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Slack-Chef Butterfield „Wir werden noch in 10.000 Jahren E-Mails schreiben“

Slack: CEO Stewart Butterfield erklärt den Erfolg des Messengers Quelle: Getty Images

Der Slack-CEO Stewart Butterfield spricht über den Vorsprung seines Messengers gegenüber Microsoft Teams und Hunderte Millionen Dollar aus einer Finanzierungsrunde, auf die Slack nicht wirklich angewiesen sei.

In einer zum Messegelände umfunktionierten Lagerhalle im Osten Londons hat der Büro-Messengerdienst Slack zu einer Konferenz von, mit und über Slack geladen. Hochrangige Mitarbeiter des Unternehmens halten auf mehreren Bühnen Vorträge über die optimale Nutzung des Messengers, Datensicherheit und die Zukunft des Arbeitens – „New Work“, wie das bei Slack heißt.

Stewart Butterfield ist seit neun Jahren CEO von Slack. Zwischen seinen Vorträgen und Podiumsdiskussionen ist er ein gefragter Mann: Slack-Nutzer und Enthusiasten berichten ihm von ihren Erfahrungen mit dem Messenger, der die Kommunikation und Organisation in den verschiedensten Unternehmen effizienter machen will.

Während des Gesprächs mit der WirtschaftsWoche beißt Butterfield in ein Käsebrötchen. Das meint er nicht unhöflich. Er habe es vorher einfach nicht geschafft zu frühstücken und müsse direkt im Anschluss wieder auf die Bühne.

Nicht nur an diesem Tag ist Butterfield schwer beschäftigt. Täglich nutzen mehr als acht Millionen Menschen seinen Messenger, der mittlerweile mehr als sieben Milliarden Dollar wert ist. Jetzt möchte Slack weiterwachsen und die Konkurrenz – keine geringeren Unternehmen als Microsoft und Facebook – auf Abstand halten.

Herr Butterfield, vor etwa einem Jahr haben Sie in einem Interview gesagt, dass Slack ungefähr zwei Prozent seiner Reise hinter sich hat. Wie viel Prozent sind es heute?
Wir sind bei etwa 3,2 Prozent, würde ich sagen.

Wie kommen Sie auf diese Zahl?
Okay, ich gebe zu: Es ist schwierig, das präzise zu beziffern. Slack ist noch in einem sehr frühen Stadium. Das wird besonders deutlich, wenn man sich überlegt, dass es noch bis zu 600 Millionen Menschen auf der Welt gibt, für die Slack bei der Arbeit ein sinnvolles Tool wäre. Zumindest schätzen wir das.

Verglichen damit wirken Ihre aktuellen Kundenzahlen fast verschwindend gering.
Heute haben wir mehr als acht Millionen täglich aktive User. 3,5 Millionen davon zahlen sogar für Slack. Das macht uns sehr glücklich, aber es gibt noch eine Menge Potenzial und einen weiten Weg zu gehen.

In welchen Unternehmen liegt dieses Potenzial?
In den verschiedensten. Sogar in Unternehmen, die Slack bereits nutzen. Unser größter Kunde ist IBM mit mehr als 120.000 täglich aktiven Slack-Nutzern. IBM hat aber knapp 400.000 Mitarbeiter weltweit. Selbst bei unserem größten Kunden haben wir also nicht mal die Hälfte des Potenzials ausgeschöpft.

Sicherlich liegt auch ein Teil des Potenzials in Deutschland, 60 Prozent der Dax-Unternehmen nutzen Slack – damit werben Sie gerne. Doch Deutschland besteht ja nicht nur aus Dax-Konzernen.
Selbstverständlich nicht, der deutsche Mittelstand ist immens groß. Dort arbeiten wir zum Beispiel mit Kemmler Baustoffe aus Tübingen zusammen. Doch wie viele Industrieunternehmen gibt es allein dort im Großraum Stuttgart? Vielleicht 1000? Davon nutzen aktuell höchstens 20 bis 30 Unternehmen Slack.

