Snapchat-Mutter Snap-Aktie auf Talfahrt

Für den Facebook-Konkurrenten Snapchat läuft es nicht rund. Am Donnerstag brach die Aktie nachbörslich enorm ein. Der Wert der Aktie fiel um sechs Prozent auf 12,93 Dollar.

Steil abwärts geht der Kurs der Snap-Aktie. Quelle: REUTERS

Das verhaltene Wachstum der Foto-App Snapchat hat die Anleger erneut schwer enttäuscht. Nachdem im vergangenen Quartal nur rund sieben Millionen täglich aktive Nutzer hinzukamen, stürzte die Aktie im nachbörslichen Handel am Donnerstag um mehr als 16 Prozent auf einen Tiefstand ab. Zudem schwoll der Verlust der Betreiberfirma Snap im Jahresvergleich von 116 Millionen auf 443 Millionen Dollar (376 Mio. Euro) an. Der Umsatz stieg zwar um über 150 Prozent auf 182 Millionen Dollar, blieb damit aber unter den Prognosen der Analysten.

Nutzerzahlen der bekanntesten sozialen Medien

Der Umsatz pro Nutzer stieg von 50 Cent im Vorjahreszeitraum auf 1,05 Dollar. Am Markt war jedoch ein noch größerer Zuwachs erwartet worden. Mitgründer und Chef Evan Spiegel argumentierte, für Snap sei es wichtiger, am lukrativeren US-Markt zu wachsen. Denn dort erlöse die Firma zehn Mal soviel Geld pro Nutzer als im Ausland.

Snapchats Muttergesellschaft Snap war Anfang März mit großem Rummel in New York an die Börse gegangen, zuletzt bekamen Anleger aber kalte Füße. Nachbörslich markierte der Kurs ein Rekordtief unter 12 Dollar, der Ausgabepreis der Aktien hatte bei 17 Dollar gelegen. Zum Handelsschluss am Donnerstag brachte es Snap immerhin noch auf einen Börsenwert von gut 16 Milliarden Dollar. Damit ist die Firma zwar meilenweit abgeschlagen hinter dem großen Rivalen Facebook, wird aber fast fünf Milliarden Dollar höher bewertet als Twitter.

Die 10 größten US-Internetfirmen, deren Börsengang bevorsteht
Börsengang von Snap Inc.Snap, die Mutterfirma der App Snapchat, hatte Anfang März an der Wall Street den Gang aufs Börsenparkett gewagt. Die Anleger haben sich regelrecht um die Papiere gerissen – inzwischen häufte die Messaging-Firma ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar an, der Kurs entwickelt sich schlecht. Trotzdem bleiben die Gründer optimistisch. Das Beispiel Snap zeigt: Ein Börsengang bleibt selbst bei innovativen Internet-Startups nicht ohne Risiko. Das hat Folgen: Bisher sind die wichtigsten und besonders vielversprechenden US-Internetfirmen – mit der Ausnahme von Snap – nicht an der Börse gelistet, sondern bleiben lieber im Besitz von Gründern und Finanzinvestoren. Doch ewig kann es so nicht weitergehen, Anleger wittern bereits Investmentchancen. Wir zeigen die zehn größten Internetfirmen aus dem Silicon Valley, die bisher noch den Schritt an die Märkte scheuen ... Quelle: dpa
Platz 10: LyftDas Startup-Unternehmen mit Sitz in San Francisco ist wie Uber ein Fahrdienst-Vermittler und dessen größter Konkurrent. Die App für Smartphones vermittelt privat betriebene Taxis. Bei Lyft kann jeder mit seinem eigenen Privatwagen zum Fahrer werden. Der Wert des Unternehmens beläuft sich nach Schätzungen auf 6,9 Milliarden US-Dollar. (Quelle: CB Insights) Quelle: AP
Platz 9: Stripe Der Bitcoin-kompatible Online-Bezahldienst Stripe wird mit schätzungsweise 9,2 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen in 25 Ländern an. Stripe verwendet ein selbstlernendes Betrugs-Präventions-System. Quelle: dpa
Platz 8: InforDer weltweite Anbieter von Geschäftssoftware wurde 2002 gegründet. Mittlerweile gilt Infor als drittgrößter Hersteller neben SAP und Oracle. 15.000 Angestellte arbeiten aktuell für das US-Unternehmen. Der Unternehmenswert beträgt 10 Milliarden US-Dollar. Damit ist Infor ebenso viel wert wie... Quelle: AP
Platz 7: Dropbox... Dropbox. Das Start-up Unternehmen wurde 2007 von zwei Studenten gegründet und ist mittlerweile ebenfalls 10 Milliarden US-Dollar schwer. Das Ziel der Studenten war es, den Austausch großer Dateien per E-Mail oder USB-Stick überflüssig zu machen. Hat man eine Datei in die „Dropbox“ hochgeladen, kann sie von jedem ans Internet angeschlossenen Computer abgerufen werden. Dropbox spekuliert auf einen Börsengang noch in diesem Jahr. Quelle: REUTERS
Platz 6: PinterestÜber 150 Millionen User weltweit nutzen das soziale Netzwerk Pinterest, bei dem Nutzer Bilder und Beschreibungen an virtuelle Pinnwände anheften können. Selbst Online-Shopping ist seit einem Jahr über die Plattform möglich. Schätzungsweise 11 Milliarden US-Dollar ist das Unternehmen wert. Quelle: dpa
Platz 5: SpaceX Das US-amerikanische Raumfahrtunternehmen schafft es unter die Top Five des Rankings. SpaceX hat das ambitionierte Ziele, den Mars zu kolonisieren und menschliches Leben auf anderen Planeten zu verbreiten. Es gehört mittlerweile zu einem bedeutenden Versorger der Internationalen Raumstation (ISS). Kein Wunder, dass sein Wert ganze 12 Milliarden US-Dollar beträgt. Quelle: dpa

Das einst rasante Wachstum von Snapchat stockt bereits seit Herbst letzten Jahres. Die Probleme, mit denen sich Snap-Chef und Mitgründer Evan Spiegel auseinandersetzen muss, sind nicht zuletzt der harten Konkurrenz durch Facebook geschuldet. Der Konzern, dessen Chef Mark Zuckerberg Snapchat einst kaufen wollte, aber bei Spiegel abblitzte, attackiert den aufstrebenden Wettbewerber schon länger heftig.

Facebook und die zum Konzern gehörende Foto-App Instagram setzen Snapchat zu, indem sie wesentliche Funktionen kopieren. Mit Erfolg: Instagram hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 400 Millionen täglich aktive Nutzer. Snapchat hatte mit Bildern, die nach dem Ansehen von alleine wieder verschwinden, vor allem bei jüngeren Nutzern große Popularität gewonnen. Später wurde das Angebot etwa mit Fotofiltern, Medieninhalten und einer Kamera-Sonnenbrille ausgebaut.

Jetzt argumentiert Snap, in der wichtigen Zielgruppe im Alter unter 25 Jahren hielten sich Nutzer länger in der Snapchat-App auf als bei Instagram: 40 gegen 32 Minuten pro Tag. Im Schnitt posteten die User 20 Snaps pro Tag. Spiegel zeigte sich überzeugt, dass das Snap-Geschäft trotz der starken Konkurrenz durch Internet-Giganten wachsen wird.

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