nach den Enthüllungen von Edward Snowden über die Spionagepraktiken der US-Regierung immer mehr Unternehmen und Verbraucher gegen die Auslagerung ihrer Daten in die Cloud?

Damit haben wir nichts zu tun. Ich verstehe die Reaktionen. Aber wir tun alles, um das Vertrauen der Kunden sicherzustellen. Es ist unsere Geschäftsgrundlage.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Wo liegen die Daten der deutschen Salesforce-Kunden?

Nach den Grundsätzen des Safe-Harbor-Abkommens mit der EU, das das Übertragen personenbezogener Daten in die USA regelt, liegen diese Daten in den USA. In diesem Monat eröffnen wir allerdings unser erstes europäisches Rechenzentrum in Großbritannien. Deutsche Kunden können sich dann auch für die dortige Speicherung entscheiden. Uns ist wichtig, dass unsere Kunden entscheiden können. Deshalb bauen wir gerade in Kooperation mit der Deutschen Telekom ein Rechenzentrum in Deutschland auf, das voraussichtlich 2015 in Betrieb geht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%