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Satya Nadella in Berlin Microsoft geht in die deutsche Wolke

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Späte Erkenntnis bei Microsoft

Der Gang in die deutsche Wolke folgt der überfälligen Einsicht, dass deutsche Unternehmen offenbar merklich sensibler als andere europäische Firmenkunden auf die Frage reagieren, wer ihre Daten im Netz verwaltet und vor allem wo. Laut dem im Frühjahr veröffentlichten Cloud Monitor 2015 des IT-Branchenverbandes Bitkom erwarten immerhin 83 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, dass das von ihnen genutzte Rechenzentrum „ausschließlich in Deutschland“ liegt.

Eine Erwartung, der andere Anbieter von Cloud-Angeboten längst Rechnung getragen haben: Ob Amazon, Oracle, IBM oder VMWare – immer mehr amerikanische IT-Anbieter betreiben inzwischen eigene Rechenzentren in Deutschland. Als einer der letzten Branchenriesen hatte Amazon mit seinem Cloud-Ableger AWS im Oktober 2014 einen Standort in Frankfurt eröffnet.

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    Einer aber fehlte: Microsoft. Der Riese aus Redmond setzte lange darauf, dass sich am Ende wohl auch die deutsche Kundschaft damit zufrieden geben würde, wenn die Web-Dienste auf Computern in den europäischen Rechenzentren in Dublin oder Amsterdam laufen und dort auch ihre Kundendaten lagern.

    Know-how aus dem US-Regierungsnetz

    Sie tun es offensichtlich nicht. Und so macht Nadella den Unternehmen in Europas wichtigstem IT-Markt ab kommendem Frühjahr eine Offerte, die es in ähnlicher Ausprägung bisher weltweit nur in zwei anderen Fällen gibt: Bei Microsofts Cloud-Diensten für China, und dem Microsoft-Service für das Regierungsnetz der Vereinigten Staaten, die „US-Government-Cloud“.

    Zwar unterscheiden sich die drei Sonderfälle in ihrer jeweiligen Ausprägung. Aber an einer entscheidenden Stelle verbindet die künftige deutsche Microsoft-Cloud eine markante Eigenart von allen anderen Business-Cloud-Angeboten in der IT-Welt des Windows-Konzerns. Nadella gibt die Kontrolle der eigenen Services aus dem Haus. Die Telekom wird als externer Dienstleister sowohl die Microsoft-Dienste betreiben, als auch den Kunden als rein deutsches Unternehmen den Zugriff auf ihre Datenbestände ermöglichen.

    IT



    Ohne Zustimmung der Kunden und der Telekom-Administratoren, so versichern die beiden Unternehmen, heißt es für die Softwerker aus Redmond „Wir müssen leider draußen bleiben!“

    Ob das rechtliche Konstrukt tatsächlich wirksam mindestens gegen gerichtlich angeordnete Zugriffe von US-Ermittlern schützt "das werden wohl erst die ersten juristischen Scharmützel zeigen", zeigt sich Paul Miller, Cloud-Experte beim IT-Beratungshaus Forrester eher gebremst optimistisch. Und dass weder der Speicherort noch der Betreiber am Ende wirksam gegen den Zugriff durch staatliche Schnüffler schützen, können ohnehin weder Microsoft noch die Telekom garantieren.

    Aber zumindest unterliegen Microsofts „deutsche“ Cloud-Angebote unter dem Dach des Treuhänders Telekom künftig ausschließlich deutschem Recht und deutschen Datenschutzvorgaben. Und das ist – bei Nadellas zweitem offiziellem Berlin-Besuch – tatsächlich eine Neuigkeit mit Tragweite.

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