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Schuldenabbau Warum die Telekom plötzlich keine Türme mehr braucht

Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG Quelle: dpa Picture-Alliance

Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges will seine Funkturm-Sparte endlich verkaufen. Lange hielt er sie als Trumpf in der Hinterhand – nun sollen sie ihren Beitrag leisten, die Schulden zurückzuführen.

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„Clean the Garage” – Entrümpeln ist das neue Motto bei der Deutschen Telekom. Beim Kapitalmarkttag kündigte der Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges an, „die Holländer und die Funktürme ins Schaufenster zu stellen“.

Bilanzleser ahnten diesen Schritt schon länger: Praktischerweise sind diese beiden Geschäftsbereiche schon im neugeschaffenen Geschäftsbereich GD Towers zusammengefasst. „Innerhalb kürzester Zeit kann Höttges durch den Verkauf der Funktürme einen Milliardenbetrag aktivieren“, sagt Telekommunikations-Analyst Holger Schmidt vom Bankhaus Metzler. Die GD Towers erwirtschafte mit 800 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 750 Millionen Euro und einen Gewinn von 590 Millionen Euro.

Heißgelaufener Markt

Die Zeit, insbesondere Funktürme an den Mann zu bringen, war nie günstiger: Der Markt für sie leuchtet glühend rot. Investoren reißen sich um sie, denn sie versprechen in Niedrigzinszeiten eine sichere Rendite.

So kaufte der spanische Turmbetreiber Cellnex das Funkturmportfolio des französischen Anbieters Altice für 5,2 Milliarden Euro – vor zwei Jahren noch hatte das amerikanische Private-Equity-Haus KKR 30 Prozent weniger für die ausgegeben. Bieter zahlen heute sogar bis zum 30-Fachen der Gewinne, wie jüngst American Towers für Türme der spanischen Telefónica in Europa und Lateinamerika. Die Vantage Towers zum Beispiel, die gerade erst von Vodafone an die Börse gebracht wurde, hält eine Milliarde Euro in der Hinterhand für genau solche Deals.



Höttges sortierte 2000, als er vom Versorger Viag zur Telekom kam, zunächst die deutschen und niederländischen Funktürme in die Tochter Deutsche Funkturm GmbH um, 2019 wurde die Firma in GD Towers umbenannt. Hier hält die Deutsche Telekom 35000 Türme, die in Deutschland stehen. Die restlichen europäischen Funktürme der Deutschen Telekom, wohl 20.000 Stück, aber stehen weiterhin in den Bilanzen einzelner Tochtergesellschaften.

Lukrative Türme

Je deutschem Turm setzt die Deutsche Telekom schätzungsweise 21.000 Euro um. Die hiesigen Funktürme gelten als besonders profitabel, weil sich hier wesentlich höher Mieten erwirtschaften lassen als etwa im süd- oder osteuropäischen Ausland. Vor allem stößt mit Drillisch bald ein weiterer Mieter an den Markt, wenn die beginnen, ihr 5G-Netz auszubauen.

Schon im Januar diesen Jahres kam bei der Telekom Bewegung in die Sache Funkturm. Da gab der Konzern eine komplexe Umstrukturierung seiner 3150 niederländischen Türme bekannt. Die werden mit den dortigen Türmen des spanischen Turmbetreibers Cellnex zusammengelegt.

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Bei Funkturm-Deals geht es grundsätzlich nur um die passive Infrastruktur – eben die Masten, an denen die Antennen aufgehängt werden. Die Sendeanlagen selbst bleiben bei der Deutschen Telekom. Höttges gibt sich betont gelassen, wenn er über die Funktürme spricht – wohl auch, um nicht als verzweifelter Verkäufer zu erscheinen: „Wir werden strategisch evaluieren, wie wir mit Tower und Holland umgehen. Wir müssen das nicht halten.“ Doch die Schuldenlast drückt den Konzern und könnte Interessenten zum Feilschen animieren: Die Deutsche Telekom steht mit 130 Milliarden Euro in der Kreide – Geld, das vor allem in den USA ausgegeben wurde.

Mehr zum Thema: Die Deutsche Telekom hütet einen Schatz: ihre Funktürme. Doch während die Konkurrenten das Business auslagern, hält der Konzern aus Bonn daran fest. Was hat Telekom-Chef Timotheus Höttges damit vor?

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