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Siemens „Verfehlte Frauenquote wäre Reputationsschaden für Siemens“

Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Quelle: Presse

Siemens-Personalchefin Janina Kugel wird den Konzern verlassen. Anwältin und Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt erklärt, was eine Unterschreitung der selbstgesteckten Frauenquote im Vorstand für Siemens bedeuten würde.

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Daniela Bergdolt ist Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht. Bergdolt ist Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und seit 1992 Landesgeschäftsführerin der DSW in Bayern.

WirtschaftsWoche: Siemens-Personalchefin Janina Kugel wird den Konzern verlassen. Ob der Vertrag von Lisa Davis verlängert wird, die als Vorstand für die Energiesparte zuständig ist, gilt als ungewiss. Läuft Siemens Gefahr, ein männerdominierter Vorstand ohne Frauen zu werden?
Daniela Bergdolt: Das kann sicher passieren. Gleichzeitig zeigt Siemens aber in einem ausreichenden Maß, dass das Unternehmen eigentlich genderlos ist, das Geschlecht also keine Rolle spielt, sondern die Qualifikation zählt. Ich bin mir sicher, dass die Stelle des Personalvorstands wieder mit einer geeigneten Position besetzt wird, im besten Fall natürlich mit einer Dame.

Siemens hat sich selbst eine Quote von 25 Prozent Frauenanteil im Vorstand auferlegt. Hätte eine zwischenzeitliche Unterschreitung der Quote denn Konsequenzen für Siemens?
Natürlich bedeutet ein Verfehlen der Frauenquote einen Reputationsschaden für Siemens. Gerade ein großes Unternehmen wie Siemens hat sicher qualifizierte Frauen genug, die auch vorstandsfähig sind. Wichtig wird bei einer Unterschreitung der Quote die Erklärung des Unternehmens sein, warum man dieses Ziel verfehlt.

 

Muss aus Ihrer Sicht zwingend eine Frau die Nachfolge von Janina Kugel antreten?
Schauen Sie, als Frau wehre ich mich immer dagegen, als sogenannte Muss-Frau zu einer Funktion zu kommen. Ich möchte aufgrund meiner Qualifikation zu einer Position kommen, nicht wegen des passenden Geschlechts. Ich denke, diese Sichtweise ist auch auf Siemens übertragbar: Was zählt ist vorrangig die Qualifizierung. Aber nochmal: Es gibt bei Siemens genügend qualifizierte Frauen.

Welche Qualifikationen muss ein neuer Personalvorstand angesichts des radikalen Umbaus bei Siemens denn mitbringen?
Fingerspitzengefühl und Einfühlsamkeit sind in dieser Funktion entscheidend, aber letztlich müssen sie auch mit einer gewissen Härte und enormer Durchsetzungskraft verbunden sein. Ein Personalvorstand trifft Entscheidungen, die nicht nur angenehm sind. Gleichzeitig sind diese Entscheidungen für die Strategie des Unternehmens und sein Überleben oft unausweichlich. Das ausgleichende Moment ist die Schlüsselkompetenz eines Personalvorstands.

 

Hat Frau Kugel diese Qualifikationen in ausreichendem Maße mitgebracht?
Das war bei ihr sicher vorhanden.

 

Woran ist sie dann gescheitert? Kolportiert wird etwa eine gewisse Entfremdung zu Siemens-Chef Joe Kaeser. Worin sehen Sie die Ursachen? 
Das ist von außen sehr schwer zu beurteilen. Es müssen aber keineswegs Querelen oder Disagreements innerhalb des Vorstands dahinter stehen. Es ist genauso gut vorstellbar, dass Frau Kugel einfach einen anderen Job machen möchte und sich für einen anderen Weg entschieden hat.

 

Der Vertrag von Siemens-Chef Joe Kaeser reicht noch bis 2021. Zu seinen Zukunftsplänen ist nichts bekannt. Wäre Kaeser der richtige Mann für den Posten des Aufsichtsratschefs von Siemens?
Natürlich weiß ich nicht, wie die Lebensplanung von Herrn Kaeser aussieht und ob er als CEO weitermachen möchte oder ob er in den Aufsichtsrat will oder ob es ihn etwa reizen würde, in der Politik noch einmal Dinge zu bewegen. Sollte er im Siemens-Universum bleiben wollen und in den Aufsichtsrat wechseln, sollte er auf jeden Fall die Cooling-Off-Periode einhalten. Im Moment sehen wir in jedem Fall gute Beispiele von Vorstandsvorsitzenden, die Aufsichtsratschefs wurden. Denken Sie etwa an Allianz oder die Münchener Rück. Wichtig ist wie gesagt die Einhaltung der Cooling-Off-Periode. Unter dieser Voraussetzung hat es sich für Unternehmen allerdings sehr bewährt, auf erfolgreiche Vorstandschefs im Aufsichtsrat zu setzen.

 

Derzeit führt der frühere SAP-Manager und ausgewiesene IT-Experte Jim Hagemann Snabe den Aufsichtsrat von Siemens. Wie schätzen Sie seine Performance ein?
Ich denke, dass sein Input wichtig ist, um Siemens in ein digitales Unternehmen umzurüsten. Er ist ein Mann , der die strategische Veränderung bei Siemens mit seiner digitalen Kompetenz vorantreibt. Zudem kann er den Input für die digitalen Lösungen liefern, die Siemens anderen Unternehmen anbietet. Ich denke, dass Snabe ein Glücksgriff für Siemens war.

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