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Softwareikone SAP soll sexy werden

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Hausgemachte Probleme

Snabe (links) und McDermott Quelle: laif

Inzwischen zählt das Mobilgeschäft zu den fünf Kernsparten von SAP und zu den wachstumsstärksten. Allein 2011 setzten die Walldorfer mit mobilen Anwendungen 110 Millionen Euro um, dabei existiert die neue Plattform erst ein paar Monate. In diesem Jahr sollen es 400 Millionen sein, fast viermal so viel.

Auch wenn es eine Zeit lang so schien: Richtig zurückgezogen hat sich SAP-Übervater Plattner seit seinem Abschied als Vorstandschef im Jahr 2003 aus dem Tagesgeschäft eigentlich nie. Neben seinem Posten des Chefkontrolleur bekleidet er nämlich auch den Posten des Chief Software Advisors, also Chef-Software-Beraters. In der Praxis bedeutete der wohlklingende Titel, dass der studierte Nachrichtentechniker seitdem vor allem in seinem Büro in Palo Alto über die nächsten heißen Trends in der Softwareindustrie sinniert und versucht, daraus Denkanstöße für neue SAP-Produkte zu geben. So hätte Plattner allmählich in den Ruhestand gleiten können.

Marktanteile bei Unternehmenssoftware Quelle: Unternehmensangaben, IDC

Doch daraus wurde nichts. Ende 2009 musste der Pendler zwischen den Welten erkennen, dass er nicht nur als Ideengeber gefordert war. SAP schlitterte in eine ernste Krise. Zum einen ging das Geschäft infolge der Finanzkrise durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman 2008 zurück.

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    Zum anderen kämpfte der Konzern mit hausgemachten Problemen. Der damals mit Zustimmung Plattners neu berufene Vorstandschef Apotheker brüskierte mit einem rüden Kurs Mitarbeiter und Kunden. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit war Apotheker auf die Idee gekommen, die Preise für die Wartung der SAP-Softwarepakete zu erhöhen. Auf offene Briefe, in denen sich Unternehmen beschwerten, reagierte er gar nicht oder nur widerwillig. Daraufhin traten SAP-Kunden in einen regelrechten Käuferstreik. Prompt präsentierte Apotheker Ende Januar 2010 dramatisch schlechte Zahlen für 2009. Der Umsatz schrumpfte um acht Prozent. Vor allem der Verkauf der Software, die später die Einnahmen für Wartung bringt, brach um fast 30 Prozent ein.

    Keine zwei Wochen später reagierte Plattner schnell und eiskalt. Übers Wochenende verkündete er dem verdutzten Apotheker, der Aufsichtsrat werde seinen Ende 2010 ablaufenden Vertrag nicht verlängern. Apotheker gab umgehend seinen Rücktritt bekannt. Plattner installierte die Doppelspitze aus dem 50-jährigen Amerikaner McDermott sowie dem 46-jährigen Dänen Snabe.

    Das Gespann zusammen mit Plattners neuem Ziehsohn scheint das ideale Führungsteam, um die Metamorphose von SAP zu schaffen. McDermott und Snabe ergänzen sich geradezu optimal. Der Amerikaner McDermott ist der exzellente Verkäufer, der seit seinem Einsteig bei SAP im Jahr 2002 das lange Zeit krisengeplagte Geschäft der Walldorfer in den USA, immerhin dem größten Softwaremarkt der Welt, auf Vordermann brachte. Und schließlich formte er den weltweiten Vertrieb zu einer schlagkräftigen Einheit.

    McDermotts Gegenüber Snabe dagegen arbeitet bis auf einen kurzen Abstecher zu IBM seit 1990 für SAP, besitzt also den notwendigen Walldorfer Stallgeruch. Er ist der perfekte Gegenpol. Snabe spricht die Sprache der Softwareingenieure, weil er zeitweise der SAP-Entwicklungsmannschaft vorstand. „Die Doppelspitze ist ein genialer Schachzug von Plattner gewesen – und sie funktioniert eigentlich nur in der SAP-eigenen konsensorientierten Managementkultur“, sagt Rüdiger Spies, Analyst beim amerikanischen IT-Marktbeobachter IDC in München. Probleme für Plattners neuen Liebling Dalgaard sieht er in dieser Konstellation keine. „Dalgaard passt sehr gut in das SAP-Führungsteam“, sagt Spies. „Die Besetzung wird nicht zu Verwerfungen innerhalb der SAP führen.“

    Keine Aufstiegsgarantie

    Dennoch darf Dalgaard seine Rolle als Plattners Ziehsohn nicht mit einer Aufstiegsgarantie verwechseln. Das zeigte Shai Agassi, der lange Jahre als Plattners Sohn im Geiste galt. Auch der Israeli war 2001 durch eine Übernahme zu SAP gestoßen, nachdem die Walldorfer das von ihm gegründete US-Softwarehaus TopTier übernommen hatten. Der smarte Neuzugang rückte schnell in den Vorstand auf und galt als designierter Nachfolger des damaligen Vorstandschefs Kagermann.

    IT



    Doch die SAPler wurden mit Agassi nie warm. Spätestens seitdem er auf einer internen Veranstaltung mit Supermann-Umhang die Bühne betrat, machten immer mehr in der Zentrale in Walldorf einen Bogen um ihn und verspotteten seine Residenz als „Shai’s Haus“. Entnervt von den ständigen Querelen, schmiss Agassi im Frühjahr 2007 völlig unerwartet hin.

    Dass Dalgaard ein ähnliches Schicksal ereilt, steht indes nicht zu befürchten. „Der ist keiner, der überschnappt“, sagt IDC-Analyst Spies. „Der bleibt auf dem Boden.“

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