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Softwareikone SAP soll sexy werden

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Datenbank als Wunderwaffe

Ein Kunde bedient in einem Apple-Laden sein neues iPad Quelle: dapd

Was die neue Wunderwaffe Hana in der Praxis bewirkt, lässt SAP die japanische Elektromarktkette Yodobashi gern vorführen. Früher benötigte das Unternehmen drei Tage, um die Treueboni für ihre Kunden aus den ständig eingehenden Daten zu destillieren. „Mit Hana dauert es nur noch zwei Sekunden“, sagt Plattner.

Nicht allzu lang soll es auch dauern, bis Hana für SAP zum großen Geschäft wird. Prototypen sind bei ausgewählten Kunden wie Yodobashi seit November 2010 im Einsatz. Regulär zum Kauf angeboten wird Hana allerdings erst seit Mitte 2011. Trotzdem hat SAP bis zum Jahresende bereits 160 Millionen Euro damit umgesetzt. „Hana ist das am schnellsten wachsende Produkt in der SAP-Geschichte“, sagt SAP-Co-Chef Snabe.

Diesen Erfolg verdanken die Badener weitgehend dem guten Gespür ihres Oberaufsehers und Chef-Visionärs Plattner. „Ohne Plattner gäbe es kein Hana“, sagt ein hochrangiger SAP-Manager, der ungenannt bleiben will.

Den ganz großen Durchbruch für ihre Innovationen erhoffen sich die SAPler, wenn das sogenannte Internet der Dinge Einzug hält. Darunter verstehen IT-Experten den Trend, dass künftig praktisch alle Geräte – vom Computer über Kühlschrank und Fernseher bis hin zur industriellen Großmaschine – über das Web miteinander verbunden werden und kommunizieren können. Branchenanalyst Gümbel, der oft auch als SAP-Kritiker von sich reden machte, lobt hier die Weitsicht des Konzern-Oberaufsehers: „Plattner hat als Erster klar gesehen, dass das kommende Zeitalter des Internets der Dinge die Datenvolumina so sehr anschwellen lässt, dass heutige Datenbanksysteme nicht mehr funktionieren.“

Umsatz nach Segmenten und Regionen Quelle: Unternehmensangaben, IDC

Riesiges Potenzial

Laut einem internen SAP-Papier soll Hana bereits 2012 rund eine Milliarde Euro in die Konzernkassen spülen, rund dreimal so viel wie im zweiten Halbjahr 2011. Die Hamburger Privatbank M.M. Warburg zählte Anfang März rund 50 Unternehmen, die Hana in der Anlaufphase nutzen, weitere 2000 sind im Wartestand, allein bis Ende dieses Jahres wolle SAP 1000 Hana-Kunden gewinnen. Unter anderem wegen seines riesigen Potenzials hat Hana jetzt den Deutschen Innovationspreis gewonnen, den die WirtschaftsWoche gemeinsam mit der Unternehmensberatung Accenture, dem baden-württembergischen Energiekonzern EnBW und dem Essener Chemie- und Immobilienriesen Evonik vergibt.

Auch im Cloud-Geschäft, dem nächsten Wachstumsfeld der Walldorfer, ist die Handschrift von Plattner klar zu erkennen ist. Ohne seine Rückendeckung hätten Snabe und McDermott die Anfang Dezember vergangenen Jahres angekündigte Übernahme des Cloud-Anbieters SuccessFactors nicht so reibungslos vom Aufsichtsrat abgesegnet bekommen. Immerhin mussten die Walldorfer rund 3,4 Milliarden Dollar für SuccessFactors auf den Tisch legen. Und das für ein Unternehmen, das 2010 gerade 206 Millionen Dollar Umsatz und keine Gewinne machte. Doch Plattner ficht das nicht an. „Man darf nicht auf den momentanen Gewinn und auch nicht den Umsatz schauen“, sagt er, „wichtig ist die Wachstumsrate des Umsatzes.“

Plattner warf sich für den Kauf von SuccessFactors so sehr ins Zeug, weil ihm die Entwicklung des Cloud Computing am Stammsitz in Walldorf viel zu lange dauerte. Zehn Jahre währte das Martyrium Business By Design, bis die Cloud-fähige Software endlich auf dem Markt war. Durch ständige Änderungen der Vorgaben und wechselnde Verantwortlichkeiten drohte SAP einen uneinholbaren Rückstand im Geschäft mit der Computerwolke zu erleiden. Mit SuccessFactors ist nun der Cloud-Anbieter mit weltweit den meisten Nutzern Teil des Konzerns. Mehr als 15 Millionen Anwender bei rund 3500 Unternehmen benutzen die Systeme der Amerikaner.

Andere Denke

Die Impulse, die SAP von dem US-Spezialisten erwartet, können nach Meinung von Experten gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Das Cloud-Geschäft funktioniert völlig anders als traditionelle Software“, sagt Strategy-Partner-Analyst Gümbel. Daher erfordere es auch eine andere Denke, um das Geschäft voranzubringen. Und die hat Plattner nun im Haus – wohl auch, wie seine Rede in Palo Alto zeigt, um den Druck auf die Mannschaft in Deutschland zu erhöhen.

Das dritte Wachstumsfeld von SAP sind mobile Anwendungen – ein Geschäft, in das die Walldorfer dank der zweiten Großübernahme in ihrer Geschichte eingestiegen sind. Im Mai 2010, knapp drei Monate nach ihrem Amtsantritt, verkünden die beiden Chefs Snabe und McDermott den Kauf des US-Softwareanbieters Sybase für rund 4,6 Milliarden Euro. Sybase ist stark in der mobilen IT und soll SAP helfen, komplett neue Kunden anzusprechen. „Mit der Übernahme öffnen wir unsere Unternehmensanwendungen mehreren Hundert Millionen mobilen Nutzern“, prophezeite McDermott.

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