Sprachgesteuertes Büro Alexa muss jetzt arbeiten gehen

Amazon startet mit Alexa for Business das Zeitalter des sprachgesteuerten Büros. Der größte Verlierer könnte dabei Microsoft sein. Denn Satya Nadella öffnet Amazon eine Hintertür in seine größten Schatzkammern.

Der Lautsprecher Amazon Echo mit dem Alexa Voice Service Quelle: dpa

Las Vegas„Alexa, setze ein Treffen mit dem Marketingteam um 15 Uhr an.“ Ein einziges Sprachkommando wie dieses soll in Zukunft Meetings starten, Konferenzräume buchen, Videokonferenzen beitreten oder Verkaufspräsentationen direkt aus Salesforce.com aufrufen.

Eine Software verwaltet gemeinsam alle Echo-Geräte eines Unternehmens, weist Berechtigungen oder Funktionen zu. WeWork, das Bürostart-up aus New York ist einer der Teilnehmer des Beta-Tests und wird Kunden und eigenen Angestellten ermöglichen, die Lichter im Gebäude zu bedienen oder Konferenzräume zu buchen. Das Luxushotel Wynn’s in Las Vegas installiert Echo-Sprachassistenten auf jedem Zimmer. Die Gäste öffnen und schließen mit ihrer Stimme Vorhänge, bedienen Fernseher oder Lichtschalter, bestellen Essen aufs Zimmer.

Unternehmen werden direkten Zugriff auf ihre Unternehmenssoftware auf Amazons Cloud-Service AWS bekommen oder können Bürobedarf über die Lautsprecher ordern. Der Aufstieg der Sprache als natürlichem Weg zur Steuerung von IT, ist nach Meinung von AWS-Technikvorstand Werner Vogels nicht mehr aufzuhalten. „Je mehr man sie nutzt, um so mehr will man haben“, erklärte er auf der AWS-Veranstaltung re:Invent in Las Vegas vor rund 40.000 Zuhörern.

Für Amazon hat dieser Vorstoß zwei große Vorteile. Zum einen bekommt der weltgrößte Cloud-Anbieter und Onlinehändler zusätzliche Informationen aus dem Berufsleben seiner Kunden und außerdem winkt der Verkauf von zigtausenden Echo-Geräten. Schon heute ist Echo einsamer Marktführer vor Google Home, Apples Sire oder Microsofts Cortana.

Microsoft könnte ohnehin der große Verlierer dieser Aktion sein. Gemäß seiner neuen Politik der Offenheit hat Microsoft-Chef Satya Nadella mit Amazon eine Kooperation geschlossen, die es den beiden Digitalassistenten der Unternehmen, Alexa und Cortana, erlaubt, miteinander zu reden. Alexa kann zum Beispiel Cortana anweisen, einen Befehl auszuführen.

Cortana wiederum wird der zentrale Digitalassistent in allen Angeboten vom Microsoft werden, was sowohl die Office-Produkte wie Office 365 beinhaltet wie die Business-Anwendungen Microsoft Dynamics und Dienste, die auf der Cloud-Plattform Azure laufen. Gerade erst haben SAP und Microsoft angekündigt, SAP S/4 Hana in Azure zu integrieren und mit künstlicher Intelligenz von Microsoft auszustatten.

Mit anderen Worten: Nadella öffnet Amazon eine Hintertür in seine größten Schatzkammern. Die Office-Sparten „Produktivität“ mit 8,2 Milliarden Dollar Umsatz im abgelaufenen Quartal und „Intelligent Cloud“ mit 6,9 Milliarden Dollar Quartalsumsatz sind die größten Hoffnungsträger in Redmond. Jeder theoretische Mehrgewinn für Cortana durch möglichen Zugang zu AWS-Kunden kann das nicht aufwiegen.

„Mit seinem neuen Dienst trampelt Amazon mit seinen riesigen Latschen quer über die Dienste seines neuen besten Freundes Microsoft und dessen Assistenten Cortana“, fasst Analyst Richard Windsor von Edison Investment Research die Lage blumig zusammen: „Amazon nimmt jetzt die Abkürzung und geht Microsofts Unternehmenskunden direkt an. „Letztlich könnte sogar Amazons Cloud-Dienst AWS von Microsofts künstlicher Intelligenz profitieren. Hier liegt Amazon hinter Microsoft noch zurück.

Am Mittwoch präsentierte AWS-CEO Andy Jassy in Las Vegas einen ehrgeizigen Aufholplan für Maschinen und künstliche Intelligenz. Doch bis dahin könnte die Konkurrenz aushelfen.
Noch ein weiterer Vorteil könnte auf Amazons Seite liegen: Beide Unternehmen sind kläglich im Smartphonemarkt gescheitert. Jetzt läuft Microsoft Gefahr, auch noch den Markt für Sprachassistenten zu verlieren. Ausgerechnet an Amazon.

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