Warum nutzt zum Beispiel Kemmler Slack? Was ist so überzeugend?
Wenn wir unsere Kunden das fragen, dann haben die nicht immer eine klare Antwort. Manche mögen den Look, die Benutzerfreundlichkeit oder sie nutzen einfach gerne Emojis oder lustige GIFs. Andere schätzen vielleicht die Unterhaltungen in themenspezifischen Channels, die allen Beteiligten die Möglichkeit bieten, ihre Unterhaltungen zu organisieren. Wir selbst denken, dass sie durch all diese kleinen Vorteile einfach produktiver arbeiten und deshalb morgens auch gerne ins Büro kommen.

Wie die US-amerikanischen Regierung Slack nutzt

Welche Unternehmen arbeiten sonst bereits mit Slack?
Eine spezielle Kundengruppe haben wir gar nicht. Slack wird in Industrieunternehmen, in der Fertigungsindustrie, in Universitäten, Non-Profit-Organisationen, Stadtwerken oder Regierungen genutzt.

In Regierungen?
Ja, tatsächlich. Als wir erfahren haben, dass das norwegische Arbeitsministerium oder die Stadtverwaltung von Stockholm mit Slack arbeiten, haben wir das auch für verrückt gehalten. Aber das sind keine Einzelfälle: Ich weiß nicht ganz genau, wie viele Slack-Nutzer es zum Beispiel derzeit in der US-amerikanischen Regierung gibt, aber Zehntausende sind es mit Sicherheit. Das Team, das die Webseite des Heimatschutzministeriums der USA verwaltet, nutzt Slack. Auf der Webseite können Bürger Dokumente über ihre Staatsangehörigkeit erhalten oder eine Greencard beantragen. In San Francisco, wo wir unseren Hauptsitz haben, wird mittlerweile sogar ein Großteil der Hochzeiten über Slack geplant.

Ist das nicht ein bisschen abwegig? Slack ist doch für die Bürokommunikation gedacht?
Nein, warum sollte es auch? Eine Hochzeitsplanung ist gut mit Arbeit zu vergleichen: Sie haben verschiedene Mitarbeiter wie das Brautpaar, den Hochzeitsplaner, die Floristin, den Cateringservice und die Musikerin. Deadlines müssen eingehalten, Entscheidungen getroffen werden und alle Beteiligten sollen koordiniert zusammenarbeiten können. Genau das ermöglicht Slack.

Im August haben Sie in der größten Finanzierungsrunde der Firmengeschichte 427 Millionen Dollar eingenommen. Slack ist nun mehr als sieben Milliarden Dollar wert. Bei vorigen Finanzierungsrunden haben Sie gesagt, dass Sie auf das Kapital nicht angewiesen sind. Brauchen Sie es dieses Mal?
Um ehrlich zu sein? Nein.

Warum sammeln Sie es trotzdem ein?
Ich bin jetzt 45 Jahre alt und habe ein paar Konjunkturzyklen miterlebt. Eigentlich interessieren mich wirtschaftliche Kennzahlen wie die Größe eines Marktes oder die Bedeutung von Kapital nicht wirklich. Wenn Kapital aber so günstig ist wie in diesen Zeiten, dann ist es für uns nur sinnvoll, einen Vorteil daraus zu ziehen. Außerdem müssen wir uns den Standort San Francisco mit Facebook oder Google teilen – riesige Unternehmen mit einer Menge Eigenkapital. Und ich denke, dass Leute aus vielen guten Gründen bei Slack arbeiten wollen, aber wenn wir finanziell nicht konkurrenzfähig sind, dann entscheiden sie sich womöglich nicht für Slack als Arbeitgeber. Außerdem: Sollten sich Marktverhältnisse mal zum Schlechten wenden, werden wir sehr froh sein, Geld in der Hinterhand zu haben.

Sie haben in den letzten Jahren einige Konkurrenten bekommen. Facebook hat seinen eigenen Dienst Workplace, Microsofts Pendant zu Slack nennt sich Teams. Warum sollten Unternehmen noch Slack nutzen, wenn es die anderen Programme gibt?
Facebook Workplace ist nicht direkt mit Slack vergleichbar, wir sehen sie nicht als Konkurrenz. Slack ist um ein vielfaches umfangreicher.

