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Suchmaschinen und Social Media Chinas Internetriesen wollen den Westen erobern

Alibaba, Baidu, Sina und Tencent - die Internet-Giganten aus dem Reich der Mitte nutzen ihren exklusiven Heimatmarkt, um in den Westen zu expandieren.

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Ein Mann sitzt in einem Café in Shanghai und surft im Internet Quelle: REUTERS

Lilian Lee erledigt nahezu ihre gesamte Kommunikation mit Weixin. „Wenn ich mit meinen Mitarbeitern sprechen will, nutze ich den Gruppen-Chat“, sagt die 25-Jährige, die sich gerade in Shanghai als Eventmanagerin selbstständig gemacht hat. „Will ich Veranstaltungen ankündigen, stelle ich das auf ,Events‘ und alle meine Kontakte erfahren davon.“ Lee ist ziemlich busy, ihr Smartphone vibriert im Minutentakt, ständig kommen Nachrichten von Freunden und Kollegen. Normales Telefon und SMS nutze sie nur für geschäftliche Kontakte mit Personen, die sie noch nicht kenne.

Lee ist eine von 300 Millionen Chinesen, die sich Weixin bedienen (die englische Version heißt „WeChat“). In der kurzen freien Zeit zwischen zwei Terminen spielt sie ein Online-Rollenspiel. Und wenn sie am Computer sitzt, läuft nebenher das Chat-Programm QQ.

Mehr als 90 Prozent der 560 Millionen chinesischen Internet-Nutzer surfen regelmäßig im Internet, shoppen online, bloggen oder kommunizieren auf Social-Media-Seiten. Das ist viel, in der Facebook-Heimat USA sind es nur 67 Prozent. China ist bereits der Markt mit der größten Internet-Gemeinde der Welt.

Nur: Das Geschäft hinter der „Great Firewall“, wie die Zensurmaschine des chinesischen Netzes genannt wird, beherrschen nicht Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon. Eventmanagerin Lee etwa nutzt die Angebote von Tencent. Das Unternehmen ist einer von drei Web-Riesen, die um die Vorherrschaft auf dem gigantischen Markt im Reich der Mitte ringen. Die anderen beiden heißen Baidu und Alibaba. Für das Trio gibt es in China bereits ein Kürzel: BAT.

Ähnlich wie Google, Amazon und Facebook bekämpfen die drei sich nicht auf der ganzen Linie. „Sie konkurrieren nicht ständig gegeneinander“, sagt Han Zhao von Huxiu, einem Blog, spezialisiert auf das chinesische Internet. „Eher handelt es sich um drei Königreiche, die an manchen Fronten Krieg führen.“

Doch Smartphone-Besitzer im Westen aufgepasst, vor allem die WhatsApp-Nutzer! Der Krieg in China greift gerade über, insbesondere auf den kostenlosen Nachrichtendienst aus Kalifornien. Denn das Flaggschiff von Tencent, der Messenger-Dienst Weixin, greift in seiner englischen Version WeChat gerade WhatsApp an.

„Tencent hat begonnen, auf westliche Märkte zu expandieren“, sagt Dara McCaba von der Beratung Lucid360 in Shanghai. „Mit weltberühmten Sportlern als Werbeträger will WeChat seine Bekanntheit erhöhen.“ So wirbt Tencent seit Kurzem mit Fußballstar Lionel Messi von Barcelona für WeChat. Die Zahlen sprechen für die Kampagne. Nutzten im April noch 40 Millionen Menschen außerhalb Chinas WeChat, waren es im August schon 100 Millionen, immerhin schon ein Drittel der weltweiten WhatsApp-Gemeinde. Hauptexpansionsmärkte sind bis jetzt südasiatische Länder wie Singapur, Indonesien und Malaysia.

In Aussehen und Funktion dem westlichen WhatsApp ähnlich, verfügt Weixin in China über mehr Funktionen. Wem langweilig ist und die Einsamkeit zu viel wird, kann zum Beispiel eine „Flaschenpost“ mit einer Botschaft in den Cyberspace abwerfen und auf Antwort von Kontaktsuchenden in der Nähe hoffen. Das Feature bietet internationalen Konzernen interessante Möglichkeiten: Kondomhersteller Durex und Kaffeemogul Starbucks nutzen Weixin, um mit ihren Followern direkt in Kontakt zu kommen. Der englischen Version WeChat werden deshalb neben Online-Spielen von Tencent die größten Erfolgschancen auf westlichen Märkten zugetraut.

