Social Media Facebook droht Twitter abzuhängen

Facebook legt erneut beeindruckende Zahlen vor, dagegen offenbart Twitters Geschäftsmodell zusehends seine Schwächen. Es kommen zu wenige neue User, die alten gehen teilweise zu früh wieder. Angeblich will Twitter deshalb einen der schnell wachsenden Musik Streaming Dienste kaufen. Das aber wollen derzeit viele.

Internetseiten von Twitter und Facebook Quelle: dpa

Facebook hat vorgelegt, Twitter wird am 29. Juli nachlegen; die beiden Social Media Giganten berichten in dieser Woche über ihren Geschäftserfolg im ersten Halbjahr 2014.

Facebook kann weiter glänzen: Das elektronische Poesiealbum hat inzwischen weltweit 1,32 Milliarden aktive Kunden. Der Umsatz im zweiten Quartal um 61 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar; Gewinn macht Facebook auch, vor allem dank Werbung, aber zunehmend auch durch den Verkauf wertvoller Nutzerdaten an Kunden wie die Werbeindustrie.

Ganz anders die Lage bei Twitter,  dem auf Kurznachrichten spezialisierten Sozialen Netzwerk.

Anders als Facebook hat Twitter offenbar erhebliche Probleme, sein Wachstumstempo beizubehalten. Und es kracht hinter den Kulissen: In den vergangenen Wochen hat das Soziale Netzwerk Twitter gleich zwei Vorstände ausgetauscht.

Facebook in Zahlen

Facebook droht Twitter weiter abzuhängen

Problem: Das Wachstum der Neu-Nutzer schwächt sich bei dem noch jungen Unternehmen schon ab, vor allem hinkt es dem Facebooks weit hinterher. Am 29. Juli meldet Twitter seine Quartalszahlen, der schon in den vergangenen Quartalen absehbare Trend dürfte sich dann manifestieren.

Nutzerzahlen sickerten schon durch: Zwar könnte sich die Zahl der Twitter-Anwender im Laufe des Jahres 2014 noch auf 227 Millionen erhöhen , schätzen die Marktforscher von e-Marketer; Twitter selbst geht gar von 235 Millionen mindestens einmal im Monat aktiven Nutzern aus, erfasst die so genannten „monthly active Users“ (MAU) aber etwas anders als der unabhängige Marktforscher. Per Ende 2013 waren es jedenfalls nur 183 Millionen Nutzer.

Bedenklich dabei: Die Wachstumsrate dürfte weiter zurückgehen , sie lag noch 2012 bei 50 Prozent pro Jahr, dürfte sich 2014 auf die Hälfte, 24,4 Prozent, halbiert haben.

Twitter kann mit dem Rivalen Facebook nicht mithalten. Dessen Wachstum war, als das 5 Jahre früher gegründete Facebook so alt war wie Twitter heute, noch wesentlich höher.

Gründe für die Wachstumsschwäche

Mehr und mehr zeigt sich: Twitter als eher broadcasting-orientiertes Medium (wenige twittern, viele lesen) ist einfach nicht für so viele Leute interessant wie Facebook, das mehr als Kommunikationsmedium unter Gleichen verwendet wird. Facebook hat bereits 1,26 Milliarden Kunden.

Dazu kommt: Anders als Facebook, das bereits erhebliche Einnahmen aus dem Verkauf von Nutzerdaten generiert, verdient Twitter fast nur mit Werbung.

Es fehlen andere Angebote, die sich zu Geld machen lassen.

Am besten Inhalte dazukaufen

Immer wieder aufkeimende Gerüchte können deshalb nicht verwundern, Twitter wolle es Facebook gleichtun, und seinen (noch) hohen Aktienkurs nutzen, um Neu-Kunden und interessante Inhalte zuzukaufen. Facebook kaufte unter anderem im Februar den SMS-Killer WhatsApp für 18 Milliarden Dollar und setzt bei seinen  Akquisitionen gern die eigenen Aktien als Kaufwährung ein.

Bevorzugtes Ziel Twitters soll ein Musikstreaming-Dienst sein, der es Nutzern ermöglicht, Musik unbegrenzt über das Web abzurufen, am PC ebenso wie am Smartphone. Streaming-Dienste wie Spotify, Wimp, Simfy oder Deezer schießen wie Pilze aus dem Boden, sie melden rasantes Kundenwachstum.

Facebook zeigt es seinen Kritikern

Konkret soll Twitter am Berliner Startup Soundcloud gesteigertes Interesse gehabt haben, soll aber eine exklusive Vorkaufsrecht-Deadline Anfang des Monats verstreichen lassen haben. Soundcloud sieht sich als „Youtube für Klang“; anstatt Videos stellen die Nutzer, meist Amateurmusiker ohne Plattenvertrag, dort ihre Sounddateien ein, um auf diese Art ein Publikum zu finden;  passive User streamen, kommentieren und bewerten die Stücke. Für den Massenmarkt- und damit die Werbeindustrie würde soundcloud aber nur interessant, wenn auch copyrightgeschützte, massentaugliche Musik abrufbar wäre. Angeblich verhandeln die Berliner deswegen nun mit Plattenfirmen über Streaming-Lizenzen. In der Tat scheint es aber schwierig, aus dem Konzept eine Gewinnmaschine a la Youtube oder iTunes zu machen. Es ähnelt eher dem Konzept der Selbstvermarktungs-Plattform mySpace, die sich nicht durchsetzen konnte und letztlich den Großteil seiner aktiven User an Facebook verlor.

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