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Software AG Was hätte Großaktionär Peter Schnell vom Verkauf der Software AG?

Unternehmenszentrale der Software AG in Darmstadt Quelle: dpa

Angeblich prüft das zweitgrößte Softwareunternehmen Deutschlands mehrere Zukunftsoptionen. Alle Pläne stehen und fallen jedoch mit der Zustimmung der Software AG Stiftung und deren Gründer.

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Warum stellt sich die Software AG immer wieder selbst ins Schaufenster? Angeblich prüft das Unternehmen aus Darmstadt derzeit mal wieder einen Verkauf und spielt mehrere Optionen für die Zukunft durch. Zumindest kurzzeitig wirkte die neue Dekoration der Auslage: Nachdem die US-Nachrichtenagentur Bloomberg die Pläne mit Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute Personen gemeldet hatte, stieg die Aktie der Software AG Ende vergangener Woche um elf Prozent, gab aber gestern wieder um ein knappes Prozent nach.

Mögliche Verkaufspläne des mit knapp 2,8 Milliarden Euro bewerteten Unternehmens stehen und fallen jedoch mit der Zustimmung des Ankerinvestors, der Software AG Stiftung, die rund 31 Prozent der Aktien von Deutschlands zweitgrößtem Softwareanbieter nach SAP hält. Software-AG-Mitgründer Peter Schnell hatte seine Anteile an dem 1969 gestarteten Unternehmen in den Neunzigerjahren in die gleichnamige Stiftung überführt. „Ohne Schnell geht bis heute nichts bei der Software AG“, sagt ein hochrangiger ehemaliger Manager des Unternehmens im Gespräch mit der WirtschaftsWoche, der ungenannt bleiben will. Auf Anfrage wollten weder die Software AG noch die Software AG Stiftung die Marktgerüchte kommentieren.

Für Kenner des Unternehmens kommen die Überlegungen hinsichtlich eines möglichen Verkaufs gleichwohl nicht wirklich überraschend: „Das gab es in den vergangenen zwei Dekaden bestimmt ein Dutzend Mal“, sagt der Insider. „Aber am Ende haben sich derlei Gedankenspiele immer wieder zerschlagen." Vor allem auch deshalb, weil Schnell solchen Plänen stets ablehnend gegenüber stand. Ein anderer Insider ergänzt: „Vor allem Private-Equity-Firmen haben immer wieder bei uns angeklopft“, so der Ex-Manager. Denkbar wäre etwa nach einem Delisting und dem Abschied vom Parkett die Zerschlagung des Unternehmens.



Denn die Software AG krankt seit vielen Jahren daran, dass sie über zwei völlig unterschiedliche Sparten verfügt, die wenig miteinander gemein haben: Auf der einen Seite das mehr als 50 Jahre alte Stammgeschäft mit Großrechnersoftware, allen voran den Datenbanken Adabas und Natural. Jenes Segment liefert seit Jahren relativ stabile Wartungserlöse, es wächst aber kaum noch.

Vor diesem Hintergrund hat das frühere Management um den heutigen Aufsichtsratschef Karl-Heinz Streibich der Software AG Ende der 2000er Jahre durch die Zukäufe des US-Anbieters WebMethods und der deutschen IDS Scheer mit sogenannter Integrationssoftware ein zweites Standbein verschafft. 

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    Software AG: Schon vor 15 Jahren den Anschluss verpasst

    Seitdem bewegen sich die Umsätze der Darmstädter weitgehend seitwärts. Mal verliert das Altgeschäft Umsatz, während das Neugeschäft wächst – und umgekehrt. Der seit Mitte 2018 amtierende Vorstandschef Sanjay Brahmawar wollte den Trend mit der „Operation Helix“ endlich durchbrechen und vor allem mit einem neuen Fokus auf das Internet der Dinge neues Wachstum anfachen – doch auch jene Bemühungen waren bisher vergeblich.

    „Im Grunde hat das Unternehmen schon vor 15 Jahren den Zug verpasst“, sagt der Ex-Manager, der lange bei der Software AG tätig war. „Man hätte nach den Zukäufen von WebMethods und IDS Scheer auf einem aggressiven Übernahmepfad weitermarschieren sollen, um das Unternehmen beim Umsatz in eine neue Größenordnung zu katapultieren." 

    Bleibt die Frage, welches Interesse der im Hintergrund immer noch die Fäden ziehende Schnell am Verkauf seiner Anteile hätte. Denn auch wenn die Software AG kaum gewachsen ist: Das Unternehmen ist profitabel und schüttet jedes Jahr eine Dividende aus – Geld also, mit dem Schnell all die Jahre problemlos viele soziale Projekte seiner gemeinnützigen Stiftung finanzieren konnte. „Warum sollte er davon jetzt Abstand nehmen“, fragt ein dritter Ex-Insider, der Schnell mehrfach persönlich getroffen hat.

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    Zudem fühlt sich Schnell der anthroposophischen Bewegung verbunden: So hat der heute 83-Jährige die Zentrale der Software AG in den Achtzigerjahren nach den Lehren des Schweizers und Vater der Anthroposophen, Rudolf Steiner, konzipieren lassen: Mit sechseckigen Gebäuden, die von oben an Waben erinnern – ohne rechten Winkel und mit viel Natur drum herum. Dass Schnell die Stiftungsanteile an der Software AG an einen amerikanischen Finanzinvestor verkaufe, sei daher mehr als unwahrscheinlich: „Die KKRs & Co. dieser Welt waren Schnell immer ein Gräuel“, sagt der Kenner. „Da sträuben sich ihm alle Nackenhaare.“

    Vielleicht geht die neuerliche Zukunftssondierung bei der Software AG aus wie alle bisherigen: Man hat spielt mögliche Optionen durch – und macht weiter wie bisher.

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