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Staatskonzern im Umbruch Was 2018 auf die Telekom zukommt

Die mögliche Versteigerung von 5G-Frequenzen wird 2018 eine Herausforderung für den Telekom-CEO. Quelle: dpa

Das neue Jahr beginnt für den Konzern mit zwei neuen Vorständen: Dirk Wössner muss das Deutschlandgeschäft in der Spur halten und Adel Al-Saleh T-Systems auf Kurs bringen. Und auch im Ausland hat die Telekom viel zu tun.

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Wenn sich der Vorstand der Deutschen Telekom, wie jeden Dienstag, um den Konferenztisch im vierten Stock versammelt, wird Chef Höttges gleich zwei neue in der Runde begrüßen: Dirk Wössner und Adel Al-Saleh. Ersteren kennen die meisten seit Jahren, 13 Jahre hat er bei der Telekom gearbeitet, bevor er 2015 zu einem kanadischem Telekommunikationsanbieter wechselte. Jetzt ist er zurück und wird das Deutschlandgeschäft führen.

Adel Al-Saleh ist dagegen vielen noch unbekannt. Der Amerikaner war die vergangenen sieben Jahre Chef des britischen IT-Dienstleister Northgate Information Solutions (NIS). Dort hat er das Portfolio verschlankt, der Gruppe eine neue Strategie gegeben und alles auf Effizienz getrimmt. Und genau das wird er nun noch einmal machen müssen: Adel Al-Saleh ist nun Chef der konstant kriselnden Großkundensparte der Telekom, T-Systems.

Wie genau sein Konzept für die Tochter aussieht, wird sich noch zeigen. Klar ist, so wie es derzeit läuft, wird es nicht bleiben können. T-Systems schreibt seit mehr als einem Jahrzehnt fast pausenlos Verluste. Im vergangenen Jahr stieg zwar die Zahl der Aufträge um fast 18 Prozent, nur in finanziellen Erfolg konnte T-Systems das nicht ummünzen. Der Umsatz fiel 2016 um 3,5 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro, der bereinigte Gewinn (Ebitda) um 21,4 Prozent auf 582 Millionen Euro. Grund dafür waren unter anderem niedrigere Marktpreise und Abschreibungen auf Großprojekte. Gleichzeitig investierte der Konzern mehr als eine Milliarden Euro in die Digitalisierung des Bereichs und den Aufbau neuer Geschäftsfelder. 

Es ist wahrscheinlich, dass Al-Saleh einzelne Bereiche der T-Systems verkauft – wenn er die Chance dazu bekommt. Derartige Pläne werden in der Telekom nach Informationen des Handelsblatts schon länger diskutiert, allerdings wollte man erst einmal darauf warten, bis der neue sein Amt angetreten und sich eingearbeitet hat. So könnte die Sparte für klassische IT-Dienstleistungen herausgelöst und verkauft werden oder in einem Joint Venture aufgehen. Allerdings wird es nicht einfach, einen Partner zu finden. Als mögliche Käufer oder Partner war unter anderem der französischer IT-Dienstleister Atos im Gespräch, allerdings hatte der erst vor kurzem angekündigt, den Chiphersteller Gemalto für 4,3 Milliarden Euro kaufen zu wollen.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte Al-Salehs neuer Kollege Wössner einen einfacheren Start. Mit Blick auf die Bilanz des dritten Quartals hat sein Vorgänger Niek Jan van Damme hat ihm ein stabiles Deutschlandgeschäft hinterlassen. Umsatz, Ergebnis und  bereinigte Ebitda-Marge sind gestiegen. Allerdings hat Wössner im kommenden Jahr noch einiges vor sich. Zunächst stehen  hohe Investitionen an. 2017 wollte der Konzern bereits fünf Milliarden Euro in Deutschland investieren, 2018 soll es ähnlich viel sein – aber es könnte auch noch viel mehr werden.

In den nächsten Wochen entscheidet die Bundesnetzagentur über das Design für die Versteigung von Frequenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G. Zwar versuchen Telekom und Wettbewerber alles, um die Agentur davon zu überzeugen, nicht wieder eine Auktion wie in den vergangenen Jahren zu veranstalten, doch ob sie Erfolg haben werden, wird sich zeigen müssen. 2015 hatten die drei Mobilfunkanbieter gemeinsam 5,08 Milliarden Euro für Frequenzen gezahlt.