Alibaba steckt sich hohe Ziele

In diesen Ländern wird das Internet zensiert
ChinaEs ist ein Paradox: 300 Millionen Menschen nutzen in China das Internet - von der Zensur jedoch weiß nur ein Bruchteil der Menschen. Die Regierung nutzt dafür verschiedene Methoden. Filter kommen ebenso zum Einsatz wie Ausspähung und Einschüchterung. Neben pornografischen Seiten sperrt die Regierung Auftritte religiöser und politischer Gruppierungen, welche die Regierung als 'schädlich' ansieht. Auch renommierte Nachrichtenseiten wie BBC oder Social-Media-Portale wie Facebook, Twitter und Youtube sind nicht abrufbar. Nun verschärft China die Zensuren und weitet die Blockaden auf mehrere Internetseiten aus. Der Großanbieter von Cloud-Diensten, Edgecast, räumte am 18.November in einer Mitteilung ein, dass viele seiner Dienste seit kurzem von China aus nicht mehr oder nur noch eingeschränkt abrufbar sind. Die Zensurexperten von Greatfire.org bezeichneten den Schritt als „Versuch, China vom globalen Internet abzuschneiden“. Die Organisation hatte mehrfach angeprangert, dass Chinas Zensurapparat immer ausgefeilter operiere. Teilweise würden Zugriffe auf internationale Internetseiten gezielt verlangsamt, um sie für chinesische Nutzer unbrauchbar zu machen. Chinas Internet wird seit Jahren stark kontrolliert. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie die „New York Times“ oder die Nachrichtenagentur Bloomberg sind von China aus nicht abrufbar. In diesem Jahr hatte China die Sperren bereits ausgeweitet. Kurz vor dem 25. Jahrestag des Pekinger Massakers im Juni wurde erstmals der Zugang zu allen Google-Diensten in China wie Suche, Gmail, Maps und die Fotoplattform Picasa gesperrt. Quelle: REUTERS
TürkeiSeit 2007 können lokale Strafgerichte Webseiten landesweit sperren lassen, sofern sie pädophile oder pornografische Inhalte, die Verherrlichung von Drogen oder Beleidigungen des Staatsgründers Atatürk zeigen. Jetzt hat die Türkei allerdings nochmals die Kontrolle von Internetnutzern verschärft. Die staatliche Telekommunikationsbehörde TIB darf künftig Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss sperren lassen, wenn sie die „nationale Sicherheit“ oder die „öffentliche Ordnung“ gefährdet sieht. Außerdem kann sie Daten über das Surfverhalten von Internetnutzern uneingeschränkt sammeln. Einer entsprechenden Gesetzesänderung stimmte das türkische Parlament in der Nacht zu Mittwoch zu, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Es ist bereits die zweite Verschärfung in diesem Jahr. Internetanbieter müssen die Anweisung zur Sperrung von Webseiten innerhalb von vier Stunden umsetzen. Erst nach 24 Stunden müsse die Telekommunikationsbehörde die Entscheidung einem Gericht vorlegen, um die Sperrung bestätigen zu lassen. Mit Material von dpa Quelle: dpa
NordkoreaNordkorea gilt als das Land mit der weltweit striktesten Internetkontrolle, steht laut Machthaber Kim Jong Un aber vor einer "industriellen Revolution". In seiner Neujahrsrede kündigte der Machthaber mehr Investitionen in Forschung und Technologie sowie Computer in allen Schulen an. Bisher haben lediglich ein paar tausend Privilegierte Zugang zu einer stark zensierten Version des Internets. Unter den zugelassenen Seiten befinden sich 30 Portale, die die großen Führer "Kim Jong-il" und "Kim Il Sung" preisen. Quelle: dapd
RusslandStaatschef Vladimir Putin plant eine Ausweitung der Netzzensur. Vorgesehen ist ein Twitter-Verbot für Staatsdiener sowie Klarnamenzwang in sozialen Netzwerken. Damit wollen die Machthaber um den Staatschef gegen "extremistische Propaganda" und Blogger, die "politische Spekulation verbreiten", vorgehen. Derweil gehen immer mehr Menschen gegen Putins Regime auf die Straße. Quelle: dpa
AfghanistanSeit Juni 2010 werden in Afghanistan diverse Webseiten und Soziale Netzwerke gesperrt. Darunter Facebook, Youtube, Twitter und Google-Mail sowie Seiten mit den Themen Alkohol, Dating, Glücksspiel und Pornografie. Quelle: dpa
WeißrusslandSeit Januar 2012 ist ein Weißrussland ein Gesetz in Kraft, das Alexander Lukaschenko bereits 2010 auf den Weg gebracht hatte. Danach dürfen ausländische Dienste nicht mehr für E-Mails, Finanztransaktionen, den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen genutzt werden. Außerdem müssen die Provider inhaltliche Zensur durchsetzen und PC-Nutzer sich in Internetcafés ausweisen. Quelle: dpa
MyanmarIn Myanmar können sich die meisten Menschen Computer gar nicht leisten, weshalb die Zensurmaßnahmen der Militärregierung vor allem Internetcafés betreffen. Der Zugang zu oppositionellen Webseiten wird hier systematisch blockiert. Auch E-Mail-Programme von Yahoo oder Hotmail können nicht genutzt werden. Was die User in den Cafés treiben, wird sehr genau beobachtet. Alle fünf Minuten werden die URLs der aufgerufenen Seiten gespeichert. Quelle: REUTERS

