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Studie Apple sticht Google beim Mobile Payment aus

Exklusiv
Mobile Payment: Wie sich Apple und Google schlagen – und warum der Durchbruch auf sich warten lässt Quelle: imago images

Mobile Payment sollte das Bezahlen revolutionieren. Doch eine neue Studie zeigt: Bislang ist davon wenig zu spüren. Apple Pay kommt bei den Nutzern zwar gut an – doch der Dienst von Google wird sogar etwas unbekannter.

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Wer ein Smartphone von Samsung, Sony oder LG besitzt, kann dank Google Pay seit Juni 2018 in Deutschland mit dem Handy bezahlen – sei es das Essen im Restaurant, den Sprit an der Tankstelle oder den Wocheneinkauf an der Supermarktkasse. Nutzer von Apple Pay können das hierzulande seit Dezember 2018. Trotz dieses Vorsprungs ist Apple Pay deutlich bekannter, wird von Nutzern als praktischer und vertrauenswürdiger wahrgenommen und trägt so stärker zum – bislang allerdings noch ausbleibenden – Durchbruch des Bezahlens per Smartphone bei.

Das geht aus einer Neuauflage der „Mobile Payment Studie“ des Marktforschungsinstituts Skopos hervor. Diese lag der WirtschaftsWoche exklusiv vor Veröffentlichung vor. Bereits zwei Mal wurde die Studie durchgeführt, die dritte und jüngste Erhebungswelle fand jetzt Mitte Oktober 2019 statt. Befragt wurden iOS- sowie Android-Nutzer.

„Apple Pay hat sich in puncto Bekanntheit deutlich vor Google Pay katapultiert. Fast jeder iOS-Nutzer kennt inzwischen diesen Dienst, Google Pay hingegen ist einem Fünftel aller Android-Nutzer weiterhin unbekannt“, sagt Tillmann Faber, Research Director bei Skopos. Tatsächlich stieg die Bekanntheit von Apple in allen Befragungswellen an – auf nun 93 Prozent unter den iOS-Usern. Google Pay verlor in der jüngsten Befragung hingegen sogar zwei Prozentpunkte.

Diesen Unterschied begründet Faber mit einem „kleinen Kommunikationsvorteil“ Apples an der Supermarktkasse oder in Online-Shops. Das Logo von Apple Pay springt Verbrauchern an beiden Stellen im Zahlungsprozess deutlich häufiger ins Auge als das von Google.

Außerdem gaben 56 Prozent der von Skopos befragten iOS-Nutzer an, Apple Pay zu nutzen oder zumindest daran interessiert zu sein. Damit verfügen sie „über ein signifikant höheres Interesse als Android-Nutzer“, wie es in der Studie heißt. Diese Gruppe macht bei den befragten Android-Nutzern nämlich nur 34 Prozent aus.

Skopos befragte die iOS- und Android-Nutzer auch zu Alltagssituationen, in denen sich die Nutzung von Mobile Payment anbieten würde – etwa an der Supermarktkasse, im Elektronikmarkt oder bei Käufen innerhalb einer App. In neun von zehn Alltagssituationen gaben mehr iOS-Nutzer als Android-Nutzer an, dass sich das Bezahlen per Apple Pay oder Google anbiete. Immerhin: Fünf Prozent der befragten Android-Nutzer könnten sich vorstellen, den Kauf ihres neuen Autos mit Google Pay zu bezahlen (iOS: vier Prozent).

Die Stärke von Apple verhilft Mobile Payment trotzdem noch nicht zum Durchbruch: Bei vielen der Befragten herrschte großes Unwissen über die technischen Voraussetzungen von Mobile Payment. Keine neue Entwicklung: Bereits bei den ersten beiden Erhebungen gingen mehr als 60 Prozent der Android-Nutzer davon aus, dass das Smartphone beim Bezahlen mit Google Pay mit dem Internet verbunden sein muss – obwohl das gar nicht stimmt. 42 Prozent der iOS-Nutzer gehen davon aus, dass eine TAN-App auf dem iPhone oder der Apple Watch installiert sein muss – auch eine solche App ist nicht vonnöten. Das sind keine guten Voraussetzungen für eine breite Nutzung der Dienste.

Tillmann Faber glaubt trotzdem noch daran: „Der Durchbruch von Mobile Payment rückt immer näher.“ Doch bis es wirklich so weit ist, gilt es für Google, Apple und andere Anbieter noch, Skeptiker zu überzeugen. Die Skopos-Studie nennt drei Barrieren, die für die Befragten gegen Mobile Payment sprechen: Sicherheitsbedenken (22 Prozent), andere Bezahl-Apps im Einsatz (18 Prozent) und das Bevorzugen von Bar- oder Kartenzahlung (13 Prozent).

Für Google – das Apple in der Studie ja hinterherhinkt – könnte es übrigens noch dicker kommen: Das hauseigene Betriebssystem Android samt Google Pay läuft derzeit auf den aktuellen Smartphones von Samsung, dem größten Smartphone-Hersteller der Welt. Im dritten Quartal 2019 hatte Samsung einen Marktanteil von 21,8 Prozent. Samsung bietet seit 2015 seinen eigenen Dienst Samsung Pay an und will damit auch in Deutschland starten. Wann es so weit sein soll, ist zwar noch vollkommen offen.

Doch Nutzer von Google Pay auf Samsung-Smartphones könnten sich dann fragen, warum sie nicht gleich den vom Hersteller selbst entwickelten Bezahldienst nutzen – statt einen vermeintlich fremden wie Google Pay. „Apple hat dieses Problem nicht, die Lösung ist von Anfang an ein geschlossenes Ökosystem gewesen“, sagt Tillmann Faber.

Doch auch Apple ist gegen möglicherweise beunruhigende Neuigkeiten nicht gefeit: In der vergangenen Woche stimmten die Abgeordneten des Bundestags für einen Gesetzesentwurf, der es Banken erlauben würde, auf den NFC-Chip eines iPhones zuzugreifen. Was kompliziert klingt, würde bedeuten, dass etwas Volksbanken oder Sparkassen eigene Apps entwickeln könnten, mit denen Kunden mit ihren iPhones an der Kasse bezahlen können – ohne dafür Apple Pay nutzen zu müssen.

Bislang müssen sie das noch tun, Apple sträubt sich gegen die Öffnung ihrer NFC-Chips: „Wir sind überrascht, wie plötzlich dieses Gesetzgebungsverfahren eingeleitet wurde", erklärte das Unternehmen. Nun muss der Entwurf noch durch den Bundesrat. „Selbst, wenn Apple deutschen Banken Zugriff zum NFC-Chip eines iPhones gewähren müsste, ist deren Erfolg mit eigenen Mobile-Payment-Apps immer noch nicht gesichert“, sagt zumindest Tillmann Faber von Skopos.

Doch vielleicht käme mehr Konkurrenz ja dem Durchbruch von Mobile Payment zugute.

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