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Satya Nadella in Berlin Microsoft geht in die deutsche Wolke

Deutsche Unternehmen fordern schon lange einen besseren Schutz ihrer Daten im Netz. Nun startet Microsoft mit der Deutschen Telekom ein ungewöhnliches Cloud-Angebot - ohne selbst auf Kundendaten zugreifen zu können.

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Microsoft-Chef Satya Nadella spricht am 11. November auf einer Präsentation zur neuen Cloud-Strategie in der Hauptstadtrepräsentanz von Microsoft Deutschland in Berlin. Quelle: dpa

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, da enttäuschte Satya Nadella als neuer Microsoft-Chef beim Antrittsbesuch in die deutsche Hauptstadt. Denn viel zu sagen hatte er damals – zumindest öffentlich – nicht. Vor Studenten der TU Berlin beantwortete der heute 48-Jährige ein paar vorab eingereichte Fragen, warb für die Karriere beim Software-Riesen aus Redmond, und erging sich in Smalltalk mit dem TU-Professor und Informatik-Experten Manfred Hauswirth.

Wer vor Jahresfrist auf Einsichten in Nadellas strategische Pläne gehofft hatte, blieb ratlos zurück.

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    Ganz anders dieses Jahr, als Nadella am Mittwochmorgen in die Hauptstadtrepräsentanz des US-Konzerns nach Berlin geladen hat: Zwar verkündet der Spitzenmanager aus Redmond keine Kehrtwende seiner „Mobile first, Cloud first“-Strategie. Aber an einer ziemlich entscheidenden Stelle modifiziert Nadella seine Pläne fürs Geschäft mit der Datenwolke dann doch.

    Alle Kundendaten liegen in Deutschland

    Während Microsoft nämlich seine cloud-basierten Dienste für Unternehmen – Rechenzentrumsleistungen, web-basiertes Kundenmanagement oder das Angebot, Office-Programme übers Netz zu nutzen – bisher weltweit aus eigenen Rechenzentren anbietet, wählt Nadella in Deutschland künftig einen Sonderweg.

    Ab dem zweiten Quartal 2016 können Unternehmen mit Sitz in Deutschland, der EU oder der europäischen Freihandelszone EFTA auch Cloud-Dienste „Made in Germany“ buchen. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom wird Microsoft seine Internet-basierenden Angebote für Firmenkunden - Office 365, Azure und CRM-Online - auch aus zwei rein deutschen Rechenzentren offerieren, einem in Frankfurt und einem in Magdeburg.

    Die Telekom-Tochter T-Systems soll dabei zwischen den Amerikanern und ihren europäischen Kunden als sogenannter „Datentreuhänder“ fungieren. „Alle Daten liegen auf deutschem Boden und unter der Kontrolle der Deutschen Telekom“, verspricht der Microsoft-Chef.

    "Insbesondere Unternehmen, die mit sensiblen Daten arbeiten oder einfach nur auf einer sicheren Seite sein wollen, bekommen dadurch eine neue Cloud-Option", sagt Axel Oppermann, Analyst beim Beratungsunternehmen Avispador, zu Nadellas neuer Offerte. Profitieren könnten davon unter anderem Steuerberater, Anwälte oder mittelständische Unternehmen aus Deutschland oder die vorwiegend auf dem deutschen Markt tätig sind, so der IT-Experte.

    Späte Erkenntnis bei Microsoft

    Der Gang in die deutsche Wolke folgt der überfälligen Einsicht, dass deutsche Unternehmen offenbar merklich sensibler als andere europäische Firmenkunden auf die Frage reagieren, wer ihre Daten im Netz verwaltet und vor allem wo. Laut dem im Frühjahr veröffentlichten Cloud Monitor 2015 des IT-Branchenverbandes Bitkom erwarten immerhin 83 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, dass das von ihnen genutzte Rechenzentrum „ausschließlich in Deutschland“ liegt.

    Eine Erwartung, der andere Anbieter von Cloud-Angeboten längst Rechnung getragen haben: Ob Amazon, Oracle, IBM oder VMWare – immer mehr amerikanische IT-Anbieter betreiben inzwischen eigene Rechenzentren in Deutschland. Als einer der letzten Branchenriesen hatte Amazon mit seinem Cloud-Ableger AWS im Oktober 2014 einen Standort in Frankfurt eröffnet.

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      Einer aber fehlte: Microsoft. Der Riese aus Redmond setzte lange darauf, dass sich am Ende wohl auch die deutsche Kundschaft damit zufrieden geben würde, wenn die Web-Dienste auf Computern in den europäischen Rechenzentren in Dublin oder Amsterdam laufen und dort auch ihre Kundendaten lagern.

      Know-how aus dem US-Regierungsnetz

      Sie tun es offensichtlich nicht. Und so macht Nadella den Unternehmen in Europas wichtigstem IT-Markt ab kommendem Frühjahr eine Offerte, die es in ähnlicher Ausprägung bisher weltweit nur in zwei anderen Fällen gibt: Bei Microsofts Cloud-Diensten für China, und dem Microsoft-Service für das Regierungsnetz der Vereinigten Staaten, die „US-Government-Cloud“.

      Zwar unterscheiden sich die drei Sonderfälle in ihrer jeweiligen Ausprägung. Aber an einer entscheidenden Stelle verbindet die künftige deutsche Microsoft-Cloud eine markante Eigenart von allen anderen Business-Cloud-Angeboten in der IT-Welt des Windows-Konzerns. Nadella gibt die Kontrolle der eigenen Services aus dem Haus. Die Telekom wird als externer Dienstleister sowohl die Microsoft-Dienste betreiben, als auch den Kunden als rein deutsches Unternehmen den Zugriff auf ihre Datenbestände ermöglichen.

      IT



      Ohne Zustimmung der Kunden und der Telekom-Administratoren, so versichern die beiden Unternehmen, heißt es für die Softwerker aus Redmond „Wir müssen leider draußen bleiben!“

      Ob das rechtliche Konstrukt tatsächlich wirksam mindestens gegen gerichtlich angeordnete Zugriffe von US-Ermittlern schützt "das werden wohl erst die ersten juristischen Scharmützel zeigen", zeigt sich Paul Miller, Cloud-Experte beim IT-Beratungshaus Forrester eher gebremst optimistisch. Und dass weder der Speicherort noch der Betreiber am Ende wirksam gegen den Zugriff durch staatliche Schnüffler schützen, können ohnehin weder Microsoft noch die Telekom garantieren.

      Aber zumindest unterliegen Microsofts „deutsche“ Cloud-Angebote unter dem Dach des Treuhänders Telekom künftig ausschließlich deutschem Recht und deutschen Datenschutzvorgaben. Und das ist – bei Nadellas zweitem offiziellem Berlin-Besuch – tatsächlich eine Neuigkeit mit Tragweite.

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