Tencent ist der profitabelste der drei chinesischen Internet-Riesen. Das Unternehmen machte 2012 bei sieben Milliarden Dollar Umsatz einen Gewinn von zwei Milliarden Dollar. Im September überschritt der Börsenwert des Unternehmens die Marke von 100 Milliarden Dollar und zog damit an Facebook vorbei.

Auf Platz zwei folgt Baidu mit einem Börsenwert von rund 50 Milliarden Dollar. Das Unternehmen ist eine Suchmaschine wie Google, setzte 2012 3,6 Milliarden Dollar um und machte 1,68 Milliarden Gewinn.

Alle in den Schatten stellen aber will Alibaba. Das Unternehmen hat sich mit seinen Plattformen Taobao und T-Mall auf den Online-Handel spezialisiert und eifert Amazon nach. Alibaba will demnächst an die Börse und dabei Facebook übertreffen. Während Tencent mit seinem Pinguin und dem roten Schal die Kommunikation der Chinesen verändert, hat Alibaba das Kaufverhalten und die Gründung von Kleinunternehmen revolutioniert.

Wie in den USA hat auch in China das Internet seine Pioniere zu Supervermögenden gemacht. Tencent-Gründer Ma Huateng ist der viertreichste Mann Chinas: Dem 42-Jährigen gehören noch zehn Prozent der Aktien. Sein Privatvermögen liegt laut „Forbes“ bei 10,2 Milliarden Dollar.

Der damals 27-Jährige, der auch Pony genannt wird („Ma“ bedeutet Pferd auf Chinesisch), gründete Tencent 1998. Das Unternehmen startete mit dem einfachen Chat-Programm QQ und arbeitete die ersten drei Jahre mit Verlust. 2001 kaufte das südafrikanische Unternehmen Naspers für 32 Millionen Dollar 46 Prozent der Anteile. Damals gab es in ganz China kaum 50 Millionen Web-Surfer. In der Folge aber stieg die Nutzerzahl von QQ, wodurch auch die Werbeeinnahmen wuchsen. 2004 ging Tencent in Hongkong an die Börse. Heute nutzen QQ mehr als 800 Millionen Chinesen. Das neue Chatprogramm Weixin und Online-Spiele trieben das Geschäft voran.

Einen Teil dieses Erfolges verdankt Tencent allerdings einer Ironie der Geschichte. 2003 noch brandmarkte die Regierung Computerspiele als „Opium des Volkes“, mit dem die junge Generation sediert werde. Doch dann erkannte die Regierung, dass die Games nationale Fantasien beflügeln helfen. So können junge Leute in Computerspielen wie „Resistance War Online“ zum Beispiel virtuell gegen japanische Invasoren kämpfen. Das Kulturministerium zählt Online-Games jetzt zu „Kulturprodukten“. Heute sind Handy- und Tablet-Spiele in China verbreiteter als im Westen. In der Shanghaier U-Bahn vertreiben sich gefühlte drei Viertel der Fahrgäste so ihre Zeit. Tencent verdient auf eine Weise Geld, die man im Westen am ehesten von browserbasierten Online-Spielen kennt: Die Spiele werden zunächst kostenfrei angeboten. Gegen kleine Aufpreise lassen sich die Avatare mit Waffen, Rüstungen und Gimmicks aufrüsten.

