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Stellenabbau bei Blackberry Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Dass der kanadische Smartphone-Pionier bis zu 40 Prozent der Beschäftigten abbauen will, wundert nicht: Blackberry hat bei seinem neuen Flaggschiff-Produkt leichtfertig eine Verspätung von fast einem Jahr hingenommen – im Mobilgeschäft eine kleine Ewigkeit.

Blackberry-Chef Thorsten Heins bei der Vorstellung des neuen Betriebssystems Blackberry 10. Der Marktstart wurde zu lange verschoben. Quelle: REUTERS

Schon vor etwas mehr als einem Jahr haben Analysten den kanadischen Smartphone-Pionier Blackberry in drastischer Form dargestellt als tickende Zeitbombe, die gerade explodiert sei. Grund dafür war der damals schon dramatische Einbruch von Umsatz, Gewinn und Marktanteilen.

Dennoch versuchte Blackberry-Chef Thorsten Heins die Situation positiv darzustellen: „Ja, die nächsten Quartale werden eine Herausforderung für das Unternehmen“, sagte Heins im Juli 2012 Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“. „Als Todesspirale bewerte ich die Situation nicht.“ Heute, gut anderhalb Jahre später, zeigt sich: Genau darin befindet sich Blackberry. Denn Heins ist es bis heute nicht gelungen, die Abwärtsspirale aus bröckelnden Erlösen und schrumpfenden Marktanteilen zu durchbrechen.

An welchen Baustellen Blackberry gescheitert ist
Blackberry macht eine überraschende Kehrtwende im Überlebenskampf: Der notleidende Smartphone-Pionier hat seinen geplanten Verkauf am 4. November 2011 abgesagt, Konzernchef Thorsten Heins geht. Geldgeber um die kanadische Finanzfirma Fairfax Financial wollen nun eine Milliarde Dollar in das Unternehmen stecken, statt es wie ursprünglich geplant zu übernehmen. Der aus Deutschland stammende Heins nimmt seinen Hut, sobald die Finanzspritze eingegangen ist. Quelle: dpa
Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten im August selbst zum Verkauf gestellt. Fairfax Financial hatte bereits den grundsätzlichen Zuschlag für 4,7 Milliarden Dollar erhalten. Doch in den ersten Novembertagen mehrten sich die Anzeichen, dass die Finanzfirma das Geld für eine komplette Übernahme nicht zusammenbekommt. Auch die beiden Blackberry-Mitgründer Michael Lazaridis und Doug Fregin arbeiteten im Hintergrund an einem Gebot. Blackberry soll dem „Wall Street Journal“ zufolge sogar mit dem Online-Netzwerk Facebook gesprochen haben. Dagegen hätten der Software-Riese Oracle und das Karriere-Netzwerk LinkedIn sich gar nicht erst auf ein Treffen eingelassen. Quelle: REUTERS
Als RIM-Chef Thorsten Heins im Januar 2012 den Chefposten bei Blackberry übernahm, war der Konzern bereits in einem schlechten Zustand. Die Aktie hatte 2011 drei Viertel ihres Werts verloren, die Marktanteile waren rapide gesunken, der Konzern hatte hohe Verluste eingefahren. Quelle: REUTERS
Gründe gab es dafür viele. Der wohl schwerwiegendste Fehler geht auf das Konto von Gründer Mike Lazaridis und seinem Partner Jim Balsillie, der 1992 zu Blackberry kam. Beide hatten die Konkurrenz völlig unterschätzt. Als 2007 Apple mit dem iPhone auf den Markt kam, konnten sich die beiden Manager nicht vorstellen, dass sich tastenlose Handys mit großem Display durchsetzen würden. Quelle: REUTERS
Vielleicht waren die Blackberry-Chefs zu geblendet vom Coolness-Faktor, den Blackberry jahrelang zweifellos hatte. In der Welt der Nadelstreifen, als ein Mobilfunkvertrag noch etwas Elitäres war und sich teure Datenverträge ohnehin nur Manager leisten konnten, die vor dem Einstieg in den Privatjet schnell noch mal die E-Mails checkten, war Blackberry das Kommunikationsgerät schlechthin. Doch... Quelle: dapd
.... mit Aufkommen des iPhones (im Bild ist das neue iPhone 5s zu sehen) wollten auch Privatnutzer ein Smartphone - zum Musikhören, Fotos machen und im Internet surfen. Blackberry verpasste die veränderten Nutzergewohnheiten. Die Verbraucher brachten deshalb lieber ihr neues Spielzeug, das iPhone, mit ins Büro. Am Ende musste RIM dann neben Apple auch noch Android-Geräte vorbeiziehen lassen. Auch beim Design verlor RIM in dieser Zeit den Anschluss. Quelle: AP
Nächste große Panne: Beim Thema Apps zögerte RIM viel zu lange. Der Einstieg in den Markt für Software-Apps erfolgte erst spät mit der fünften Version des Betriebssystems. Die Vielfalt der Blackberry-Modelle mit und ohne Tastatur und verschiedenen Bildschirmgrößen macht es für Software-Hersteller zudem extrem kompliziert, für Blackberry zu programmieren. Quelle: REUTERS

Ganz im Gegenteil sogar: Laut einer Anfang August veröffentlichten IDC-Studie ist der weltweite Marktanteil von Blackberry im Smartphone-Geschäft von gut fünf Prozent vor einem Jahr auf nur noch 2,9 Prozent im zweiten Quartal 2013 eingebrochen. Damit ist Blackberry erstmals auf Platz vier der mobilen Ökosysteme hinter Android von Google, Apple und Windows Phone zurückgefallen.

Berichte, dass Blackberry jetzt bis zu 40 Prozent der Belegschaft streichen will, kommen daher nicht wirklich überraschend. Denn die Kanadier haben den vielleicht größten Fehler gemacht, den man in dieser so äußert schnelllebigen Mobilindustrie machen kann: Sie sind mit ihrem wichtigsten Produkt zu spät am Markt – und zwar fast ein ganzes Jahr zu spät.

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Die Rede ist vom neuen Betriebssystem Blackberry 10, das inklusive neuer Smartphones eigentlich Mitte des vergangenen Jahres veröffentlicht werden sollte. Doch Heins musste den Marktstart auf Anfang 2013 verschieben. Bis die neuen Geräte dann in den Läden standen, war es Mai. Bis dahin hatte selbst der lange abgeschlagene Softwarekonzern Microsoft mit seiner Mobilplattform Windows Phone die Kanadier überholt.

Die Verzögerung sei ärgerlich, aber kein Problem, beteuerte Heins noch im Juli 2012: „Ich glaube nicht, dass bei der Einführung einer komplett neuen Plattform für das mobile Computing zwei Monate letztlich kriegsentscheidend sind.“  Heute kann das Fazit über Blackberry dagegen nur lauten: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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