Dabei braucht die Telekom das Geld. Zwar verkündete der Konzern Mitte Dezember stolz, 2017 erstmals über 40.000 Kilometer Glasfaser verlegt zu haben. Soviel, wie noch nie zuvor innerhalb eines Jahres. Er versorgt nun 93 Prozent der deutschen Bevölkerung mit schnellem LTE über den Mobilfunk. Aber das reicht noch nicht. Walter Goldenits, Technikchef der Telekom in Deutschland hatte zuletzt erklären lassen, 2018 sollen 60.000 Kilometer Glasfaser verlegt und in der zweiten Jahreshälfte die VDSL-Anschlüsse noch einmal technisch hochgerüstet werden. Mit „Super-Vectoring“ will die Telekom dann den Kunden Internetgeschwindigkeiten von bis zu 250 Megabit die Sekunde (Mbit/s) anbieten. Damit will sie wieder stärker an die Kabelanbieter aufschließen, die heute schon bis zu 400 Mbit/s anbieten.

T-Mobile US mit TV-Mission

Allerdings wird die Telekom damit ihre neuen Freunde ein Stück weit wieder verprellen. Der Konzern hatte zuletzt unter kräftigem Mitwirken von CEO Timotheus Höttges um Kooperationen beim Breitbandausbau geworben. Die Wettbewerber stehen dem auch grundsätzlich positiv gegenüber, allerdings fordern einige, dass die Telekom kein „Super-Vectoring“ anbietet, damit ihre eigenen Investitionen in schnelleres Glasfaser nicht entwertet werden. Auch diesen Konflikt wird Wössner mitaustragen müssen.

Sein Kollege Srini Gopolan hat derweil schon sein erstes Jahr bei der Deutschen Telekom mit Höhen und Tiefen hinter sich. Seit Januar 2017 ist er Europa-Vorstand und musste sich überlegen, was er mit kriselnden Töchtern wie denen in Rumänien, Polen oder Österreich machen soll. Für letztere hat er kurz vor Jahresende noch eine vielversprechende Lösung gefunden. Der  Konzern will  für die Tochter T-Mobile Austria das Kabelnetz von Liberty Global, UPC Austria, für 1,9 Milliarden Euro kaufen.

Markenwerte der wertvollsten Telekommunikationsmarken

Mit UPC könnte die Telekom dann Festnetz, Fernsehen, Internet und Mobilfunk aus einer Hand anbieten – und im scharfen Wettbewerb zu Konkurrenten wieder aufschließen. Allerdings müssend die Kartellbehörden der Übernahme noch zustimmen und dann muss sie noch vollzogen werden. Und wie lange das dauern kann, lässt sich an der Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone sehen: Jahre. Allerdings ist Österreich deutlich kleiner, daher muss die Integration nicht ganz so lange dauern.

Auch in den Niederlanden hat die Telekom ähnliches vor: Kurz vor Jahresschluss verkündete der Konzern,  die Geschäfte des schwedischen Anbieters Tele2 für 190 Millionen Euro zum großen Teil zu übernehmen. Allerdings wird diese Integration nicht Srini Gopalans Problem sein, die Tochter ist seit einem Jahr nicht mehr Teil des Europa-Geschäfts, sondern gehört zur Sparte Group Development von Telekoms Oberauf- und –verkäufer und Thorsten Langheim.

2018 wird auch aus den USA noch einiges auf die Telekom, zukommen, auch wenn sie dabei  im operativen Geschäft mit Ausnahme der Aufseherfunktion im Board nur zusehen darf.  Die Telekom hält noch rund zwei Drittel der Aktien. Die Tochter steuert fast die Hälfte zum Konzernumsatz bei, ihre Entwicklung ist damit sehr wichtig. Und Mitte Dezember hatte T-Mobile-US-Chef  John Legere seinen nächsten großen Coup angekündigt: den Einstieg ins US-Fernsehgeschäft. Dafür will T-Mobile US den TV-Anbieter Layer3TV übernehmen und darüber einen eigenen Fernsehservice anbieten.

In Zukunft sollen die TV-Dienste über jede mögliche Internetverbindung angeboten werden, auch über den Mobilfunk per App. Legere will all das besser zu machen, was die Kunden bisher an ihren TV-Anbietern stört, etwa den Zwang, lang laufende Verträge abzuschließen. Gleichzeitig will T-Mobile US das Angebot passgenauer auf den jeweiligen Kunden zuschneiden, indem es seine Nutzungsdaten auswertet. Einen Preis für die Übernahme nannten die beiden Unternehmen nicht. Wahrscheinlich wird T-Mobile US sie ohne Zuschuss der Konzernmutter stemmen. Die braucht ihr Geld: 2018 könnte für sie sehr teuer werden.

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