Der Markt wächst rasant: Das Volumen stieg von 160 Millionen Dollar 2003 auf neun Milliarden Dollar 2012. Bis 2016 sollen es 20 Milliarden werden. Anders als im Westen ist die Begeisterung für Spiele geschlechterübergreifend. „Fast alle meine Freunde spielen“, sagt Eventmanagerin Lee. „Und fast alle haben schon einmal Geld ausgegeben, um Avatare aufzurüsten.“

Einkaufstour außerhalb Chinas

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP

Die Gründe dafür liegen tief. „Chinesische Internet-User nutzen noch mehr die sozialen Aspekte des Netzes“, meint Jeff Kwek, Leiter der Markenführung bei Tencent. Eigentlich ist das jedoch ein Euphemismus für die Verkümmerung der sozialen Fähigkeiten vieler nach 1980 geborener Chinesen, als die Regierung begann, die Ein-Kind-Ehe vorzuschreiben. „Sie lieben es, in virtuelle Identitäten zu schlüpfen, die für viele Ausdruck ihrer Persönlichkeit sind“, sagt Kwek. Zugleich bedeutet das Internet trotz der rigorosen Zensur des chinesischen Netzes, die seit dem Regierungsantritt von Xi Jinping nochmals strenger geworden ist, für viele Chinesen ein Stück Freiheit.

Neben der sichtbaren Expansion wie durch WeChat zieht es die chinesischen Internet-Riesen gleichzeitig im Stillen über die Landesgrenzen, indem sie bei westlichen Startups in Europa und im Silicon Valley einsteigen. „Baidu und Tencent verfügen über sehr viel Geld“, sagt Marktkenner Han Zhao. „Sie haben seit Langem Teams im Silicon Valley und in Europa, um vielversprechende Startups aufzukaufen.“

Chinesische Internet-Firmen und ihre amerikanischen Pendants im Vergleich

So hat Tencent laut Präsident Martin Lau bisher fast zwei Milliarden Dollar außerhalb Chinas investiert. 2011 kaufte das Unternehmen den US-Spielehersteller Riot Games in Los Angeles für 400 Millionen Dollar, 2012 erwarb es 40 Prozent von Epic Games, im Juni stieg Tencent beim US-Online-Händler Fab ein. Und kurz darauf erwarb das Unternehmen Anteile am amerikanischen Spielehersteller Activision, der durch „Call of Duty“ und „World of Warcraft“ weltbekannt ist. Neuester Clou ist der Einstieg bei Snapchat. Die Foto-Messaging-App wurde 2011 von drei Harvard-Studenten gegründet und gilt als Konkurrent von Instagram, seit April 2012 eine Tochter von Facebook.

Im Heimatmarkt China versuchen die drei Internet-Champions, sich gegenseitig auszubremsen. Im September beteiligte sich Tencent für 448 Millionen Dollar zu 36,5 Prozent an Sogou, einer chinesischen Suchmaschine mit rund 400 Millionen Nutzern. Der Einstieg zielt klar gegen Chinas Google-Pendant Baidu. Amazon-Nacheiferer Alibaba wiederum stieg Anfang des Jahres bei Sina.Weibo ein, dem chinesischen Gegenstück zum US-Kurznachrichtendienst Twitter. Weibo-User bekommen Zugang zur Alibaba-eigenen Online-Handelsplattform Taobao, Nutzern des Mitteilungsdienstes Weixin von Konkurrent Tencent ist dies nicht möglich. Einkaufen per Smartphone wird auch in China immer beliebter. 2012 kauften Chinesen Waren im Wert von acht Milliarden Dollar mobil, 2014 wird China auf diesem Markt die USA überholen.

In Arbeit
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Der neueste Kampfschauplatz der chinesischen Internet-Giganten ist die Finanzbranche. Die Banken dort sind streng reglementiert. Die staatseigenen Institute bevorzugen Staatsunternehmen bei der Kreditvergabe. Kleinunternehmer und Privatpersonen haben wenig Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Erst kürzlich hat die Regierung die Vorschriften gelockert: Seitdem bieten Baidu, Alibaba und Tencent auch Finanzprodukte an.

Während die drei in ihrer Heimat eine gigantische Basis haben, die zudem rasant wächst, sind westliche Unternehmen auf dem chinesischen Markt bisher gescheitert. Ebay verpasste es, sich den Eigenheiten chinesischer Verbraucher anzupassen, und unterlag Alibaba. Google gab an, sich nicht mehr den chinesischen Zensurvorschriften beugen zu wollen, und räumte das Feld für Baidu. Facebook ist wie YouTube, Twitter und viele andere Social-Media-Seiten von der Regierung gesperrt.

Weixin-Userin Lee vermisst trotzdem nichts: „Als ich in London lebte, habe ich natürlich Facebook genutzt, aber hier in China kennt das niemand.“

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