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Telekom und 1&1Ein Bündnis aus purer Not

Neuer Strategieschwenk und ein historisches Friedenssignal von Telekom-Chef Höttges: Er will mit dem Erzrivalen 1&1 Glasfasernetze bauen, der sagt umgehend zu. Aus Sicht der Telekom wäre die Kooperation sehr sinnvoll.Jürgen Berke 14.08.2018 - 16:33 Uhr aktualisiert

Telekom-Chef Timotheus Höttges und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner betrachten Glasfaserkabel für schnelles Internet.

Foto: imago images

United Internet ist so etwas wie ein rotes Tuch für die Deutsche Telekom. Als „Schmarotzer“ und „Trittbrettfahrer“ hat bisher jeder Telekom-Chef den Firmengründer Ralph Dommermuth beschimpft. Denn all seine Erfolge feiert der United-Internet-Discounter 1&1 auf dem Rücken anderer Infrastrukturen – sowohl im Festnetz, als auch im Mobilfunk. Erst in den vergangenen Jahren begann United Internet nach der Übernahme des Festnetzanbieters Versatel damit, eigene Glasfaserleitungen – vorzugsweise in Gewerbegebieten – zu verlegen.

Jetzt hat Telekom-Chef Tim Höttges zum ersten Mal ein Friedenssignal in die United-Internet-Zentrale in Montabaur geschickt. „Verbindlich“ bietet Höttges dem erfolgreichsten Internet-Unternehmer in Deutschland an, gemeinsam Glasfaserkabel zu verlegen und bundesweit mehr als fünf Millionen Haushalte an dieses Netz anzuschließen.

Der Telekom-Chef springt damit erstmals über seinen Schatten und schlägt seinem Erzrivalen vor, dass die beiden Unternehmen gemeinsam in den Großräumen Berlin, Ruhrgebiet und Thüringen (mit den Städten Erfurt, Jena, Weimar und Eisenach) Glasfasernetze bis an die Haustür bauen und sich die Tiefbaukosten teilen. „1&1 soll beweisen, dass sie bereit sind, in Infrastruktur zu investieren“, sagte Höttges in einem heute veröffentlichten Interview der Funke Mediengruppe. Anscheinend sind sie das: Der Konkurrent sagte umgehend seine Beteiligung zu.

1&1-Mutterkonzern

United-Internet-Chef sagt Beteiligung am Glasfaserausbau zu

Aus Sicht der Telekom wäre die Kooperation mehr als sinnvoll: Die Großräume Berlin und Ruhrgebiet sind die einzigen Ballungszentren mit vielen Millionen Haushalten, die noch nicht von einem regionalen Glasfaseranbieter wie M-Net in München, Netcologne in Köln oder wilhelm.tel in Hamburg dominiert werden. Mit diesen neuen, regionalen Platzhirschen haben Deutsche Telekom und United Internet längst Kooperationen angekündigt und zum Teil schon vereinbart.

Noch offen ist dagegen das Rennen in den anderen Großstädten. Hier greifen verstärkt Vodafone und Unitymedia mit ihren schnellen TV-Kabelnetzen an, die nach der Genehmigung der im Frühjahr vereinbarten Fusion als echte Alternative zur Telekom ausgebaut werden sollen. Wenn also die Telekom bis 2021 – wie derzeit geplant – wartet, um den eigenen Glasfaserausbau bis zu den Haustüren auf zwei Millionen Haushalte pro Jahr hochzufahren, könnten noch mehr Kunden zur schnelleren TV-Kabel-Konkurrenz überlaufen. Eile ist also geboten. Telekom und United Internet könnten gemeinsam ihren Kundenstamm verteidigen.

Glasfasernetz

Telekom-Chef fordert 1&1 zum gemeinsamen Netzausbau auf

Auch so absurde Situationen, dass beide Unternehmen – die Deutsche Telekom und United Internet – gleichzeitig und unkoordiniert in einem Gewerbegebiet ihre Glasfaser verbuddeln, würden dann der Vergangenheit angehören. Der Autor hat das selbst erlebt: Im Technologiepark der Dortmunder Universität verlegte 1&1 Versatel eigene Glasfaser, um im Auftrag von Kunden wie dem Planungsunternehmen Assmann Gigabit-Geschwindigkeiten bereitstellen zu können. Die Glasfaserkabel der Telekom zu den grauen Verteilerschränken, die nur 100 Megabit pro Sekunde schaffen, lagen direkt daneben. 1&1 verlängerte sein bereits vorhandenes Glasfasernetz um wenige Meter, damit der Kunde seine Daten auf mehr als ein Gigabit pro Sekunde beschleunigen kann.

Verpatzter Glasfaserausbau

Helmut Kohl und das Leerrohr sind schuld

von Jürgen Berke

Der Blick in solch eine Baugrube verrät aber auch: Die höchsten Kosten beim Bau von Glasfasernetzen verursacht das Aufgraben von Straßen und Bürgersteigen, damit neben die Rohre für Strom, Wasser und Gas noch ein Schutzrohr für Glasfaser platziert werden kann. Solch ein in der Regel zehn Zentimeter dickes Leerrohr, wie es bei Netztechnikern heißt, wäre eigentlich ein Eldorado für unbeschränkten Infrastrukturwettbewerb im Glasfaser-Zeitalter. Denn dieses Stück Plastik mit dem Durchmesser eines Abflussrohrs bietet Platz für hauchdünne Glasfasern von einem Dutzend und mehr Anbietern. Eine bilaterale Glasfaserkooperation mit United Internet, wie jetzt von Höttges vorgeschlagen, ist deshalb auch ein Versuch, die Zahl der Glasfaserbetreiber in jedem Leerrohr so klein wie möglich zu halten.

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