WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Stellenstreichungen Höttges' erster Schlag sitzt

Der designierte Telekom-Chef Höttges will sich als knallharter Sanierer profilieren. Mit dem Kahlschlag bei T-Systems zeigt er, auf welches Spiel er sich in Zukunft nicht mehr einlässt.

T-Systems leidet seit langem unter dem Preisdiktat der Großen. Hoffnung auf Besserung hat der neue Telekom-Chef Timotheus Höttges offensichtlich keine mehr. Quelle: dpa

Topmanager haben viel mit Boxern gemeinsam. Wer Herr im Ring ist, entscheidet sich oft schon in der ersten Runde. Besonders gut gelingt dies dann,  wenn der erste Schlag ein Volltreffer ist. Ähnlich ist es auch bei Topmanagern, die zum Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns aufsteigen. Der erste Schlag erzeugt intern wie extern ein so großes Echo, dass der Name des neuen Bosses mit diesem Prestigeprojekt in die Unternehmensgeschichte eingeht.

Als René Obermann vor sieben Jahren an die Spitze der Telekom rückte, baute er zuerst die gesamte Organisations- und Gehaltsstruktur im Kundenservice um. Obermann wusste: Wenn er die Telekom vom Behördenmief befreien wollte, dann musste er gegen alle Widerstände eine Lösung für diese Großbaustelle finden. Die Telekom als kundenfreundliches Unternehmen ohne endlose Warteschleifen an den Hotlines und mit pünktlichen Servicetechnikern – Weltklasse ist das noch lange nicht, aber viel hat Obermann gleich zu Beginn seiner Amtszeit angeschoben.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Am 1. Januar steigt mit Timotheus Höttges zum ersten Mal ein gelernter Controller als Telekom-Chef in den Ring. Der 51-Jährige will sich stärker als all seine Vorgänger als knallharter Sanierer profilieren und den Konzern stärker auf Rendite und Profitabilität trimmen. Deshalb passt es perfekt zur Dramaturgie von Höttges Inthronisierung, dass der erste Schlag gleich ein Kahlschlag ist. Betroffen ist mit T-Systems genau die Sparte, die seit Jahren die geringste Rendite abwirft und der Höttges als Finanzvorstand immer wieder die Bewährungsfristen verlängerte. Damit ist jetzt Schluss. In den kommenden drei Jahren will Höttges in der Großkundensparte bis zu 6000 Arbeitsplätze abbauen oder verlagern. Entsprechende Pläne will Höttges dem Aufsichtsrat am 12. Dezember vorlegen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

T-Systems gilt seit Jahren als eines der größten Sorgenkinder im Telekom-Konzern. In seine  Mittelfristplanungen nahm der Telekom-Vorstand regelmäßig die Zielvorgabe auf, dass die Großkundensparte einen operativen Gewinn von mindestens sechs Prozent vom Umsatz abwerfen müsse. Erreichen konnte T-Systems-Chef Reinhard Clemens dieses Ziel nie, im Geschäftsjahr 2012 waren es sogar nur 1,1 Prozent. Denn die dafür benötigten Umsatzzuwächse ließen sich trotz einiger Vertriebsoffensiven nicht einfahren.

Ständig wurde umstrukturiert, viele Manager mussten ihren Posten räumen – doch geändert hat sich dadurch nichts. Wer mit den größten europäischen Konzernen beim Outsourcing ihrer IT ins Geschäft kommen will, muss bei den Preisnachlässen soweit über die Schmerzgrenzen gehen, dass sich solche Big Deals oft erst nach vielen Jahren lohnen. Unter diesem Preisdiktat der Großen leidet T-Systems seit Langem. Dass sich dies mal ändern könnte, diese Geduld bringt Höttges nicht mehr auf.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%