Sinkende Margen Boom der Cloud drückt den SAP-Gewinn

Die Cloud ist stark, die Software schwach, demzufolge wird der Gewinnausblick reduziert – so lässt sich das dritte Quartal von SAP zusammenfassen. Reicht das Sparprogramm, um die schwindenden Margen auszugleichen?

SAP Quelle: dpa

Das dritte Geschäftsquartal von SAP ist eher ein schwächeres im Jahresvergleich. Dennoch benötigt der Softwaregigant aus Walldorf am Montag bei der Vorlage seiner Finanzzahlen für die Monate Juli bis September dieses Mal besonders lang, um den Zustand seiner Geschäftsmaschinerie zu erläutern.

Die nackten Zahlen vorab: Der Umsatz stieg im dritten Quartal leicht um knapp fünf Prozent auf fast 4,3 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern auf 881 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 16 Prozent. So weit, so solide – und erst einmal wenig überraschend.

SAP-Aktie

Aufschlussreicher ist da der Blick auf die Details. Denn der zeigt ein Unternehmen, dessen ohnehin rasanter Wandel sich gerade noch einmal beschleunigt hat. So legten die Cloud-Umsätze von SAP (Subskriptions- und Supporterlöse) im Jahresvergleich währungsbereinigt um satte 42 Prozent zu. Gleichzeitig ‎sanken die reinen Software-Lizenzerlöse – sie sind der Kern des wichtigen Bestandsgeschäfts – um drei Prozent. Nur die gut sprudelnden Supporterlöse sorgen dafür, dass das Stammgeschäft aus Lizenzen und Support insgesamt wächst – wenn auch mit fünf Prozent nur noch einstellig.

"Mit einem Wachstum der Cloud-Umsätze von über 40 Prozent ‎beschleunigen wir den Wandel zum Cloud-Anbieter", lässt sich SAP-Vorstandschef Bill McDermott in der Quartalsmeldung zitieren. Dementsprechend hat SAP seine Prognose fürs Gesamtjahr angepasst: So erwarten die Walldorfer nun bis Jahresende Cloud-Umsätze zwischen 1,04 und 1,07 Milliarden Euro (bisher 1,0 bis 1,05 Milliarden Euro).

Korrigierte Prognose rechnet mit leichtem Plus

Gleichzeitig senken die Walldorfer aber ihre Erwartungen beim Betriebsergebnis: Nunmehr soll der operative Gewinn zwischen 5,6 und 5,8 Milliarden Euro liegen (vorher 5,8 bis 6,0 Milliarden Euro). Zwar würden die Walldorfer auch nach der Korrektur noch ein leichtes Plus gegenüber 2013 (5,48 Milliarden) erzielen.

Dennoch: Der Boom des margenschwächeren Cloud-Geschäfts bei der gleichzeitigen Schwäche des Stammgeschäfts schlägt erstmals nennenswert auf die Bottom-Line von SAP durch.

