Tele Columbus: Kein Geld bekommen
Internetmarke Pÿur:Kabelnetzbetreiber Tele Columbus hat hohe Schulden
Foto: imago imagesDass die Zeiten hart sind für Tele Columbus, ist nichts neues: Das Unternehmen muss den Umbau vom Kabel- zum Glasfaseranbieter stemmen und das kostet Geld. Gleichzeitig lasten mit 1,1 Milliarden Euro hohe Schulden auf dem Unternehmen. Davon entfallen rund 650 Millionen Euro auf eine 2018 begebene Anleihe. Die Krise spiegelt sich im Aktienkurs: Statt 2,50 Euro, wie noch Ende April, kostet eine Aktie nun nur noch rund 50 Cent. Allein heute fiel der Kurs um rund zwölf Prozent.
An den Anleihen lässt sich ebenfalls ablesen, dass sich Investoren sorgen: Die Papiere werden an der Börse aktuell zu 54 Prozent ihres ursprünglichen Werts gehandelt. Dennoch: Zuletzt schien sich die Lage eher zu entspannen. Am 11. Oktober hatte Tele Columbus verkündet, verbindliche Zusagen für zusätzliches Kapital in Höhe von 100 Millionen Euro erhalten zu haben. Die Darlehen sollten von einer Tochtergesellschaft des Hauptaktionärs zur Verfügung gestellt werden. In der Meldung heißt es weiter, dass die Gesellschafter auch grundsätzlich bereit seien, weitere Investitionen zu tätigen. Erst 2021 wurde Tele Columbus von der Investmentfirma Kublai übernommen, hinter der Morgan Stanley Infrastructure Partners sowie der ehemalige Tele-Columbus-Großaktionär United Internet stehen.
Dementsprechend dürften einige Anleihegläubiger dann doch überrascht gewesen sein, dass eine Anfang November fällige Zinszahlung bislang nicht erfolgte. Einem Insider zufolge wäre Tele Columbus in der Lage gewesen die Zahlung in Höhe von 12,5 Millionen Euro zu leisten. Man befinde sich aber gerade in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit großen Anleihegläubigern und weiteren Geldgebern, um die Schulden des Unternehmens neu zu strukturieren. Man wolle erreichen, dass in den nächsten fünf Jahren keine Verbindlichkeiten mehr fällig werden und sich das Management auf den Ausbau des Glasfasernetzes mit seinen Partnern aus der Wohnungswirtschaft konzentrieren könne. Zudem werde mit den Gesellschaftern über weitere Kapitalzuschüsse im dreistelligen Millionenbereich verhandelt.
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Die Gespräche mit Gläubigern und Gesellschaftern sollen kurz vor dem Abschluss stehen. Es werde voraussichtlich eher Tage als Wochen dauern bis die Gesellschaft darüber berichte, sagt ein Insider. Die Manager von Tele Columbus hätten sich entschieden, die Zinszahlung „on hold“ zu stellen, bis die Verhandlungen abgeschlossen seien. Eine Mitteilung darüber an alle Anleihegläubiger erfolgte aber offenbar nicht. Ein Unternehmenssprecher wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.
Als „ausgefallen“ gilt die Zinszahlung deswegen noch nicht. Das Unternehmen hat nach dem ursprünglich vorgesehenen Zinstermin noch 30 Tage Zeit, die Zahlung nachzuholen.
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