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Smartphone-Zukunft Nokia ist Marktführer light

Der Mobilfunkriese hat sich auf Gedeih und Verderben Microsofts Betriebssystem Windows Phone verschrieben. Nach schwerem Start ziehen die Verkäufe langsam an. In Barcelona sollen am Montag neue Modelle gezeigt werden.

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Das Nokia- Modell

Seelenbalsam für die Finnen: Endlich mal wieder Marktführer. Allerdings im Zwergenmarkt für Windows Smartphones. Hier ist Nokia mit 33 Prozent Marktanteil nach praktisch nur einem Geschäftsquartal zum größten Anbieter aufgestiegen und hat die taiwanesische HTC auf den zweiten Platz verdrängt.

In absoluten Zahlen sieht es noch bescheiden aus: Rund 2,7 Millionen Phone 7 Smartphones wurden nach den Erhebungen der Analysten aus Boston Massachusetts im 4. Quartal 2011 an Handel und Telekomunternehmen ausgeliefert, davon 900.000 Nokias. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum gingen atemberaubende 37 Millionen iPhones über die Ladentheken.

Allerdings sind nach die Wachstumsraten der Microsoft-Phones nach einem zähen Start mittlerweile ganz ansehnlich, das Plus beträgt 36 Prozent zum Vorquartal, wo Nokia noch bei Null stand. „Ein erweitertes Produktportfolio, eine verbesserte Präsenz im Handel und massive Marketingpräsenz in Europa und Asien haben das Wachstum getrieben“, analysiert Neil Mawston von Strategy Analytics.

Hier wird klar, warum im Prinzip Nokia immer noch ein wesentlich gefährlicherer Gegner für Apple ist als Google. Viele Google-Partner wie eben auch HTC und viele unbekannte kleine asiatische Anbieter haben keine weltweiten strategischen Vertriebs- und Marketingaktivitäten. Nokia verfügt dagegen immer noch über hocheffizienten Vertrieb, Erfahrung im globalen Marketing  und weltweite Logistik. Es haben nur die richtigen Produkte gefehlt.

Mit dem Lumia 710 und 800 sind jetzt zwei wettbewerbsfähige Mittelklasse-Modelle am Start, das Lumia 900 als Top-Modell wurde auf der CES im Januar gezeigt und wird in zweiten Jahreshälfte erwartet. In Barcelona, so die Gerüchteküche, wird mit dem Nokia 610 ein Einsteigermodell zu Kampfpreisen gezeigt werden.

Achim Berg, zuständig für das Geschäft mit den Mobilfunkunternehmen bei Microsoft in Redmond und früherer Telekom-Manager, hatte bereits 2011 gegenüber dem Handelsblatt erklärt, es werde neue Spezifikationen geben, die den Herstellern Geräte mit preiswerterer Technik „zu aggressiven Preisen“ ermöglichen werden. Den Marktgerüchten zufolge wird das 610 bereits mit Windows Phone 8 erscheinen, dem Nachfolger des aktuellen Phone 7.5.Der Blog Unwiredreview.com will zudem von einem Nachfolger des aktuellen Lumia 710 erfahren haben, das Lumia 719 heißen soll.


Nokia hofft auf das Weihnachtsgeschäft

Aber der Weg ist noch lang. Auch Strategy-Analyst-Experte Mawston betont: „Nokia ist noch lange nicht über den Berg!“ Doch Microsoft wird nicht aufgeben, die Kriegskassen sind voll und Nokia ist der bevorzugte Partner. Für beide Partner geht es um den langfristigen Erfolg. Es gilt, den waidwunden Dritten der Rangliste für mobile Betriebssysteme zu beerben: Blackberry.

Dessen Hersteller RIM hat durch strategische Fehlentscheidungen und falsche Markteinschätzungen dramatische Marktanteilsverluste erlitten. Statt mit aller Konsequenz die überalterte Flotte der Blackberry-Smartphones zu überarbeiten, wurde alle Energie in ein Produkt gesteckt, von dem man nichts verstand: das Tablet Playbook. Es floppte in seiner ersten Version und erst jetzt ist eine verbesserte Software im Markt, die die meisten Fehler ausmerzt. Allerdings ist die Hardware selbst nun schon ein Jahr alt und die Welt wartet bereits gespannt auf das iPad3.

Folge der Fehlplanung: Modelle mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 werden nicht vor dem dritten Quartal erwartet. Der weltweite Marktanteil ist von über 20 auf zehn Prozent gefallen. Das ist das Zeitfenster, in dem Microsoft und Nokia der Durchbruch gelingen muss, um dann im Weihnachtsgeschäft zu einem ernsthaften Wettbewerber aufzusteigen. Fasst RIM davor wieder Tritt, ist das Windows Phone chancenlos.

Nokia selbst muss bis dahin sein Geschäft mit sogenannten „Featurephones“, einfachen Mobiltelefonen in der Einsteigerklasse, am Leben erhalten. Hier wird die Masse des Geldes verdient, das den Turnaround der Smartphones finanzieren muss. Gleich drei Geräte mit dem einfachen, aber robusten Betriebssystem Serie 40 werden bei der Präsentation am Montag in Barcelona erwartet. Selbst das gute alte Symbian ist offenbar noch nicht ganz tot.

Das Top-Smatphone mit Touchscreen, das N8, soll einen Nachfolger mit einem größeren Display erhalten. Es wird mit Nokia Belle, einer überarbeiteten Version des Betriebssystems Symbian 3, arbeiten, heißt es. Belle ist als Update bereits für eine Reihe der jüngsten Nokia-Modelle erhältlich.

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