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Taxi-App-Dienste Uber und Lyft Kampf auf der Straße

Die Turbo-Kapitalisten aus dem Silicon Valley lassen die Fetzen fliegen: Die Taxi-Konkurrenten Uber und Lyft wollen sich gegenseitig zugrunde richten. Der Sieger nimmt sich dann die Taxis vor.

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Mit Uber unterwegs: Das Start-up aus dem Silicon Valley expandiert aggressiv. Quelle: dpa

San Francisco Uber-Chef Travis Kalanick ist um markige Worte nie verlegen. Die Vertreter der Taxibranche nennt er rund heraus schon mal „Arschlöcher“. Und er wird auch nicht müde anzuprangern, wie diese angeblich mafiaähnlich strukturierte Branche mit ihren ach so engen Verbindungen zur Politik mit übelsten und unfairen Methoden seinem armen, kleinen Start-Up das Leben zur Hölle macht. Aber, da ist er sich sicher, denen wird er es schon zeigen. So wie den jungen Konkurrenten aus dem Silicon Valley. Denen wird ebenfalls nichts geschenkt.

Vor allem die Hass-Liebe zum lokalen Konkurrenten Lyft aus San Francisco ist notorisch. Der Bestandteil „Liebe“ ist dabei mittlerweile gestrichen. Über Monate beharken sich die beiden Neulinge im Personenbeförderungsbereich bereits mehr oder wenig hart. Sie werben sich gegenseitig Fahrer ab, versprechen ihnen hohe Einstiegsprämien und garantierte Stundenlöhne von 35 Dollar und mehr. Sie kämpfen um die Kunden des anderen wie um die Kunden von Taxis.

Durch San Francisco fahren Lastwagen mit Plakaten wie „Rasier den Schnurrbart ab“, eine Anspielung auf Lyfts Markenzeichen, den pinken Schnurrbart aus Plüsch. Am großen Parkplatz an der Valencia Street, wo Uber technische Abnahmen vornimmt, steht ein Imbisswagen, der die Wartezeit mit kostenlosem Essen verkürzt – für Uber-Fahrer, finanziert von Lyft. Aber neben solcherlei Nickeligkeiten gab es irgendwie immer noch eine letzte Beißhemmung, die die übelsten Ausfälle verhindern half. Doch das ist jetzt vorbei.

Die Schlacht eröffnete Lyft. Die Firma beschuldigte den Konkurrenten, für 5560 bestellte und wieder abgesagte Fahrten seit Oktober verantwortlich zu sein. Zwar fließt Lyft dann immer eine kleine Gebühr zu, aber die Fahrer verdienen praktisch nichts. Und wenn echte Kunden eine Fahrt buchen, warten sie lange auf ein freies Fahrzeug. Kunden und Fahrer wechseln dann eben zu Uber, die kommen halt schneller und die Fahrer verdienen mehr.

Den Vorwurf lässt Uber nicht auf sich sitzen. Die Anwürfe seinen völlig haltlos, heißt es in einer Stellungnahme. Im Gegenteil: Mitarbeiter von Lyft – einschließlich eines Gründers – seien für 12.900 abgesagte Uber-Fahrten verantwortlich. Den angeblichen Grund für die Neidkampagne liefert das Start-up gleich mit: Einige Lyft-Investoren wollten Uber übernehmen. Falls man sich widersetze, habe ein großer Investor mit „Nuklearkrieg“ gedroht (wortwörtlich sprach Uber von „go nuclear“).

Die Replik von Lyft: „Wieder einmal will Uber die Öffentlichkeit täuschen, diesmal mit falschen Anschuldigungen in der Absicht, von den eigenen illegalen Praktiken abzulenken.“ Und ja, man starte tatsächlich einen „Nuklearkrieg“: Und zwar in der Form, dass man Uber mit einem Wachstum von 30 Prozent monatlich laufend Marktanteile abnehme.

Schon im Januar war Uber negativ aufgefallen. Da versuchte das Unternehmen, die lokale Konkurrenz Gett in New York zu schädigen. Nach Berichten des Klatsch- und Tratsch-Blogs Valleywag wurden zahlreiche Uber-Mitarbeiter bis hin zum für New York verantwortlichen Manager dabei erwischt, wie sie in großem Stil Fahrten buchten und wieder absagten. Besonders perfide: Eine Community-Managerin soll alleine sieben Fahren an einem Tag abgesagt haben. Die Fahrer wurden jeweils danach per SMS kontaktiert, ob sie nicht lieber für Uber fahren wollten.


Die Kriegskassen sind voll

Uber und Lyft haben beide große Investoren und sind mit vollen Kriegskassen ausgestattet. Uber hat mit Google einen der mächtigsten und aggressivsten Investoren im Silicon Valley hinter sich. Vor allem für diese beiden kommt die öffentliche Diskussion um illegale oder zumindest unmoralische Geschäftspraktiken ungelegen. Das Start-up steckt rund um die Welt in Rechtsstreitigkeiten mit Taxiunternehmen und staatlichen Regulieren.

Gerade erst bekämpft Uber massiv eine Gesetzesinitiative, die Fahrer von Chauffeurdiensten wie Uber oder Lyft zwingen würde, in Kalifornien ausreichenden Versicherungsschutz nachzuweisen. Außerdem sollen sie bereits in der Verantwortung stehen, wenn die App ist und sie auf Fahrgäste warten. Uber lehnt das kategorisch ab. Das sei nur „Teil eines Hinterzimmer-Deals“, zusammengezimmert von „der Versicherungsbranche, Taxi-Unternehmern und Anwälten“.

Hintergrund der Initiative: In San Francisco hatte ein Uber-Fahrer ein 6-jähriges Mädchen getötet und ihre Mutter schwer verletzt, als er auf der Straße unterwegs war und auf Kunden wartete. Nach Ansicht von Uber ist der Fahrer dann auf sich alleine gestellt, das Unternehmen gehe der Unfall nichts an. Die schwerstverletzte Mutter hat bereits über 500.000 Dollar Behandlungskosten, so ihr Anwalt. Der Prozess steht noch aus.

Da macht es gar keinen guten Eindruck, nur als der in jeder Hinsicht skrupel- und rücksichtsloser Haudrauf-Marktführer dazustehen, der das Unternehmen auf dem schnellsten Wege börsenreif machen muss, um für seine jungen Gründer und Manager Milliarden einzusammeln.

Schon gar nicht, wenn man auch auf die Loyalität seiner Fahrer nicht mehr wirklich zählen kann. Auf einer Technologie-Konferenz im Silicon Valley sprach Firmenchef Kalanick offen, warum er die Kooperation mit Google so schätze. Uber sei nur deshalb so teuer, sinniert er, weil es Fahrer im Auto gebe. Mit Googles fahrerlosem Auto werde das ganz anders. Das Problem unzufriedener Fahrer, die auch noch Geld verdienen wollen,  hätte sich dann ja erledigt.

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