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Streamingdienst Spotify peilt 1 Milliarde Nutzer an – und ändert dafür die Strategie

Der schwedische Musik-Streaming-Dienst hat in New York seine neue App vorgestellt. Damit sollen mehr Menschen gratis – aber werbebasiert – Musik hören können.

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Spotify will 1,5 Milliarden Youtube-Nutzer zu sich locken Quelle: AP

New York „We’ve got news for you“ steht auf der geheimnisvollen Einladung von Spotify. Der Musik-Streamingdienst lädt in das Gramercy Theatre auf der East 23rd Street im New Yorker Stadtteil Chelsea ein. Kein Hinweis, worum es geht. „I got to break free“ spielt an diesem Dienstagmorgen im dunklen Theatersaal, der sich schon eine halbe Stunde vor Beginn rasch füllt.

Freies Musikhören auf dem Smartphone ist die Nachricht, die die Schweden von Spotify in New York bekannt geben: Die App wird so geändert, dass Kunden eigene Playlisten auch auf dem Smartphone gratis hören können. Nur ein wenig Werbung müssen sie in Kauf nehmen. Außerdem wird die neue App deutlich weniger Datenvolumen brauchen, damit die Telefon-Rechnung möglichst weniger belastet wird.

Damit ändert Spotify seine bisherige Strategie, die den mobilen Nutzern gratis deutlich weniger Kontrolle und weniger Auswahl gegeben hat. „Warum wir so viel frei geben ?“, fragt der Forschung & Entwicklung-Chef Gustav Söderström. „Weil wir nur so die eine Milliarde Nutzer erreichen können, die wir anstreben“.

Söderström ist angesichts der bisherigen Tests zuversichtlich, dass viele dieser Gratis-Kunden später auf den Bezahldienst wechseln: „Je besser unsere Gratis-Erfahrung ist, umso besser die Chancen, dass die Nutzer später auf unserer Paid Mode umstellen“.

Drei Wochen nach ihrem erfolgreichen Börsengang an der New York Stock Exchange haben die Schweden von Spotify erneut New York gewählt, um den nächsten strategischen Schritt zu verkünden.

Und es ist nicht das einzige Spotify-Spektakel in New York. Die U-Bahn-Haltestelle in Broadway Lafayette in Manhattan hat Spotify in diesen Wochen mit Grafiken und Bildern in eine Hommage an David Bowie verwandelt. Sogar die Fahrkarten-Automaten spucken per Zufallskalkulation Metro-Karten mit David Bowie Motiv aus.

Spotify gibt sich gerne ungewöhnlich. Als sie an die Börse gingen wählten die Schweden eine Direktplatzierung und verzichteten auf die teuren Dienste der Investmentbanken. Statt auf deren Kontakte zu institutionellen Investoren und deren Preisfindung zu setzen, ließen sie den Preis von den Anlegern finden. Das dauerte zwar am ersten Handelstag drei Stunden. Aber mit einem Börsenwert von 27 Milliarden Dollar war es die wertvollste jemals erreichte Direktplatzierung ohne die Hilfe der Banken.

Mit der neuen App bietet Spotify den Nutzern auf der Grundlage ihrer Vorlieben 40 Stunden Musik am Tag an, darunter auch viele neue Künstler. Den Datenverbrauch der App senkt Spotify, indem es beliebte Songs direkt auf dem Handy speichert. Das ist besonders wichtig, da 75 Prozent der Nutzer unter 34 Jahren sind.

„Wir sind nicht nur die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Spotify, sondern der gesamten Musikindustrie“, ist Söderström überzeugt.

Vor acht Jahren hätten viele Musiker Angst gehabt, dass Spotify ihnen schaden könnte, erinnert sich Troy Charter, der bei Spotify für die Entdeckung neuer Talente und die Zusammenarbeit mit den Künstlern zuständig ist. „Heute haben sie verstanden, dass wir den Musikern helfen“ sagt Charter, „Künstler wie Taylor Swift sehen uns als wichtige Partner, um ihre Musik zu vertreiben. Sie wissen: Spotify ist, wo ihre Kunden sind“.

Zehn Millionen mal im Monat hörten Spotify-Nutzer einen neuen Künstler, den sie vorher nie gehört haben, erklärt Charter. „Das sind 10 Millionen Chancen, neue Fans zu finden“.

Der Musik-Streaming-Dienst Spotify gehört zu den erfolgreichen Plattformen im Internet. Dominiert wird dieser Markt vor allem von US-Unternehmen. Spotify ist eine Ausnahme und gehört zu den europäischen Vorzeigeunternehmen der Branche. Mit 71 Millionen zahlenden Abo-Kunden und 159 Millionen Nutzern insgesamt ist Spotify unangefochtener Marktführer. Bis zum Jahresende sollen es rund 200 Millionen Nutzer werden, davon sollen 92 bis 96 Millionen zahlende Kunden sein.

Das Geschäftsmodell basiert auf einer Abo-Gebühr für den unbegrenzten Musikgenuss. Anders als bei der Film- und Serienplattform Netflix dürfen Spotify-Nutzer die Plattform auch kostenlos verwenden, müssen sich dann aber Werbepausen gefallen lassen. Auch daran verdient das Unternehmen.

Dennoch ist Spotify bis heute nicht profitabel. Zwar stieg der Umsatz zuletzt um fast 40 Prozent auf vier Milliarden Euro. Der Nettoverlust lag aber bei 1,2 Milliarden Euro. Der operative Verlust weitete sich im vergangenen Jahr von 349 auf 378 Millionen Euro aus.

Das Streaming-Modell hat bereits den Fernsehmarkt revolutioniert. Netflix oder Amazon Prime sind längst zu Größen im Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer geworden. Ähnlich ergeht es nun auch der Musikindustrie. Doch auch die Großen wie Apple und Amazon mischen mit. Noch sind sie aber deutlich kleiner. Damit sich das nicht ändert, hat Spotify nun den neuen mobilen Gratisdienst angekündigt.

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