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Softwareikone SAP soll sexy werden

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Antrittsbesuch in Walldorf

Hasso Plattner Quelle: dapd

In Walldorf hat die Personalie bereits Wellen geschlagen: In der vergangenen Woche erklärte SAP-Co-Chef Snabe seinen Mitarbeitern per interner E-Mail nicht nur die Personalie Dalgaard, sondern auch das Ausscheiden des bisherigen Cloud-Verantwortlichen Peter Lorenz. Der altgediente Manager, der seit 1993 bei SAP arbeitet, wolle eine Auszeit nehmen.

Dalgaard selbst hat erste Schritte unternommen, um sich auf die höheren Weihen vorzubereiten. Nach der Ankündigung der Übernahme durch SAP im Dezember besuchte er sogleich die Zentrale seines künftigen Arbeitgebers in Walldorf. Er trat auf einer Mitarbeiterversammlung auf und sorgte mit wohlgewählten Worten für gute Stimmung bei den Beschäftigten. Walldorf sei für ihn fast wie eine Ankunft zu Hause, erzählte der Skandinavier den Deutschen in ihrer Muttersprache. Schließlich habe er früher einmal im hessischen Ladenburg in der Nähe von Darmstadt gewohnt, einer ähnlichen Kleinstadt wie das nordbadische Walldorf und nur eine halbe Autostunde entfernt. „Das ist sehr gut angekommen“, erinnert sich ein SAP-Manager unter den Zuhörern.

Plattner mischt sich wieder so stark ins Tagesgeschäft von SAP ein, seit der von ihm installierte glücklose Vorstandschef Léo Apotheker im Februar 2010 zurücktrat. Er will den Softwareriesen, den er 1972 mitgründete, fit machen für die nächste Dekade – und endgültig vor einer feindlichen Übernahme sichern. Da ist sich Plattner mit seinem alten Kompagnon Dietmar Hopp einig: „SAP soll langfristig eigenständig bleiben“, sagt Hopp im Interview.

In die Jahre gekommen

Innerhalb von vier Jahrzehnten haben Plattner, Hopp und ihre drei Gründerkollegen, allesamt Abtrünnige des IT-Riesen IBM, aus einer Fünf-Mann-Bude Deutschlands größten IT-Anbieter mit 53.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt fast 15 Milliarden Euro geformt. Mit Computerprogrammen zur Steuerung aller Unternehmensabläufe sind die Walldorfer Weltmarktführer geworden. SAP ist heute der einzige deutsche High-Tech-Konzern von Weltgeltung.

Umsatz- und Gewinnentwicklung von SAP Quelle: Unternehmensangaben, IDC

Doch das Gros der SAP-Software gilt inzwischen als schwerfällig und veraltet. Die sogenannte Business Suite, der Nachfolger des Erfolgsprodukts R/3, ist in die Jahre gekommen. Im Kern ist das Paket aus Buchhaltung, Finanzwesen und Produktionssteuerung weiterhin ein monolithischer Block, dessen Einführung die Unternehmen immer noch Monate, wenn nicht Jahre sowie viel Geld kostet. Zwar bestimmen die Altprodukte nach wie vor einen Großteil des Geschäfts. Und das lief zuletzt so gut wie nie: Ende Januar legten die beiden Vorstandschefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott Rekordzahlen fürs abgelaufene Geschäftsjahr vor. SAP setzte 2011 rund 14,2 Milliarden Euro um und verdiente netto gut vier Milliarden Euro – beides jeweils Spitzenwerte in der Unternehmensgeschichte.

Doch der Druck durch Wettbewerber wie den US-Giganten Oracle oder den Cloud-Marktführer Salesforce ist riesig. Zugleich durchlebt die gesamte IT-Industrie durch den Wandel in Richtung Cloud Computing eine ihrer größten Veränderungen seit Einführung des Internets vor knapp 20 Jahren. Zu viel Freude über das zurückliegende Superjahr ist deshalb gefährlich für SAP. „Der große Erfolg 2011 reduziert den Transformationsdruck“, sagt Helmuth Gümbel, Chef der Unternehmensberatung Strategy Partners und langjähriger Kenner des Unternehmens. „Dabei ist die Frage, ob SAP in Zukunftsfeldern wie Cloud Computing wirklich gut aufgestellt ist, längst nicht vom Tisch.“

1000-Mal schneller

Plattner will deshalb mit aller Macht Veränderungen durchboxen, auch wenn es – wie sein Auftritt in Palo Alto zeigt – gegen die Stammmannschaft in Walldorf geht. Am besten zeigt sich dies am Beispiel der In-Memory-Technologie, Plattners absolutem Lieblingsthema. Dabei handelt es sich um eine spezielle Datenbanksoftware, die Daten nicht mehr auf einer Festplatte speichert und ausliest, sondern direkt im Hauptspeicher der Rechners ablegt. Für den Nutzer ist das so, als müsse er zwischen zwei Städten keine Landstraße mit Ampeln und Kreuzungen mehr nehmen, weil es nur noch Autobahnen gibt. Ähnlich wie dort die Fahrzeuge, so rasen bei In-Memory die Daten ungebremst hin und her. Das liefert vor allem bei komplizierten Analyse-Abfragen in sehr großen Datenbeständen die Antworten mindestens 1000-mal schneller als bisher.

Die Idee für diese Technologie hatte Plattner schon vor geraumer Zeit. Zunächst entwickelte er an seinem eigenen Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam gemeinsam mit SAP die Grundlagen. Als sich herauskristallisierte, dass sich eine derartige Technologie tatsächlich realisieren ließ, ging er mit SAP in die Offensive: Das Unternehmen tat sich mit namhaften Computerherstellern wie IBM, Hewlett-Packard und Dell zusammen, um mit der neuen Technologie ein Produkt zu konzipieren. Was die beiden Konzernchefs Snabe und McDermott im Frühjahr 2010 erstmals der Öffentlichkeit vorstellten, tauften sie Hana, was für High-Performance Analytic Appliance steht. Das Wortungetüm beschreibt eine aufeinander abgestimmte Kombination aus einem Hochleistungsrechner und der neuen superschnellen Datenbanktechnologie von SAP.

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