Was ist mit Microsoft Teams?
Teams ist Slack schon deutlich ähnlicher. Ein Unternehmen könnte also die beiden Dienste sehen und sich denken: „Wir benutzen Word, Excel und Outlook. Da ist Teams doch die perfekte Ergänzung.“ Doch wir sind Microsoft Teams einfach ein paar Jahre voraus. Und wenn wir uns in Zukunft so weiterentwickeln, werden wir immer vor Microsoft sein.

Allein auf einen Zeitvorsprung können Sie sich aber kaum verlassen.
Das tun wir auch nicht. Auch die Plattform an sich ist viel fortschrittlicher und umfangreicher. Wir haben pro Woche 200.000 aktive Kunden, die Slack weiterentwickeln und Anwendungen aus ihren Unternehmen in Slack integrieren. So kommen pro Woche 15.000 neue Anwendungen zusammen, die in Slack integriert werden. Wir arbeiten mit Google, SAP, IBM, Salesforce oder Oracle zusammen – den größten IT- und Softwareunternehmen der Welt. Und all diese Unternehmen sind auch noch Kunden von uns.

Eine Welt ohne E-Mails?

Wenn es um Slack geht, liest man in den Medien häufig, dass Sie die E-Mail abschaffen wollen. Das wäre eine kaum zu bewältigende Aufgabe.
Ganz am Ende ist es unsere Vision, Unternehmen bei der digitalen Transformation zu helfen. Ein paar Stufen darunter geht es tatsächlich darum, die E-Mail durch Slack zu ersetzen. Aber nur für die Kommunikation innerhalb einzelner Unternehmen. Alles andere wäre ja größenwahnsinnig. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Welt ohne E-Mail-Verkehr aussehen würde. Wahrscheinlich werden wir in 10.000 Jahren immer noch E-Mails schreiben. Einfach weil es ein universelles Kommunikationsmittel ist, an dem alle teilhaben können. Für die Kommunikation innerhalb von Unternehmen ist die E-Mail allerdings total ineffizient.

Was macht Slack besser?
Zum einen ist es viel transparenter. Ein Mitarbeiter aus der Marketingabteilung kann dank der verschiedenen Channel auch sehen, was gerade in der Produktion, dem Vertrieb oder der Personalabteilung passiert. Außerdem ist es perfekt für neue Mitarbeiter. Wenn die in das Unternehmen kommen, können Sie dank der gespeicherten Nachrichten in den verschiedenen Channels alles nachvollziehen, was in den Jahren zuvor passiert ist.

Außerdem ist die Kommunikation über Slack schnell und simpel. Auch unterwegs kann man über die App mit den Kollegen chatten. Werden wir in Zukunft so arbeiten? Von überall aus berufliche Kurznachrichten verschicken, auch abends von der Couch aus?
Auch wenn wir Slack intensiv selbst benutzen und logischerweise die ersten waren, die das je getan haben: Wir lernen ständig Neues über unser eigenes Produkt, wenn wir sehen, wie Unternehmen damit arbeiten. Ich kenne allerdings kein Unternehmen, das von seinen Mitarbeitern erwartet, zu jeder Zeit über Slack erreichbar zu sein.

Durch die simple Kommunikation wird auch das digitale Plaudern während der Arbeitszeit viel einfacher. Kann ein Arbeitgeber das gutheißen?
Soziale Kontakte sind für den Arbeitgeber doch keinesfalls ein Problem, ganz im Gegenteil. Bei unserer eigenen Slack-Präsenz haben wir viele verschiedene Workspaces. Einer davon ist nur für Soziales. Da gibt es dann Channel zu diversen TV-Shows, über die diskutiert wird. Aber auch wirklich nützliche Channel, wie ein privater, der nur für junge Eltern ist. Dort tauscht man sich über die besten Kinderärzte in der Umgebung aus. In dieser Hinsicht ist Slack nicht dafür da, die Arbeitszeit zu verschwenden, sondern dem Unternehmen dabei zu helfen, erfolgreich zu sein. Denn Vertrauen unter den Mitarbeitern ist für den Erfolg entscheidend.

Wird Slack seine Reise je beenden und die 100 Prozent erreichen?
Falls das je passieren sollte, wird das sicherlich noch Jahrzehnte dauern. Der technologische Fortschritt liefert ständig neue Innovationen, viele davon werden auch Slack in Zukunft verändern.

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