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Schwerer Kurseinbruch Geht Twitter die Puste aus?

Der Kurznachrichtendienst kann die Börse mit seinen Zahlen nicht überzeugen, die Aktie bricht deutlich ein. Ein Totalumbruch soll Twitter nun zurück in die Erfolgsspur bringen. Aber dafür ist es womöglich zu spät.

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Damit Twitter auf Kurs bleibt, sollen die Mitarbeiter mit Aktien vergütet werden. Analysten fürchten ein Tech-Blase.

Bis zu elf Prozent sackte die Aktie des Kurznachrichtendienstes Twitter am Dienstag im nachbörslichen Handel ab. Twitter arbeitet mit voller Kraft an seinem Turnaround, doch einfach alles an den Zahlen war Mittelmaß, mit einer Ausnahme:  Die geplante Mitarbeitervergütung mit Aktien für dieses Jahr. Sie wird locker 50 Prozent des Umsatzes erreichen, prognostiziert Geschäftsführer Dick Costolo. Ist das die Blase? Die Botschaft, die die Wall Street an Twitter-Chef Dick Costolo schickte, brauchte jedenfalls keine 140 Zeichen: „Wachstum! Und zwar jetzt!“

Zumindest den Mitarbeitern geht es gut: Als Umsatz für das laufende Jahr erwartet Geschäftsführer Costolo rund 1,2 bis 1,25 Milliarden Dollar. Für die  Mitarbeiter werden im gleichen Zeitraum insgesamt Aktien im Wert von 640 bis 690 Millionen Dollar ausgegeben werden, zusätzlich zum normalen Gehalt. Natürlich bekommen sie diese Aktien nicht direkt in die Hand. Sie werden erst nach ein paar Jahren „fällig“. So sollen gute Leute daran gehindert werden, das Unternehmen zu verlassen. Twitter, mit Hauptquartier in San Francisco, kämpft mit den besten Adressen der Welt um die besten Talente.

Damit dieser Vergütungswahnsinn nicht so auffällt, legen sich die Unternehmen gerne eigene, adjustierte Gewinnzahlen zurecht. So meldete Twitter am Dienstag stolz für das erste Quartal 2014 neben einem zum Vorjahr auf 250 Millionen Dollar verdoppelten Umsatz einen hauchdünnen bereinigten (non-GAAP) Gewinn von 183.000 Dollar. Doch werden die strengen US-Bilanzrichtlinien GAAP herangezogen, dann ergibt sich mit Berücksichtigung der Mitarbeiteraktien ein satter Nettoverlust von 132 Millionen Dollar.

Starinvestor David Einhorn sieht die Praxis der zurechtgerückten Gewinnzahlen, eine Spezialität der Silicon-Valley-Unternehmen, mit Skepsis. In seinem jüngsten Brief an die Investoren nannte er zwar keine Aktie beim Namen. Aber ein Grund für die kommende „Tech-Bubble“, davon ist er überzeugt, ist die Ablehnung „konventioneller Bewertungsmethoden“: „Und wieder einmal“, so Einhorn, „werden bestimmte ‚cool kids‘-Companies und ihre Cheerleader unter den Analysten behaupten, Bezahlung in Aktien ist kein Bargeldabfluss und kann deshalb ignoriert werden.“ 

Aber er kann das aus Aktionärssicht nicht nachvollziehen: „Das mag Sinn machen, wenn man die Kreditwürdigkeit berechnen will. Aber wie kann man als Investor, der den Wert eines Unternehmens als Vielfaches des Profits messen will, die tatsächlichen Kosten durch die Verwässerung in der Zukunft ignorieren?“, fragt er. Irgendwann werden alle diese Aktien Realität. Zum Beispiel am 5. Mai läuft die erste Aktien-Haltefrist für Mitarbeiter nach dem Börsengang aus.

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