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SAP und NSA Walldorfer Softwarekonzern spielt Zusammenarbeit herunter

SAP wiegelt ab: US-Geheimdienste seien genauso Kunden wie andere amerikanische Regierungsorganisationen. Und jeder Kunde entscheide selber, wofür er die SAP-Software einsetze.

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Schild "Bundesnachrichtendienst" Quelle: AP
Schilder US. Cyber Command, National Security Agency, Central Security Service Quelle: dpa
Ein Mann mit Fotoapparat Quelle: Fotolia
Kabel Quelle: dpa
Eine Frau telefoniert mit einem Telefon Quelle: obs
Ein E-Mail-Symbol Quelle: dpa
Bildcollage zum Thema Telekommunikation Quelle: dpa

Auf den ersten Blick klang es nach einem Paukenschlag: „SAP arbeitet für die NSA“, so die Schlagzeile eines Artikels bei "Zeit" Online. „US-Geheimdienste sind gute Kunden von SAP“, so der am gestrigen Abend im ARD-Magazin „Fakt“ gesendete Fernsehbeitrag (hier in der Mediathek abrufbar).

Der Tenor beider Beiträge: Der Softwarekonzern aus dem nordbadischen Städtchen Walldorf, Weltmarkführer für Unternehmenssoftware und eine der wenigen IT-Ikonen aus Deutschland, sei wichtiger Lieferant für NSA und CIA. Insbesondere auf die Hochleistungsdatenbank Hana, die blitzschnelle Analysen gigantischer Datenmengen ermöglicht, hätten es beide abgesehen.

Die Entwicklung von SAP

Auf Anfrage der „WirtschaftsWoche“ leugnet SAP nicht, die US-Geheimdienste als Kunden zu haben –so wie viele andere amerikanische Regierungsorganisation auch. „Was unsere Kunden genau mit der SAP-Software anstellen – ob sie etwa Datenanalysen für militärische Zwecke oder zum Spionieren durchführen – obliegt nicht unserer Kontrolle“, sagt ein SAP-Sprecher. Wenn ein Terrorist ein Office-Programm auf seinem Laptop nutze, dann bedeute das ja auch nicht, dass Microsoft ein Unterstützer von Terrorismus sei.

Auch den Tenor der Beiträge spielen die Walldorfer herunter: Laut „Zeit“ habe SAP die US-Geheimdienste sogar gezielt durch Firmenzukäufe als Kunden gewonnen. Als Beispiel zitiert die Geschichte die Übernahme des amerikanischen Datenbank-Anbieters Sybase im Mai 2010. Denn die NSA sei der wichtigste Regierungskunde von Sybase. „Das war irgendwann mal so“, konstatiert der Sprecher. Doch der Hauptfokus bei der Übernahme sei die Mobiltechnologie von Sybase gewesen. In der Tat basiert die komplette Mobilsoftware von SAP auf der Sybase-Übernahme. Die seinerzeit ebenfalls miterworbenen Sybase-Datenbanken werden zwar noch verkauft, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle. Die Vorzeige-Datenbank Hana basiert hingegen auf einer Eigenentwicklung.

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Laut SAP kämen Geschichten über eine Zusammenarbeit mit Geheimdiensten immer wieder mal hoch. „Genauso gut könnte man auch hervorheben, dass der Bundesnachrichtendienst Kunde von Oracle ist“, so der SAP-Sprecher.

Immerhin – einen positiven Aspekt können die Walldorfer der aktuellen Berichterstattung sogar abgewinnen: So betonten die Autoren der „Zeit“ explizit, die SAP-Software sei für NSA und CIA vor allem deshalb interessant, weil das Software-System „die derzeit schnellste Datenverarbeitung überhaupt“ ermögliche. „Endlich schreibt das mal einer“, so der SAP-Sprecher schmunzelnd.

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