Die größten Softwarehersteller der Welt
Platz 10: Salesforce.comCEO Marc R. Benioff schafft es mit Salesforce gerade eben in die Top Ten der umsatzstärksten Softwareunternehmen. Die Firma setzte 2013 3,8 Milliarden Dollar mit Software um. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 33,3 Prozent und macht das Unternehmen zum wachstumsstärksten innerhalb der Top Ten - damit ging es um zwei Plätze nach oben. Salesforce.com bezeichnet sich selbst als Pionier für Cloud Computing im Bereich Geschäftsanwendungen und wirbt damit, dass Unternehmen so die Kosten etwa für Hardware und IT-Management reduzieren können. Salesforce.com wurde 1999 aus der Wiege gehoben und sitzt in München, Düsseldorf und Darmstadt. Datenquelle: Erhebung der Umsatzzahlen von Gartner Quelle: REUTERS
Platz 9: CA TechnologiesEinen Platz abwärts ging es für CA Technologies. Mit 4,2 Milliarden Dollar Umsatz mit Software-Verkäufen 2013 liegt die Wachstumsrate bei -2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen bietet IT-Management-Software und -Lösungen an. Rund 14.000 Mitarbeiter sind bei CA angestellt, davon 5300 Entwickler. Gegründet wurde CA 1976 und hat heute 150 Niederlassungen in mehr als 45 Ländern. Neben Unternehmen zählt CA Technologies auch Behörden und Bildungseinrichtungen zu seinen Kunden. Quelle: Gemeinfrei
Platz 8: VMwareMit einer Wachstumsrate von 14,1 Prozent im Vergleich zu 2012 ging es für VMware um einen Rang nach oben. 2013 machte die Firma 4,8 Milliarden Dollar Umsatz mit Software. Im Bild: Der Vorstandsvorsitzende Pat Gelsinger, der 2012 zum Unternehmen stieß. VMware ist ein amerikanisches Unternehmen, das Software im Bereich der Virtualisierung entwickelt. Gegründet wurde es 1998, heute arbeiten rund 13.000 Menschen bei VMware. Die Firma mit Sitz in Palo Alto ist international aktiv. Das bekannteste Produkt ist VMware Workstation, das mehrere parallel laufende Betriebssysteme (Windows, Linux und andere) auf einem Rechner ermöglicht. Quelle: dpa
Platz 7: Hewlett-PackardKonstant auf Rang sieben kann sich HP halten. Mit 4,9 Milliarden Dollar Software-Umsatz sank die Wachstumsrate leicht um -2,7 Prozent. Der 1939 gegründete und weltweit tätige Konzern beschäftigt rund 317.500 Mitarbeiter und sitzt in Palo Alto. Es ist eines der größten US-Technologieunternehmen und war einst das erste seiner Art im Silicon Valley. Die Produktpalette reicht von Softwarelösungen über Server bis zu Notebooks. Quelle: AP
Platz 6: EMCEbenfalls auf dem gleichen Platz wie im Vorjahr bleibt EMC. Das Unternehmen legte eine Wachstumsrate von 4,9 Prozent im Vergleich zu 2012 hin und kam 2013 auf einen Umsatz von 5,6 Milliarden Dollar mit Software-Verkäufen. Der IT-Konzern setzt auf Cloud Computing und unterstützt nach eigenen Angaben andere Firmen dabei, ihre Informationen zu speichern, zu managen, zu schützen und zu analysieren. EMC ist in mehr als 100 Ländern und quer durch alle Branchen aktiv. Weltweit beschäftigt EMC etwa 60.000 Mitarbeiter und hat 400 Vertriebsniederlassungen. Quelle: AP
Platz 5: SymantecStabiler Software-Umsatz auch beim fünftplatzierten Symantec. Wie im Vorjahr machte das US-Unternehmen 6,4 Milliarden Dollar. Im Bild: Symantec-CEO Steve Bennett. Die Firma wurde 1982 gegründet und sitzt in Mountain View in der Nähe des Silicon Valley. Nach eigenen Angaben betreibt Symantec Niederlassungen in 40 Ländern und beschäftigt rund 18.500 Mitarbeiter. Das bekannteste Produkt der Firma ist wohl das Anti-Viren-Programm Norton AntiVirus. Quelle: REUTERS
Platz 4: SAPDas deutsche Unternehmen steht wie 2012 auf Rang vier, verzeichnete aber eine Wachstumsrate von 9,5 Prozent. 18,5 Milliarden Dollar Umsatz machte der Konzern 2013 mit seinen Software-Produkten. 1972 gegründet und mit Sitz in Walldorf beschäftigt SAP heute rund 65.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen macht Software für die Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse (Buchführung, Vertrieb, Lagerhaltung etc.). Quelle: dpa

Genau mit jenen Entwicklungen – Cloud stark, Software schwach, Gewinnausblick reduziert – erklären sich auch zwei der jüngsten Schachzüge von SAP: So schnappte sich SAP-Chef McDermott erst Ende September den Anbieter von Cloud-basierten Reisemanagement-Lösungen Concur für satte 6,5 Milliarden Dollar. Ein teurer, aber vermutlich doch richtiger Schritt: Wie die SAP-Zahlen wieder einmal zeigen, beschleunigt sich der Wandel in Richtung Cloud gerade; künftige Zukäufe werden da eher noch teurer.

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Zugleich hat SAP-Finanzchef Luka Mucic in einem internen Rundschreiben an die Führungskräfte Anfang Oktober den Konzern auf strenge Kostendisziplin eingeschworen und darüber hinaus einen Einstellungsstopp bis 2015 verfügt. Ein Indiz, dass sich SAP der Gewinnbelastung bewusst ist, den der schnellere Anstieg des Cloud-Geschäfts zulasten herkömmlicher Lizenzumsätze mit sich bringt.

Eine Alternative haben die Walldorfer ohnehin nicht. Schließlich sind es die Kunden, die immer stärker in die Cloud drängen. Bleibt bloß die Frage, ob die Walldorfer im kommenden Jahr nicht sogar noch viel stärkere Einschnitte bei der Belegschaft vornehmen müssen, um die schwindende Marge auszugleichen.

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