Schnäppchen-Portal Top-Investoren lassen Groupon fallen

Der einstige Börsenstar Groupon schafft die Wende nicht. Laut "Wall Street Journal" haben mindestens vier Top-Investoren ihre Anteile an dem schwächelnden Schnäppchen-Portal verkauft und stark reduziert. Auch die Zahl der Neukunden flaut massiv ab.

Groupon-Logo Quelle: dapd

Große Investoren, welche noch kurz vor dem Börsengang in das Online-Schnäppchenportal Groupon investiert hatten, verlieren das Vertrauen in das E-Commerce-Unternehmen. Sie sollen deshalb ihre Anteile stark reduziert oder gleich ganz verkauft, und damit kräftig Kasse gemacht haben. Das berichtet das "Wall Street Journal". Bekanntester Aussteiger ist demnach Netscape-Gründer Marc Andreessen. Seine Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz habe kurz nach Ende der Haltefrist Anfang Juni ihren 5,1-Millionen-Aktienanteil verkauft, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Insider. Der Gründer von Netscape soll dabei einen Profit von beinahe 14 Millionen Dollar auf sein ursprüngliches Investment realisiert haben.

Neben Andreessen soll die schwedische Investmentfirma Kinnevik ihre 8,4-Millionen-Aktien abgestoßen haben. Massiv reduziert hat außerdem der Hedge Fund Maverick Capital seine Anteile: von 6,3 auf unter zwei Millionen. Der Investmentfonds-Riese Fidelity Management & Research wiederum hat laut dem Zeitungsbericht etwa ein Drittel seiner Aktien verkauft.

Die größten Versandhändler Deutschlands
Platz 10: Esprit.deDer Online-Shop des Modelabels schafft es in die Top Ten der größten Versandhändler. Die Modekette hatte zuletzt schwer zu kämpfen und befindet sich in einem milliardenschweren Umbau. Die Marke soll neu belebt und Filialen ansprechender gestaltet werden. Umsatz 2012: 327,6 Millionen Quellen: EHI Retail Institute / Statista / Unternehmen / Umsatz geschätzt
Platz 9: Cyberport.deDer 1998 gegründete Onlineshop hat mehr als 40.000 Produkte aus dem Elektronikbereich im Angebot. Zudem verfügt der einstige reine Onlinehändler mittlerweile über mehrere eigene Filialen, unter anderem in Berlin, Köln und Wien. Umsatz: 343,1 Millionen Euro
Platz 8: Bonprix.deDie Otto-Tochter Bonprix ist seit 1986 am Markt. Sie wirbt mit günstigen Preise für junge Mode und spricht in erster Linie Frauen an. Umsatz 2012: 357 Millionen Euro
Platz 7: Tchibo.deFrüher reines Kaffee-Unternehmen, heute eine von Deutschlands größten Einzelhandelsunternehmen. Seine Produkte vertreibt Tchibo sowohl in Supermärkten, als auch in eigenen Läden. Und das Unternehmen verkauft auch im eigenen Online-Shop. Dort gibt es neben Kaffee auch Mode, Reisen und Blumen. Umsatz 2012: 360 Millionen Euro
Platz 6: ConradWerkzeug, TV-Geräte, Glühbirnen - Conrad ist das Technik-Dorado der Schrauber und Bastler. Filialen, Katalog und Onlineportal führen tausende Produkte. Die Conrad-Gruppe geht zurück auf Max Conrad der 1923 das
Platz 5: Weltbild.deWeltbild war von der katholischen Kirche zu einem der größten Buchkonzerne Deutschlands aufgebaut worden und zählte lange zu den umsatzstärksten Versandhändler. Zum Sortiment gehören Bücher und E-Books, Musik und DVDs, Software und Games, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel. Das Unternehmen unterschätzte jedoch das Tempo des digitalen Wandels in der Branche und verlor zusehends an Boden. Der Online-Umsatz brach von geschätzten 1,15 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf knapp 390 Millionen im Jahr 2012 ein. 2014 ging Weltbild in die Insolvenz. Umsatz 2012: 388,9 Millionen Euro Quelle: Screenshot
Platz 4: ZalandoDas Unternehmen gilt als Shooting-Star der Branche. Mit aggressiven Werbe- und Preisstrategien konnte Zalando in den vergangenen Jahren seinen Umsatz deutlich steigern. Allerdings steckt der Versandhändler in den roten Zahlen. Profitabel ist Zalando nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz Umsatz 2012: 411,6 Millionen Quelle: dpa

Anleger zweifeln mittlerweile daran, ob das Geschäftsmodell des Unternehmens dauerhaft funktionieren kann. Zudem gerieten die Verantwortlichen wegen schlampiger Buchführung in die Schlagzeilen, inzwischen musste Groupon seine Bilanzen korrigieren. Dabei klang die Idee so einfach wie genial:

Das amerikanische Internet-Portal, das im November vergangenen Jahres an die Börse ging, bietet Unternehmen an, Gutscheine für ihre Produkte oder Dienstleistungen online zu verkaufen: für eine Massage, eine Autowäsche, eine Reinigung, einen Flammkuchen oder ein Wandtattoo mit der Skyline von Magdeburg. Dazu schließen die Unternehmen mit Groupon einen Vertrag. Interessiert sich eine bestimmte Zahl Konsumenten für einen Gutschein, kommt ein sogenannter Deal zu Stande. Das heißt, Groupon stellt die Gutscheine aus, zieht das Geld dafür bei den Käufern ein und sendet ihnen den Gutschein zu, den sie dann beim Unternehmen einlösen können. Das Unternehmen erhält in der Regel die Hälfte des Gutscheinwerts. Die andere Hälfte behält Groupon als Provision.

Das Unternehmen versucht nun, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten. So gibt es in den USA unter anderem das Angebot Groupon Goods mit Rabatten auf Produkte und eine Plattform, die traditionelle Treuekarten ersetzen soll. Diese Geschäftsbereiche sind aber weniger lukrativ als die Coupons, bei denen Groupon bislang meist die Hälfte des Preises einstreichen konnte.

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