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Technik-Trends Autos ohne Fahrer und Unternehmen ohne Mails

Politik und Technik stehen vor ein Kommunikationsproblem, das Rennen der selbstfahrenden Autos beginnt und Krypto-Währungen werden weitgehend vom Markt akzeptiert. Eine Prognose für das Technik-Jahr 2018.

Statt umständlichem Mailverkehr wird in modernen Unternehmen bald nur noch via Slack, Tello und Co. kommuniziert. Quelle: AP

„Siri, wie hoch ist mein Kontostand?“ - wichtige finanzielle und private Informationen gehören mittlerweile nicht mehr nur uns selbst, sondern auch unseren digitalen Assistenten. Das bereitet nicht nur den Nutzern Bauchschmerzen – auch Banken sind unzufrieden mit den Sicherheitslücken. Deswegen gehören die Entwicklungen in diesem Bereich zu den Technik-Trends 2018: Die Anbieter müssen nachziehen. Nicht nur in Sachen Privatsphäre geht es vorwärts. Die interessantesten Prognosen der Forschungsinstitute: 

1.     Sichere Zahlungsmethoden rücken in den Vordergrund

Online-Shopping boomt, überall im Netz hinterlassen Nutzer ihre Daten, vor allem ihre privaten Zahlungsmittel. Die Gefahr von Kreditkartenmissbrauch hat sich dadurch bereits massiv erhöht und droht in den kommenden Jahren weiter zu steigen. Deswegen müssen Unternehmen nach Lösungswegen suchen. Hilfreich wird dabei unter anderem der Einsatz von künstlicher Intelligenz sein. Mastercard hat bereits den ersten Schritt gemacht und Brighterion, eine Software-Firma mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz, erworben. Doch nicht nur Zahlungsdaten, sondern auch weitere persönliche Informationen geraten in Gefahr. Gerade im Bereich SmartHome kommen immer mehr Sicherheitslücken zum Vorschein. Deswegen erwartet Sebastian Markowsky vor allem in diesem Bereich neue Technologien: „Ich glaube jeder hat die Reportagen gesehen mit irgendwelchen mit dem Internetverbundenen Kuscheltieren, die sich leicht hacken lassen. Hier herrscht massiver Nachholbedarf.“ Markowsky vermutet, dass mehr und mehr passende Plattformen entstehen werden, über die sich Haushalte schützen können.

2.     Kryptowährungen werden als Zahlungsmittel akzeptiert

Der Hype um Bitcoin, Litecoin und Co. hat das vergangene Jahr geprägt. Der Beliebtheit des Bitcoins steht die mangelnde Händlerakzeptanz ungleich gegenüber. Bisher erlauben nur vereinzelte Anbieter das Zahlen mit Bitcoins, zum Beispiel das Urlaubsportal Expedia oder der amerikanische Möbelhändler Overstock. Das steigende Verbraucherinteresse, niedrigere Transaktionsgebühren und Betrugsschutz Regelungen machen, laut dem Forschungsinstitut BI Intelligence, Kryptowährungen attraktiver für Großhändler. Sebastian Markowsky, Director bei der Technologie-Investment Bank GP Bullhound, prognostiziert der Währungen wie Bitcoin und Litecoin ebenfalls ein erfolgreiches Jahr: „Wer dachte letztes Jahr wird ein erfolgreiches Jahr für diese Währungen, dessen Erwartungen werden in diesem Jahr getoppt. Regulation und Professionalisierung entwickeln sich schnell. Für den Einzelhandel ist vor allem Litecoin interessant.“

3.     Politik und Technologie

Seit dem letzten US-Wahlkampf ist auch dem letzten deutlich geworden, wie einfach sich politisch motivierte Kampagnen über Google und Facebook lenken lassen. Für Sebastian Markowsky ist das Zusammenspiel von Politik und Technik deshalb der interessanteste Trend in 2018: „Social Media wird stark reguliert werden. Das ist wichtig und richtig, weil die Dominanz von Google und Facebook dort extrem ist.“ Allein die Werbeausgaben lägen pro Jahr im digitalen Bereich zu fast zwei Dritteln bei den beiden Konzernen. „Das ist immens und nicht gesund“ sagt Markowsky. Eine der Hauptaufgaben für Politik und Konzerne wird es sein, das Zusammenspiel zu regulieren.  

4.     Das Rennen der Selbstfahrenden Autos beginnt

Waymo, Uber und weitere Tech- und Autofirmen liefern sich schon lange einen Konkurrenzkampf bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos. BI Intelligence glaubt, dass dieser Wettkampf 2018 ein Ende findet. Zumindest wird vermutet, dass noch in diesem Jahr die ersten autonomen Wagen auf die Straße kommen sollen. Wer der tatsächliche Gewinner im Kampf um das Auto ohne Fahrer sein wird, wird sich allerdings erst mit der langfristigen Entwicklung der Fahrzeuge herausstellen.

5.     Die Generation Z regiert den Markt

Zur Generation Z gehören alle, die zwischen 1996 und 2011 geboren wurden. Bis 2020 machen sie 40 Prozent der amerikanischen Konsumenten aus, und auch in Deutschland gehören sie zu einer der größten Konsumentengruppen. Die Gen Z ist die erste Generation, die ausschließlich im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist. Sie sind Handy-Süchtig, im Gegensatz zu ihrer Vorgänger-Generation eher realistisch als optimistisch und haben eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne. In diesem Jahr wird sich der Markt an eben diese Gruppe anpassen müssen – vor allem für die Marketing-Abteilungen eine schwierige Aufgabe.

6.     Das Handy ersetzt den Fernseher – zumindest in China

Passend zur Smartphone-süchtigen Generation Z entwickelt sich der Markt in China. Die Chinesen sind, unabhängig vom Alter, stark auf ihr Handy fixiert. Dafür sorgen unter anderem die immer weiter sinkenden Preise. Die GP Bulldog rechnet damit, dass die Handynutzung in China noch in diesem Jahr mit dem Fernsehkonsum gleichzieht und in den nächsten 24 Monaten sogar überholt. China ist ein extremes Beispiel für einen globalen Trend – bis das Smartphone in Deutschland den Fernseher ersetzt, wird es aber noch ein wenig dauern.

7.     Übersetzungssoftware

Stichwort globale Trends: Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden auf der ganzen Welt könnte noch in diesem Jahr um einiges leichter werden. Google arbeitet schon lange an einem Kopfhörer, der in Echtzeit Gespräche übersetzt. GP Bullhound rechnet mit mehr als einer Milliarde Nutzern neuester Übersetzungstechnologien in 2018. Die Zahl ist realistisch: In 2016 nutzten bereits 500 Millionen Menschen den Übersetzer Dienst von Google.

8.     Das Ende der Email

Nicht nur Produktion und Vertrieb, sondern auch Kommunikation wird durch Technologie effektiver. Vor rund 50 Jahren erleichterte die Email unsere non-verbale Kommunikation. Laut Markowsky wird der elektronische Brief 2018 durch Chat-Tools ersetzt: „Die Emailnutzung wird von 2018 an sinken. Was jetzt anbricht ist eine neue Ära. Allein Slack wird bereits von 40 der „Fortune 100“ genutzt. Wenn solche Tools auf internationaler Ebene genutzt werden, dann ziehen auch kleinere Unternehmen nach.“  Neben Slack bieten auch Unternehmen wie Asana oder Trello Services, die den klassischen Mail-Verkehr nach und nach ersetzen können.

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