Streaming Dienst Trotz Wachstum bleiben Zweifel am Netflix-Kurs

Die Zahlen sprechen für Netflix: Die Kundenzahlen steigen, der Profit wächst. Doch es zeichnen sich Probleme für den Streaming-Anbieter ab. Seine Expansion ins Ausland verschlingt viel Geld - und die Konkurrenz wächst.

Die wichtigsten Anbieter von Online-Fernsehen
NetflixAngeboten von: Netflix Streamingkosten pro Jahr: 95,88 - 107,88 Euro Euro Stärke: Viele exklusive Filme und Serien, bewährte Technik, starke Kooperationspartner Schwäche: Wenig aktuelle Filme, anfangs relativ kleines Angebot Wichtigste Serien: House of Cards, Orange Is The New Black, Hamlock Grove Quelle: Unternehmen Quelle: Screenshot
EntertainAngeboten von: Deutsche Telekom Streamingkosten pro Jahr: 359,40 Euro Euro (inklusive Telefon- und Internetanschluss) Stärke: Auch über Satellit nutzbar, teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar Schwäche: Nur im Paket mit Telefon und Internet, lange Vertragsbindung Wichtigste Serien: Sherlock, The Mentalist, How I Met Your Mother Quelle: Screenshot
Prime Instant VideoAngeboten von: Amazon Streamingkosten pro Jahr: 49 Euro Euro Stärke: Exklusive Filme und Serien, Gratislieferung von Amazon-Bestellungen, auf Kindle-Fire ohne online-Verbindung nutzbar Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles Wichtigste Serien: 24, Vikings, Californication, Crossbones, Ally McBeal, Alpha House, Beats Quelle: Screenshot
iTunesAngeboten von: Apple Streamingkosten pro Jahr: Bezahlung pro Download Stärke: Sehr breites Angebot, Serien direkt nach US-Ausstrahlung, Kauf ab 99 Cent Schwäche: Nur Kauf und Miete Wichtigste Serien: True detective, Sleepy Hollow, The Strain, Downtown Abbey Quelle: Screenshot
MaxdomeAngeboten von: ProSieben-Sat.1 Streamingkosten pro Jahr: 49 Euro Stärke: Großes Angebot, Serien direkt nach US-Ausstrahlung, Kaufvideos, teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar Schwäche: Aktuelle Filme und Serien nur Zuzahlung Wichtigste Serien: Under The Dome, Hannibal, Sons Of Anarchy, Bitten, Hawaii-Five-0 Quelle: Screenshot
Sky SnapAngeboten von: Sky Streamingkosten pro Jahr: 47,88 Euro Stärke: Niedriger Preis, Auch Originalfassungen, gegen Aufpreis teilweise ohne Internet-Verbindung nutzbar Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles, nur zu einem Sky-Abo zubuchbar Wichtigste Serien: Game of Thrones, Alcatraz, Die Sopranos, The Walking Dead Quelle: Screenshot
WatcheverAngeboten von: Vivendi Streamingkosten pro Jahr: 107,88 Euro Stärke: Teilweise ohne Internet-Verbindung nutzbar Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles Wichtigste Serien: Mad Men, The Wire, Lilyhammer, The Mentalist, Torchwood Quelle: Screenshot
YoutubeAngeboten von: Google Streamingkosten pro Jahr: 0 Euro Stärke: Gratis, fast unendliches Angebot Schwäche: Wenig aktuelle und hochwertige Filme Wichtigste Serien: Tatort, Schimanski, Kanäle von Komödianten wie Y-Titti, LeFloid Quelle: Screenshot

Auf diese eine Zahl haben die meisten Analysten und Beobachter gewartet: Ist die Wette von Netflix aufgegangen, auch im Ausland schnell auf veritable Kundenzahlen zu kommen? Nachdem der Streaming-Anbieter aus Kalifornien in der Nacht zu Mittwoch seine Zahlen für das Schlussquartal vorgelegt hat, scheint die Richtung klar zu sein – tatsächlich konnte die Truppe von CEO Reed Hastings zwischen September und Dezember die Zahl ihrer Mitglieder außerhalb des Heimatmarktes USA um 2,43 Millionen steigern. Das liegt über den Erwartungen und dürfte für Erleichterung im Netflix-Hauptquartier in Los Gatos sorgen.

Wie viele Neukunden sich von Deutschland aus in den TV-Strom mit Erfolgsformaten wie „House of Cards“ eingeklinkt haben, veröffentlichte Netflix gestern nicht. Doch Serien- und Filmfans zwischen Flensburg und Garmisch dürften ihren Teil dazu beigetragen haben, schließlich ist Netflix hierzulande just im vergangenen September an den Start gegangen.

Die wichtigsten Anbieter im Online-Fernsehen

Zwar kann Hastings zufrieden sein mit der Netflix-Bilanz: Unterm Strich machte der Konzern, der neben dem Streaming-Angebot in den USA auch immer noch DVDs physisch versendet, einen Jahresgewinn von 266 Millionen Dollar bei einem Umsatz von Teure Expansion

Doch die Bilanz zeigt auch, dass die steigende Abonnentenzahl allein allenfalls eine Tendenz zeigt, einen Trend: Ja, Netflix spricht Kunden auch außerhalb der USA an; ja, Kevin Spacey und Co. haben auch in Europa ihre Fans. Und, ja, offenbar hat eine gewisse Zahl von Zuschauern Spaß daran, für das Angebot, nach eigenem Zeitplan gegen eine Monatsgebühr von mindestens acht Euro nach Lust und Laune fern zu sehen. Doch das allein sagt noch wenig darüber aus, ob es Netflix auch auf Dauer gelingt, diese Position zu halten oder gar auszubauen.

Tatsächlich ist die Expansion jenseits der US-Grenzen teuer. Wenn man sich die Verluste anschaut, die Netflix in den vier vergangenen Quartalen in seinem Geschäft außerhalb der USA schrieb, dann sind die kein Pappenstiel: 160 Millionen Dollar betrug der Verlust. Allein im vierten Quartal, das den Abonnentenzuwachs von 2,4 Millionen Neukunden brachte, lag das Minus bei fast 80 Millionen Dollar. Allein die Marketingaufwendungen lagen zwischen September und Dezember mit 116 Millionen Dollar doppelt so hoch wie in den beiden ersten Quartalen des gerade abgeschlossenen Geschäftsjahres.

Wissenswertes über Netflix

Netflix kann sich das erlauben, es ist eine Investition mit Aussicht auf künftige Gewinne – zumindest dann, wenn die Entwicklung so weitergeht wie in den USA, wo das Unternehmen einen Gewinn von 936 Millionen Dollar erzielte. Solange Netflix insgesamt wächst, kann es Anfangsverluste in den neuen Märkten schultern. Und: Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Verluste aus dem internationalen Geschäft sogar. 2013 lagen sie noch bei 274 Millionen Dollar – bei einer deutlich geringeren Zahl von Kunden.

Allerdings steigen gleichzeitig auch die Kosten für die Inhalte – die Zuschauer abonnieren Netflix nicht, weil es so einfach geht und im Monat weniger kostet als eine Kinokarte am Wochenende. Die Leute legen sich Netflix wegen der Inhalte zu, die sie hier erwarten. In Deutschland dürfte ein nicht unwesentlicher Anteil an Neukunden gelockt worden sein von der Aussicht, beide Staffeln der preisgekrönten Polit-Serie „House of Cards“ zur ständigen Verfügung zu haben.

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