Schlappe für US-Regierung Fusion von AT&T und Time Warner doch gebilligt

Im Oktober 2016 wurde der Übernahmedeal des Medienkonzerns Time Warner durch den Telekomriesen AT&T im Umfang von 85 Milliarden Dollar erstmals bekannt. Quelle: AP

Die geplante Milliardenübernahme von Time Warner durch AT&T hat Signalwirkung für die Unterhaltungsbranche in den USA – und war der Regierung von Donald Trump ein Dorn im Auge. Ein Richter hat nun grünes Licht gegeben.

Die US-Regierung ist mir ihrem Widerstand gegen die milliardenschwere Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den Telekomriesen AT&T vorerst gescheitert: Bundesrichter Richard Leon ließ die Megafusion ohne große Auflagen zu. Das Justizministerium habe nicht hinreichend belegen können, dass der Zusammenschluss zu höheren Preisen führen und Kunden anderweitig schaden könnte, teilte Leon am Dienstag zur Begründung mit. Gegen die Entscheidung kann das Ministerium in Berufung gehen. Doch kündigte es zunächst nur an, die Optionen zu prüfen.

Im Oktober 2016 wurde der Übernahmedeal im Umfang von 85 Milliarden Dollar erstmals bekannt. Doch wandte sich Präsident Donald Trump, damals noch Kandidat, mit dem Argument gegen die Fusion, dass „zu viel Macht in den Händen einiger weniger konzentriert“ würde. Trump liefert er sich zudem eine öffentliche Fehde mit dem zu Time Warner gehörenden Sender CNN, den er als Verbreiter von „Fake News“ sieht. CNN berichtet oft kritisch über Trump und seine Politik.

Der jüngste Richterspruch gilt als eine herbe Niederlage für das Justizministerium, das mit dem Hauptargument einer Schwächung des Wettbewerbs und höheren Preisen für Kunden Klage gegen die Megafusion eingereicht hatte. Bundeskartellanwälte hätten zwar „ihr Bestes versucht“, sagte Richter Leon. Doch seien deren Beweise zu „dünn, als dass sich dieses Gericht hätte darauf verlassen können.“

Die Tops und Flops in Buffetts Portfolio

Neben CNN besitzt Time Warner unter anderem den Pay-TV-Sender HBO („Game of Thrones“) und das weltbekannte Warner Bros. Filmstudio. Der in Dallas ansässige Telekommunikationskonzern AT&T bezeichnete eine Fusion als notwendig in Zeiten, in denen sich immer mehr Kunden Videos auf Smartphones und Tablet-Computern anschauten und weniger Zeit mit traditionellen Liveshows vorm Fernsehbildschirm verbrächten. Der Rechtsberater von AT&T, David McAtee, kündigte an, die Übernahme von Time Warner werde zum 20. Juni unter Dach und Fach gebracht. Die Frist für den endgültigen Abschluss des Deals läuft am 21. Juni aus. Wird der Deal bis dahin nicht festgezurrt, kann sich noch einer der Konzerne von der Fusion zurückziehen. AT&T müsste in diesem Fall eine Loslösungsgebühr von 500 Millionen Dollar zahlen.

Die Entscheidung von Richter Leon könnte aus Sicht von Experten eine gewaltige Sogwirkung in der schnelllebigen US-Unterhaltungsbranche entfalten: Große Kabel- und Telekommunikationsfirmen haben sich bereits mit geplanten Übernahmen von Medienkonzernen in Stellung gebracht, um sich gegen die durch Akteure wie Amazon und Google erwachsene Internetkonkurrenz zu behaupten. In den Startlöchern für mögliche weitere Megafusionen sollen 21st Century Fox und Disney, Verizon und CBS, T-Mobile und Sprint stehen.

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